Social Media

Wenn Reichweite reich macht

Rezo launcht Analyse-Tool Nindo

Die Hälfte der Weltbevölkerung besitzt einen Social-Media-Account. Unternehmen nutzen soziale Netzwerke zunehmend, um dort über Influencer ihre Produkte anzupreisen. Mitte Juli hat Youtuber Rezo sein eigenes Analyse-Tool für Influencer-Reichweiten gelauncht.

Immer mehr Menschen sind in sozialen Netzwerken aktiv. (Quelle: Unsplash)
Immer mehr Menschen sind in sozialen Netzwerken aktiv. (Quelle: Unsplash)
Die Nutzerzahlen sozialer Netzwerke steigen scheinbar unaufhörlich. In den vergangenen zwölf Monaten registrierten sich 376 Millionen Menschen neu bei Facebook, Instagram, Twitter und Co. Damit ist nun mehr als die Hälfte der Weltbevölkerung in sozialen Medien aktiv. Das geht aus dem Report "Digital 2020" der Social-Media-Agentur We Are Social und dem Social-Media-Management-Tool Hootsuite hervor. Allein bei Instagram registrieren sich im Tagesdurchschnitt über eine Million neue User, die Zahl der aktiven Nutzer liegt bei über einer Milliarde.

Social-Media-Plattformen sind aus dem Alltag nicht mehr wegzudenken. Analog nimmt die Bedeutung von Influencern zu. Besonders Youtube und Instagram spielen dabei eine große Rolle. Eine Befragung des Bundesverbands Digitale Wirtschaft (BVDW) von 1068 Deutschen im März 2020 zeigte, dass bereits mehr als jeder fünfte Deutsche schon einmal ein Produkt gekauft hat, nachdem er es zuvor bei einem Influencer gesehen hat. Eine Vielzahl von Unternehmen strebt daher eine möglichst geschickte Platzierung ihrer Produkte und Dienstleistungen in sozialen Netzwerken an. Dabei unterstützen sollen Analytics-Plattformen, die mittels Social-Media-Statistiken reichweitenstarke Kanäle analysieren.

Youtuber Rezo baut Influencer-Analyse-Tool

Durch sein 17-millionenfach geklicktes Video "Die Zerstörung der CDU" hat Youtuber Rezo im letzten Jahr große Bekanntheit erlangt. Seither hat er nach eigenen Angaben hauptsächlich an einem Projekt gearbeitet: Gemeinsam mit drei Freunden baute Rezo, der einen Masterabschluss in Informatik hat, das Tool Nindo: Darauf sind verschiedenste Statistiken rund um die Kanäle der größten Social-Media-Persönlichkeiten mit überwiegend deutschem Content kostenlos einsehbar. Rund 16.000 Kanäle von etwa 12.000 Künstlern werden analysiert. Voraussetzung, um in die Auswertung aufgenommen zu werden, sind 100.000 Abonnenten auf Youtube, 50.000 Tiktok-Fans, und/oder 10.000 Follower auf Instagram, Twitter oder Twitch.

Für Top-Ranking braucht es Likes und Views

Auf der Startseite von Nindo werden die reichweitenstärksten Social-Media-Kanäle gelistet. (Quelle: nindo.de)
Auf der Startseite von Nindo werden die reichweitenstärksten Social-Media-Kanäle gelistet. (Quelle: nindo.de)
Auf der Startseite von Nindo werden für die Plattformen Youtube, Instagram, Tiktok, Twitter und Twitch separate Ranglisten der Kanäle angezeigt, die in den letzten fünf Tagen durchschnittlich die meisten Likes oder Views verzeichneten. Laut Rezo vermittelt diese Kennzahl schnell ein klares Bild davon, welche Influencer aktuell die größten Reichweiten erzielen. Mit einem Klick auf einen bestimmten Social-Media-Kanal gelangt man auf eine Übersicht des jeweiligen Influencers mit all seinen Kanälen und weiteren Kennzahlen, wie etwa dem Follower-Zuwachs. Diese Darstellung sowie die Auswahl der Metriken unterscheide Nindo maßgeblich von bestehenden Analytics-Plattformen. Das Ranking des Marktführers Socialblade etwa sei intransparent, so Rezo. Im deutschsprachigen Markt werden daneben weitere Anbieter wie InfluencerDB, Infludata, Quintly und Storyclash zur Social-Media-Analyse genutzt. Auch diese Tools scannen öffentliche Accounts und bewerten sie anhand bestimmter Daten.

It's a match! Die Partnerbörse für Influencer Marketing

Likes auf Beiträge von Influencern werden oft als Messwert für ihren Einfluss und die Legitimation ihrer Bezahlung verwendet. (Quelle: Unsplash)
Likes auf Beiträge von Influencern werden oft als Messwert für ihren Einfluss und die Legitimation ihrer Bezahlung verwendet. (Quelle: Unsplash)
Nindo bietet vertiefende Statistiken in einer kostenpflichtigen Pro-Version für Unternehmen, denen das Tool Aufschluss darüber geben soll, welche Influencer im deutschsprachigen Raum zu ihrem Business passen. Auch hier steht eine Rangliste im Fokus. Verschiedene Filter ermöglichen Unternehmen, auf ihre individuellen Ansprüche zugespitzte Analysen. So kann nach klassischen Indikatoren wie Geschlecht, Genre der Inhalte, Views pro Video und Abonnenten gefiltert werden. Hinzu kommen Daten zur Demographie der Zielgruppe des jeweiligen Kanals. Auf den einzelnen Influencer-Seiten können Unternehmen dann noch tiefer in die Analyse des jeweiligen Accounts einsteigen und entscheiden, ob die Inhalte zur eigenen Brand passen.

Bleiben Likes als Währung im Netz bestehen?

Likes entscheiden vermeintlich über Popularität, Erfolg und Misserfolg. (Quelle: Unsplash)
Likes entscheiden vermeintlich über Popularität, Erfolg und Misserfolg. (Quelle: Unsplash)
Likes scheinen derzeit eine der aussagekräftigsten Währungen im Social-Media-Kosmos zu sein. Doch das muss nicht so bleiben: Instagram testete bereits weltweit an einem Bruchteil der Nutzer eine Version der App, in der die Anzahl von Likes unter Beiträgen verborgen wird. Davon verspricht sich der Plattformbetreiber ein Ende der Ästhetik der Perfektion und des damit einhergehenden Popularitätswettbewerbs. Dieser würde momentan viele Nutzer unter Druck setzen. Ohne den vermeintlichen Zwang, möglichst viele Likes zu erhalten, erhofft sich Instagram mehr überraschende, mutige und kreative Inhalte. Gleichzeitig wirft die Ausblendung der Likes jedoch die Sorge auf, das Geschäftsmodell von Influencern zu beschränken, die ihre Bezahlung mitunter durch Likes legitimieren. Instagram arbeite daher aktiv an Möglichkeiten, dass Influencer auch in einer Welt ohne Likes weiterhin in der Lage sein werden, ihre Rolle an Partner zu kommunizieren und ihre Bezahlung zu rechtfertigen. Ob Instagram diese Änderung für alle Nutzer umsetzt, bleibt abzuwarten. Wenn es dazu kommt, ist es wohl eine Frage der Zeit, bis auf Nindo und Co. Social-Media-Persönlichkeiten anhand neuer Messgrößen bewertet und in eine Rangliste gepackt werden.

Quellen:

Kathrin Haas

VERÖFFENTLICHT AM

06. August 2020

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