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Werbeboykott gegen Hatespeech auf Facebook

Unter dem Dach der Kampagne "Stop Hate for Profit" schalten im Monat Juli einige Unternehmen keine Werbung auf den Diensten von Facebook. Grund dafür ist ein gesteigerter Unmut gegenüber dem Netzwerkbetreiber, der nicht oder nur unzulänglich gegen Rassendiskriminierung, Hetze und Holocaust-Leugnung auf der sozialen Plattform vorgeht.

Ein Werbeboykott soll Mark Zuckerberg zum Umdenken im Umgang mit Hassbotschaften auf Facebook bewegen. (Foto Quelle: Unsplash)
Angesichts der angespannten politischen Lage in den Vereinigten Staaten, starteten Mitte Juni einige US-Bürgerrechtsorganisationen die Initiative "Stop Hate for Profit". Die Kampagne fordert Unternehmen dazu auf, ihre Werbemaßnahmen vorübergehend zu unterbrechen, um gegen Hass und Desinformation auf den Diensten von Facebook vorzugehen. Der Werbeboykott soll Facebook-Gründer und Vorstandsvorsitzenden Mark Zuckerberg dazu bewegen, konkrete Schritte im Umgang mit kontroversen Beiträgen einzuleiten. Auch in Deutschland sorgt der Boykott für Aufsehen. Aus einer Civey Meinungsumfrage mit 5000 Befragten geht hervor, dass 80 Prozent der Deutschen den Facebook-Werbeboykott richtig finden.

Werbetreibende unterstützen Hetze auf Facebook

Die #StopHateforProfit-Initiatoren argumentieren, dass 99 Prozent des 70 Milliarden Dollar Umsatzes von Facebook auf Unternehmen zurückgehen, die das soziale Netzwerk als Werbeplattform nutzen. Mit ihren Geldern unterstützen sie ein System, das rassendiskriminierende und nationalistische Beiträge toleriert, wie zuletzt Aufrufe zur Gewalt gegen die Black-Lives-Matter-Bewegung. Außerdem stufte Facebook die sehr rechte Website Breitbart News trotz nachweislicher Kontakte zu weißen Nationalisten als vertrauenswürdige Quelle ein. Bislang sind über 1000 Unternehmen dem Aufruf gefolgt temporär keine Werbung auf Facebook zu schalten - darunter auch Werberiesen wie Adidas und Playstation.

Mehr ein Image- als ein Finanzproblem

Ob Facebook mit dieser Aktion tatsächlich finanziell unter Druck gerät, ist fraglich. Immerhin verzeichnet Facebook nach eigenen Angaben mehr als sieben Millionen Werbepartner. Dabei machen die 100 größten Werbekunden gerade einmal sechs Prozent des Gesamtumsatzes aus. Etwa 75 Prozent sind kleine und mittelständische Unternehmen. Fallen nun temporär ein paar davon weg, ist dieser Verlust für Facebook vernachlässigbar. Als sich jedoch Ende Juni mit Unilever der weltgrößte Hersteller von Verbrauchsgütern der Initiative anschloss, reagierten Anleger nervös. Facebooks Firmenwert sank drastisch um 56 Milliarden Dollar. Doch nur wenige Tage später stieg der Aktienkurs wieder auf Vor-Boykott-Niveau an. Es scheint, als müsse Zuckerberg die Krise lediglich "aussitzen".

Aus Imagegründen empfiehlt sich dennoch eine Reaktion seitens der Unternehmensführung. So sperrte Facebook öffentlichkeitswirksam über 300 Konten einer rechtsextremen Gruppe. Außerdem kündigte Zuckerberg einen neuen Umgang mit Inhalten an, die gegen die Regeln des sozialen Netzwerks verstoßen. Demnach sollen künftig Anzeigen gelöscht werden, in denen behauptet wird, dass Menschen einer gewissen Herkunft, Religion oder sexuellen Orientierung eine Gefahr für die Sicherheit darstellten. Regelmissachtende Anzeigen von allgemeinem Interesse würden nun gekennzeichnet. Eine Sprecherin von Facebook bestätigte, dass dadurch auch eine umstrittene Botschaft von Donald Trump zu Briefwahlen gekennzeichnet worden wäre, welcher Ende Mai auf dem Kurznachrichtendienst Twitter mit einem Faktencheck versehen wurde. Facebook-Mitarbeiter distanzierten sich in dieser Sache öffentlich von ihrem CEO, der als hetzerisch empfundene Botschaften des US-Präsidenten unangetastet ließ.

Forderungen der Initiative bleiben unerfüllt

Am 7. Juli kamen die Kampagnen-Initiatoren mit Mark Zuckerberg per Videokonferenz zusammen. Der dort anwesende Rashad Robinson, Präsident der Bürgerrechtsgruppe Color of Change, nannte den Ausgang des Gesprächs eine Enttäuschung, da seitens Facebook keine der insgesamt zehn Forderungen der Initiative konkret zugesagt wurden. Aus diesem Grund kündigten die Bürgerrechtler nun an, sich weiter für die Umsetzung konkreter Maßnahmen einzusetzen und etwa die regelmäßige Veröffentlichung eines Transparenzberichts sowie die Prüfung von Facebook-Beiträgen durch unabhängige Dritte zu erwirken.

Quellen:

 

Kathrin Haas

VERÖFFENTLICHT AM

20. Juli 2020

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