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Hochschule der Medien

imo-Programm-Abschluss

„Jetzt, wo ich gerade warm geworden bin ...“

Seit drei Stunden kann sie nichts essen oder trinken. Stephanie Schlayer ist zu nervös. Gleich muss die Nachwuchsmoderatorin zeigen, was sie im letzten Jahr am Institut für Moderation an der Hochschule der Medien (HdM) gelernt hat. An diesem Freitagabend, den 12. Oktober 2012, moderiert sie zum ersten Mal im Schloss Favorite in Ludwigsburg.

Zur Detailansicht Stephanie Schlayer und Wieland Backes im Studio des SWR-Nachtcafés (Foto: Franziska Böhl)

Stephanie Schlayer und Wieland Backes im Studio des SWR-Nachtcafés (Foto: Franziska Böhl)

Zur Detailansicht Nachwuchsmoderatoren Patrick Hünerfeld und Stephanie Schlayer mit Biologin Barbara Schweder (v.l.n.r.)

Nachwuchsmoderatoren Patrick Hünerfeld und Stephanie Schlayer mit Biologin Barbara Schweder (v.l.n.r.)

Das Qualifikationsprogramm Moderation ist durch eine Kooperation zwischen der HdM, dem Südwestrundfunk (SWR) und der Akademie für gesprochenes Wort entstanden. Bereits zum dritten Mal konnten 15 Medieninteressierte in der Zusatzausbildung die verschiedenen Bereiche der Moderation trainieren, sei es für Fernseh- und Radiosendungen oder für größere Veranstaltungen vor Publikum.

Stephanie ist eine von ihnen. Zumindest bis heute Nacht. Danach ist ihre Ausbildung zu Ende. Gleich wird die Abschlusssendung des Qualifikationsprogramms mit dem Thema "Frauengeschichten – Männergeschichten" aufgezeichnet. "Seit heute Mittag sind wir hier. Die Generalprobe vorhin lief gut. Aber ich bin so nervös. Ich hoffe, ich vergesse nichts", sagt die 25-Jährige und hält ihre Moderatorenkärtchen fest in den Händen. Im SWR-Nachtcafé starten Moderator Wieland Backes und HdM-Professor Stephan Ferdinand mit dem Warm up.

Kamera an, Lächeln an

Noch eine Minute. Die letzten Gäste suchen Plätze. Auch Stephanie nimmt Platz auf dem Barhocker am Tresen. Neben ihr sitzt Patrick Hünerfeld, der ebenfalls die Ausbildung gemacht hat, die Evolutionsbiologin Barbara Schweder als Interviewgast gegenüber. "Achtung im Studio, wir starten die Aufzeichnung", lautet plötzlich eine Durchsage im Studio. Stephanie fängt an zu lächeln. Das Licht der Kameras geht an. Beide begrüßen die Gäste zu dieser Sondersendung und erzählen, dass sie ein Jahr lang von Backes und Ferdinand "geschmiedet" wurden. "Heute Abend sehen sie, was es gebracht hat", sagt sie abschließend.

"Frauen können nicht einparken, Männer nicht zuhören. Was ist denn der Unterschied zwischen Männern und Frauen", fragt Stephanie die Biologin. Ihr Blick wechselt zwischen der Forscherin, ihren Kärtchen und dem Publikum. Nach fünf Minuten ist die erste Runde beendet. Verschnaufpause für Stephanie. Jetzt sind erst einmal andere Moderatorenpärchen dran: Sie interviewen für jeweils rund zehn Minuten unter anderem die Integrationsministerin Bilkay Öney, die SOKO Stuttgart-Darstellerin Nina Gnädig oder Jack Silver, der eine "Kriegerschule" für Männer gegründet hat. Zwischendurch tritt Musiker Max Mutzke auf.

Zittern zwischen den Gesprächsblöcken

Etwa eine halbe Stunde später sind Stephanie und ihr Kollege mit dem nächsten Gesprächsblock dran. Sie sind die einzigen beiden, die heute mehrmals mit ihrem Gast sprechen. Wieder rückt Stephanie kurz vorher ihren Blazer zurecht, streift sich durch die Haare und blickt ein letztes Mal in ihre Kärtchen. Souverän meistert sie auch diese Runde. Dann heißt es erneut warten, während andere Moderatoren dran sind. Der letzte Gesprächsblock gehört wieder ihnen. Sie beenden die Sendung mit einem Zitat des argentinischen Künstlers Guillermo Mordillo: "Nachdem Gott die Welt erschaffen hatte, schuf er Mann und Frau. Um das ganze vor dem Untergang zu bewahren, erfand er den Humor." Der Abschluss gelingt, ein letztes Mal lachen die Zuschauer im Publikum. Das Licht an den Kameras geht aus.

Keine Angst, sich zu blamieren

"Schade, dass es schon zu Ende ist. Jetzt wo ich warm geworden bin, könnte ich bis morgen früh durchmoderieren", sagt Stephanie gelockert. In ihrer einjährigen Ausbildung hat sie gelernt souverän mit der Kamera und den Gesprächspartnern umzugehen. Der Dialog mit beiden ist wichtig. In Wochenendseminaren, freitags und samstags, hat sie das neben ihrem Studium gemacht. Zurzeit ist sie im zweiten Semester des Electronic Media Masters mit dem Schwerpunkt Medienwirtschaft.

SWR-Moderator Wieland Backes und HdM-Professor Stephan Ferdinand treten währenddessen vor den Tresen. Sie stellen den neuen Jahrgang vor, unter denen jeweils fünf HdM-Studenten, SWR-Mitarbeiter und Externe sind. 40 Sekunden haben sie Zeit, um sich originell zu präsentieren. "Damals habe ich bei meiner Vorstellung als Ziel genannt, die 'Tagesschau' oder 'Wetten dass …?' zu moderieren", erzählt sie. Den Neuen rät sie, keine Angst zu haben, sich zu blamieren und ruhig alles einmal auszuprobieren, um herauszufinden, was zu einem passt.

Beeindruckt von Ruhe und Souveränität

Großer Applaus ertönt anschließend im Schloss Favorite. Die beiden Institutsleiter sind mit den Leistungen aller Moderatoren sehr zufrieden. "Zwei bis drei von ihnen sind überdurchschnittlich", sagt Backes. Besonders beeindruckt war Ferdinand von der inneren Ruhe und der Souveränität der Nachwuchsmoderatoren. Der Professor weiter: "Es war schön zu sehen, dass viele vermittelte Inhalte umgesetzt wurden. Eine schönere Bestätigung für unsere Arbeit kann es eigentlich nicht geben."

Am Sonnabend, den 20. Oktober 2012, wird die Abschlusssendung um 22:15 Uhr im ARD-Digitalkanal Eins Plus gesendet.  

Franziska Böhl

VERÖFFENTLICHT AM

17. Oktober 2012

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