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Veranstaltungsbeschreibung

254044b Empirische Forschung zur digitalen Gesellschaft

Zuletzt geändert:04.11.2018 / Zöllner
EDV-Nr:254044b
Studiengänge: Medienmanagement (Master, Studienstart ab WS15/16), Prüfungsleistung im Modul Empirische Medienforschung in Semester 1
Häufigkeit: nur WS
Unternehmenskommunikation (Master, Studienstart ab WS15/16), Prüfungsleistung im Modul Empirische Medienforschung in Semester 1
Häufigkeit: nur WS
Dozent: Prof. Dr. Oliver Zöllner
Sprache: Deutsch
Art: -
Umfang: 2 SWS
ECTS-Punkte: 3
Workload: 2 SWS / 3 ECTS = 90 Zeitstunden
Inhaltliche Verbindung zu anderen Lehrveranstaltungen im Modul: Theoretische Fragestellungen, die sich die Studierenden per Lektüre im Kurs "Digitalität und Gesellschaft" erschlossen und angeeignet haben, sollen in diesem Kurs in eigenständig durchzuführende empirische Forschungsprojekte umgesetzt werden (Theorie-Praxis-Transfer).
Prüfungsform:
Beschreibung: #social_research #methods #field_projects #digital_society
Dieses Seminar bietet eine Einführung in die wesentlichen Erhebungs- und Analysetechniken der quantitativ und qualitativ orientierten empirischen Gesellschafts- und Medienforschung. Deren Verfahren und Methoden sollen für Fragestellungen aus dem Kontext der digitalen Gesellschaft bzw. der Digitalisierung zur Anwendung gebracht werden.
Das Seminar vermittelt die wesentlichen methodischen Kenntnisse zur Durchführung von empirischen Studien z.B. mittels standardisierter Befragungen, Inhaltsanalysen, Gruppendiskussionen und Tiefeninterviews: von der Entwicklung einer Fragestellung bis hin zur Ergebnispräsentation. Anhand eigener Projekte sollen die Teilnehmer zu kompetenter selbständiger Anwendung des Gelernten angeleitet werden.
Leitthema im WS 2018/19 ist "Langeweile und Muße im digitalen Zeitalter". Das ist schon interessant: Eigentlich verspricht uns die Digitalisierung permanent Bequemlichkeit und Zeitersparnis, gleichzeitig empfinden wir digitale Anwendungen oft als "Zeitfresser" (schon mal gewhatsappt?), teils sogar als Stress [> ARTE-Doku "Immer vernetzt"]. "Freie Zeit" ist heute etwas anderes als noch vor 20 oder 30 Jahren, so scheint es. Was machen wir mit ihr? Haben wir noch "lange Weile"? Finden wir noch die Muße für andere Gedanken? Haben wir "nichts zu tun"? Was bedeuten diese Konzepte, warum scheinen sie unter den Bedingungen der Digitalität so bedrückend zu sein, warum und wofür sind sie möglicherweise dennoch wichtig? Konkret: Wie gehen Menschen in ihrem täglichen Leben mit Langeweile und Muße um (checken sie wirklich ständig ihre WhatsApp-Messages und Status-Updates?), und was trägt das alles zum "Erblühen" oder zum "Glück" des Einzelnen wie auch seiner Gesellschaft bei (wie der alte Aristoteles es formuliert hätte)? Und wenn in Zukunft künstliche Intelligenzen uns das Denken angeblich abnehmen sollen, was für neue Freiräume hätten wir als Menschen dann eigentlich - und wofür? Um diese und ähnliche Fragestellungen zu beantworten, werden wir Grundgedanken der Ethik in angewandte empirische Sozialforschung überführen.
Literatur zum Konzept der Muße (gr. scholê) gibt es reichlich (vgl. Wikipedia). Inhaltlich-konzeptionell werden wir uns auch mit Hartmut Rosas Buch "Beschleunigung" (2005) auseinandersetzen, in dem die "Beschleunigung des 'Tempos des Lebens' und die Paradoxien der Zeiterfahrung" behandelt werden (Rosa 2005, S. 195 ff.). In methodischer Hinsicht werden wir uns insbesondere mit der "narrativen Medienforschung" (Müller/Grimm 2016) befassen und mit dieser Methode Erzählungen über Langeweile und Muße im digitalen Kontext erschließen: Wie wird davon erzählt? Welche Weltmodelle und Wertesysteme werden in solchen Narrationen aufgebaut? Ich verspreche Ihnen, dass das nicht langweilig wird. Wir wollen Muße und Langeweile für das digitale Zeitalter erschließen. Hören Sie doch mal hier rein: "Langeweile und wie sie sich verändert hat" (Beitrag von Olaf Karnik auf WDR 5, 12.07.2018, MP3). Und Nolen Gertz' TED-Talk fragt ganz grundsätzlich, ob die Freizeit den Menschen befreit oder versklavt. Hier anschauen: "Nihilism - There’s an App for That!" | Nolen Gertz | TEDxFrankfurt. Haben wir nicht genügend Zeit, die Dinge zu tun, die wir tun wollen - oder haben wir nicht genügend Willen, uns die Zeit dafür zu nehmen? Das könnte eine Kernfrage des Kurses sein. Eine sehr instruktive Besprechung von Gertz' dazugehörigem Buch "Nihilism and Technology" (2018) finden Sie hier: blogs.lse.ac.uk/lsereviewofbooks/2018/10/30/book-review-nihilism-and-technology-by-nolen-gertz/.
