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Hochschule der Medien

Conmedia 2018 im Landtag Baden-Württemberg

Vom Glashaus zum gläsernen Bürger

Wie betreffen uns politische Entscheidungen in unserem alltäglichen Leben? Und welche Auswirkungen könnten politische Entscheidungen eigentlich auf unsere Gesellschaft haben? Bei der Conmedia im Wintersemester 2017/2018, die am 17. Januar 2018 im Landtag Baden-Württemberg stattfand, bekam das Publikum Antworten auf diese und weitere Fragen. Doch zuvor ließen die Studenten der Hochschule der Medien (HdM) ihre Gäste in die Rolle der Politiker schlüpfen, die sonst im "Glashaus" debattieren.

Per Handy konnten die Zuschauer selbst über fünf Fragen rund um Umweltschutz, staatliche Überwachung und Transparenz abstimmen. Fotos: Sven-Sebastian Sajak
Was es mit dem Motto der Conmedia zum Wintersemester 2017/2018 "Experiment-Demokratie" auf sich hatte, erfuhr das Publikum im Baden-Württemberger Landtag schon zu Beginn der Veranstaltung. "Alle Handys raus", betonte Laura Terberl, die am Institut für Moderation (imo) der HdM ihre Ausbildung zur Moderatorin absolvierte und die Gäste durch den Abend führte. Per Handy konnten die Zuschauer selbst über fünf Fragen rund um Umweltschutz, staatliche Überwachung und Transparenz abstimmen. "Ich lege die Verantwortung unseres Landes in ihre Hände", verkündete Landtagspräsidentin Muhterem Aras in diesem Zusammenhang in der Begrüßungsrede. Die Ergebnisse wurden im Anschluss durch die "Stimme aus dem Off", von Sprecher Dominik Eisele, Student der Sprechkunst und Sprecherziehung an der Hochschule für Musik und Darstellende Künste in Stuttgart, verkündet. Im Anschluss wurden einzelne Personen aus dem Publikum zu ihren Abstimmungen befragt.

"Dystopische" Apps

Das Publikum wurde zur Abstimmung zu Beginn der Veranstaltung befragt.
Wolfang Gruel, Professor für digitale Technologie und Innovation an der HdM führte im Laufe der Veranstaltung zwei neuartige Apps ein. Das Publikum konnte über die Einführung der Apps mit "ja" oder "nein" abstimmen. Bei der App "Best Choice" handelte es sich um eine Personalvermittlungs-App, die Arbeitgebern erlaubt, anhand von persönlichen Social-Media-Daten ein detailliertes Bewerber-Profil zu erstellen. Die App "ICU" wurde entwickelt, damit sich Bürger gegenseitig auf alltägliche Ungerechtigkeiten, wie Falschparken oder Umweltverschmutzung hinweisen können. Das Publikum schien sich in beiden Fällen für die Einführung der beiden Apps entschieden zu haben. Die anwesenden Gäste schienen mit ihren Entscheidungen den Weg zu einem Überwachungsstaat geebnet zu haben. Anhand von epischen Schauspiel-Elementen präsentierten die Studenten, die daraus entstandene "neue" Gesellschaft mit "gläsernen Bürgern". Jeder Mensch könnte durch die neuen Technologien in ein Punktesystem eingegliedert werden, das zwischen guten und schlechten Bürgern unterscheidet.

Offenheit, Respekt und Pluralität

Zum Ende der Veranstaltung wurde das Geheimnis um das Experiment gelüftet. Die beiden Apps waren in Wirklichkeit frei erfunden. Allerdings existiere in China bereits eine App, die "ICU" stark ähnelt. Zudem wurden die Antworten auf die Fragen zu den Apps von den Veranstaltern geplant manipuliert. Das Publikum hatte sich in Wirklichkeit gegen die Einführung der Apps entschieden. "Sie haben aufgezeigt, dass Politik nicht im luftleeren Raum stattfindet und dass sie auf einem Wertefundament aufbaut", so fasste Aras das Ergebnis des Experiments zusammen. Ziel des Experimentes war es, eine Art Schreckensbild zu entwerfen, um zu zeigen, was das Resultat politischer Entscheidungen sein kann. Aras rief dazu auf, sich stärker mit dem Grundgesetz auseinanderzusetzten, um Werte wie Offenheit, Respekt und Pluralität zu bewahren.

Eine etwas andere Conmedia

HdM-Dozent Markus Wendling sprach von einer "Conmedia, wie sie vorher noch nie da war". "Dieses Mal gab es wenig Talkgäste und der Schwerpunkt lag ganz klar auf dem Publikum selbst. Das war ein großes Wagnis", betonte Wendling. "Die Studierenden sollten Sachen entdecken, die sie vorher so noch nicht kannten. Es wurde sich intensiv mit politischen Fragestellungen beschäftigt", ergänzt Professor Stefan Ferdinand. Für die Studenten selbst, war die größte Herausforderung, dass alles stimmig sein musste. "Wir mussten jeden Programmpunkt genau diskutieren, bevor er umgesetzt wurde und wir wollten natürlich auch die Erwartungen der Professoren erfüllen", erzählt Alannah Lindenberger, Studentin aus dem Projektteam der Conmedia. "Obwohl es manchmal ziemlich lange Tage waren, hat die Arbeit im Team echt Spaß gemacht. Wir waren alle aus verschiedenen Semestern und kannten uns davor nicht, aber es war eine tolle Truppe", so die Studentin. 

 

Anna-Maria Relle

VERÖFFENTLICHT AM

19. Januar 2018

KONTAKT

Prof. Stephan Ferdinand

Medienwirtschaft

Telefon: 0711 8923-2256

E-Mail: ferdinand@hdm-stuttgart.de

Markus Wendling

Medienwirtschaft

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E-Mail: markus.wendling@hdm-stuttgart.de

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