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Videostreaming

Die Zukunft des Bewegtbilds

Video On Demand (VOD), das zeitlich frei bestimmbare Streamen von Videos, ist seit Jahren im Aufwind. Ein Dschungel aus Serien, Filmen und Exklusiv-Inhalten ist entstanden – quasi überall und jederzeit verfügbar. Die Beliebtheit von VOD ist selbsterklärend. Im Gegensatz zum klassischen, linearen Fernsehen ist man beim Streaming zeitlich ungebunden und kann sich das Programm selbst zusammenstellen. In Zeiten, in denen Individualisierung und Mobilität von hoher Relevanz sind, sind das unschlagbar überzeugende Eigenschaften.

Der deutsche Videostreaming-Markt verzeichnet seit 2012 einen rasanten Zuwachs von 82 Prozent. Neue Player schießen wie Pilze aus dem Boden. Zuletzt betrat die Videostreaming-Plattform "Sooner" aus deutsch-französischer Hand den Ring im Kampf um Marktanteile.

Amazon Prime ist der Liebling der Deutschen

Netflix und Amazon Prime sind die großen Player auf dem Streamingmarkt. (Foto: Unsplash)
Mit 53 Prozent nutzt mittlerweile über die Hälfte der Deutschen mindestens einen kostenpflichtigen Videostreaming-Dienst. Die Plattform Amazon Prime ist trotz erfolgreicher lokaler Inhalte von Netflix aufgrund seiner Position als First Mover führend. Briten, Franzosen und Schweden favorisieren hingegen Netflix als Streaming-Plattform. Neben den beiden großen amerikanischen Playern ist der Markt stark fragmentiert.

Disney+ ist seit März in Deutschland verfügbar. (Foto: Unsplash)
Neu hinzugekommen ist etwa der Videostreaming-Dienst Disney+ des US-amerikanischen Medienunternehmens The Walt Disney Company, der seit März dieses Jahres in Deutschland verfügbar ist. Bereits sechs Monate nach Markteintritt verzeichnet Disney+ weltweit knapp 55 Millionen Abonnenten. Ein sprunghafter Anstieg von rund 20 Millionen neuen Nutzern im März könnte auf den Lockdown im europäischen Raum zurückzuführen sein. Daneben gibt es Plattformen, wie MagentaTV von der Deutschen Telekom, die verschiedene Angebote bündeln. Hier erhalten Neukunden etwa für einen bestimmten Zeitraum Disney+ oder Netflix gratis dazu.

TV-Sender on demand

Deutsche Fernsehsender versuchen im Wettstreit um Marktanteile am digitalen Videogeschäft mitzumischen. ProSiebenSat1 und Discovery gründeten etwa die gemeinsame Bewegtbildplattform Joyn, die im Juni 2019 startete. Auf Joyn können einerseits über 50 TV-Sender live gestreamt werden. Andererseits bietet die Plattform ein Video-on-Demand-Angebot aus eigenproduzierten Serien, Shows und lokalen Inhalten. Die Mediengruppe RTL stellt Bewegtbildinhalte auf der Plattform TVNOW zur Verfügung. Doch nicht nur die Privatsender geben im Bereich Videostreaming Gas. Die öffentlich-rechtlichen Rundfunkanstalten ARD und ZDF stellen in eigenen Mediatheken Angebote zur Verfügung. Da dies überwiegend über den Rundfunkbeitrag finanziert wird, den jeder deutsche Haushalt zu leisten hat, ist das Angebot in den Mediatheken frei zugänglich. Die öffentlich-rechtlichen Rundfunkanstalten werden hier ihrem Grundversorgungsauftrag gerecht, der sich aus Artikel 5 Absatz 1 Satz 2 des Grundgesetzes ableitet. Demnach muss vom öffentlich-rechtlichen Rundfunk ein vielfältiges Programmangebot für die Allgemeinheit zur Verfügung gestellt werden, das eine freie Meinungsbildung sowie kulturelle Vielfalt gewährleistet.

Die Geschäftsmodelle im Streamingmarkt sind divers. Die meisten Dienste nutzen ein Abo-Modell, bei dem der Nutzer einen pauschalen Monatsbeitrag zahlt und dafür Zugriff auf das gesamte Angebot erhält - so etwa bei Netflix. Andere Anbieter, wie beispielsweise Joyn, stellen ein werbefinanziertes Basisangebot zur Verfügung. Erst für die Nutzung der gesamten Mediathek ist ein Abo nötig.

"Sooner" bedient Arthouse- und Independent-Szene

Die Plattform Sooner schreibt sich "STREAM BEYOND" auf die Fahne. (Foto: Sooner.de)
Mit "Sooner" ist seit Ende Juli ein neuer Streamingdienst auf dem Markt, der die Vielfalt des europäischen Films digital abbilden will. Das Portal konzentriert sich auf Filme, Serien und Dokumentationen aus der Arthouse- und Independent-Szene, viele davon auf Festivals wie Cannes, der Berlinale oder dem Sundance Film Festival prämiert. Ein weiterer Schwerpunkt liegt auf Musik, Tanz und Theater. Der Slogan "Stream beyond" soll für Vielfalt, exklusive europäische Angebote und die besondere Qualität der Inhalte stehen.

"Wir wollen mit unserem Angebot den interessierten Usern eine Alternative zu den etablierten Streamingdiensten bieten", sagt Andreas Wildfang, Geschäftsführer von Content-Scope, der deutsch-französischen Betreibergesellschaft von Sooner. Es gebe "wahnsinnig viel Talent in Europa und wahnsinnig viele Serien, die bis jetzt hier nicht zu sehen sind", sagt er. Die Aufmachung von Sooner wirkt im Vergleich zur amerikanischen Konkurrenz weniger stereotypisch glamourös. Das Angebot beinhaltet unter anderem Projekte von Filmhochschulen, wie der Hochschule für Bildende Künste Hamburg und der Deutschen Film- und Fernsehakademie Berlin.

Wachstumspotenzial für Videostreaming

Hört man sich bei Anbietern und Branchenexperten um, lautet der allgemeine Tenor, dass der Videostreaming-Markt noch lange nicht ausgeschöpft ist. Der Verband Vaunet als Vertreter der privaten audiovisuellen Medien in Deutschland glaubt an eine positive Marktentwicklung. Frank Giersberg, Mitglied der Vaunet-Geschäftsleitung, ist optimistisch, denn "mehr Anbieter als früher gehen in die Vermarktung und investieren in die Programme."

Quellen: 

Kathrin Haas

VERÖFFENTLICHT AM

31. August 2020

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