#internet #social_media #society #culture #leisure #boredom #personality #ethics
This seminar will look into the status of digital society, digital living, and issues that result from such processes of digitality. Participants will be observing what happens online (how we interact, how we display ourselves, how we maintain our privacy, how we shop, we we date, how we hate, how we rate, how we evaluate, etc.), will be reading articles, book chapters and books about the issues that are at stake (What does digitality do to us and to society?), and will be developing research questions of their own. The perspective of digital media ethics will play an important role in answering such questions: What is a flourishing life under the conditions of digitality?
To be able to answer this question, you will have to read at least *some* of the literature relevant to the field. Below please find a list for you to start dipping into discussions of digitality.
In the winter semester 2018/19 we will be investigating boredom and leisure. Yes, exactly - Langeweile and Muße: what these concepts mean in the digital age, why they seem to be in disregard (but are nevertheless important, of course, for the formation of people's personality, resilience, and creativity), how people deal with it in their everyday lives, and what boredom and leisure contribute to a flourishing life (that's the ethical aspect). I promise it won't be boring, and you won't be constantly checking your WhatsApp messages.
English Title: Empirical Research on Digital Society
Literatur: Babbie, Earl (2011): Introduction to social research. 5th (international) ed. Belmont CA: Wadsworth.
Brosius, Hans-Bernd; Haas, Alexander; Koschel, Friederike (2016): Methoden der empirischen Kommunikationsforschung. Eine Einführung. 7. Aufl. Wiesbaden: VS.
Diekmann, Andreas (2017): Empirische Sozialforschung. Grundlagen, Methoden, Anwendungen. 11. Aufl. Reinbek: Rowohlt.
Flick, Uwe (2000): Qualitative Forschung. Theorie, Methoden, Anwendung in Psychologie und Sozialwissenschaften. 5. Aufl. Reinbek: Rowohlt.
Helfferich, Cornelia (2005): Die Qualität qualitativer Daten. Manual für die Durchführung qualitativer Interviews. 2. Aufl. Wiesbaden: VS.
Kromrey, Helmut; Roose, Jochen; Strübing, Jörg (2016): Empirische Sozialforschung. Modelle und Methoden der standardisierten Datenerhebung und Datenauswertung mit Annotationen aus qualitativ-interpretativer Perspektive. 13. Aufl. Konstanz/München: UVK/Lucius & Lucius.
Kühn, Thomas; Koschel, Kay-Volker (2018): Gruppendiskussionen. Ein Praxis-Handbuch. 2. Aufl. Wiesbaden: Springer VS.
Lamberti, Jürgen (2001): Einstieg in die Methoden empirischer Forschung. Planung, Durchführung und Auswertung empirischer Untersuchungen. Tübingen: DGVT.
Lamnek, Siegfried; Krell, Claudia (2016): Qualitative Sozialforschung. Lehrbuch. 6. Aufl. Weinheim; Basel: Beltz.
Mayring, Philipp (2015): Qualitative Inhaltsanalyse. Grundlagen und Techniken. 12. Auflage. Weinheim: Beltz.
Meyen, Michael et al. (2011): Qualitative Forschung in der Kommunikationswissenschaft. Eine praxisorientierte Einführung. Wiesbaden: VS.
Mikos, Lothar; Wegener, Claudia (Hrsg.) (2017): Qualitative Medienforschung. Ein Handbuch. 2. Aufl. Konstanz, München: UVK.
Möhring, Wiebke; Schlütz, Daniela (2010): Die Befragung in der Medien- und Kommunikationswissenschaft. Eine praxisorientierte Einführung. 2. Aufl. Wiesbaden: VS.
Müller, Michael; Grimm, Petra (2016): Narrative Medienforschung. Einführung in Methodik und Anwendung. Konstanz, München: UVK.
Porst, Rolf (2014): Fragebogen. Ein Arbeitsbuch. 4. Aufl. Wiesbaden: SpringerVS.
Scheufele, Bertram; Engelmann, Ines (2009): Empirische Kommunikationsforschung. Konstanz: UVK.
Silverman, David (ed.) (2004): Qualitative research. Theory, method and practice. 2nd ed. Thousand Oaks; London; New Delhi: Sage.

Noch ein paar ganz (forschungs-)praktische Hinweise:

Dresing, Thorsten; Pehl, Thorsten (2018): Praxisbuch Interview, Transkription und Analyse. Anleitungen und Regelsysteme für qualitativ Forschende. 8. Aufl. Marburg: Eigenverlag. [Onlineversion: www.audiotranskription.de/praxisbuch (PDF)]
Lamberti, Jürgen (2001): Einstieg in die Methoden empirischer Forschung. Planung, Durchführung und Auswertung empirischer Untersuchungen. Tübingen: DGVT.
Wegener, Claudia; Mikos, Lothar (2017): Wie lege ich eine Studie an? In: dies. (Hrsg.): Qualitative Medienforschung. Ein Handbuch. 2. Aufl. Konstanz, München: UVK, S. 220-228.

Interviews und Datenschutz:

Ein sehr hilfreiches Dossier zum Thema "Interviews datenschutzrechtkonform führen und verarbeiten" (mit Vorlagen für Datenschutzerklärungen etc.) finden Sie hier: www.audiotranskription.de/qualitative-Interviews-DSGVO-konform-aufnehmen-und-verarbeiten.



Weitere Literatur finden Sie in der HdM-Bibliothek.
Internet: FACHZEITSCHRIFTEN und LITERATURDATENBANKEN:
Das Portal Quasus: Methoden qualitativer Sozial-, Unterrichts- und Schulforschung bietet hervorragende Einführungen und Literaturtipps - einfach mal auf die Reiter "Was muss ich wissen?", "Wie kann ich vorgehen?" und "Wer kann mir helfen?" klicken!
Das Blogportal Sozialwissenschaftliche Methodenberatung von Dr. Isabel Steinhardt bietet viele hervorragende Übersichten und praxisnahe Vertiefungen.
Das Social Research Update der University of Surrey (UK) bietet hervorragende Überblicke über (fast) alle Verfahren und Methoden der Sozial- und Medienforschung.
Online-Zeitschrift Forum Qualitative Sozialforschung (FQS).
Artikel aus der Fachzeitschrift "Media Perspektiven" als PDFs (ab Jahrgang 1997) unter www.media-perspektiven.de.
Artikel (bzw. ganze Hefte) der Fachzeitschrift "Medien & Kommunikationswissenschaft" als PDFs (ab Jahrgang 2000).

ANALYSESOFTWARE:
Eine Übersicht über Statistik-Software (darunter auch diverse kostenlose!) finden Sie hier. Es gibt mehr als nur SPSS...
Eine Einführung, wie man mit Word (!) qualitative Textkorpora auswerten kann, gibt der Artikel "Die technikunterstützte Analyse von qualitativen Daten mit Word" von Bruno Nideröst.
Eine Software zur Auswertung von Texten mittels der qualitativen Inhaltsanalyse nach Philipp Mayring ist QCAmap - und ist kostenfrei!
Schön ist auch MAXQDA [Demoversion hier], nicht zuletzt das Infotutorial/Webinar lohnt sich anzuschauen.
Mit Catma (kostenlos!) lassen sich Textbestände qualitativ kodieren und auswerten.
Für Mac gibt es auch die Software Annotations zur Auswertung von qualitativen Textdaten - mit einer kostenlosen Basisversion und einer relativ günstigen Vollversion.

SONSTIGE QUELLEN:
Hans-Jürgen Andreß: Glossar zur Datenerhebung und statistischen Analyse. Onlinequelle: uni-koeln.de/glossar/stichwor.htm.
Featherstone, Liza (2018): Talk is cheap: The myth of the focus group. Focus groups make us feel our views matter – but no one with power cares what we think. The Guardian online (6.2.), URL: www.theguardian.com/news/2018/feb/06/talk-is-cheap-the-myth-of-the-focus-group.
Verstanden

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