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Hochschule der Medien

Google Street View

Privatsphäre versus Internetdienst

Der Streit um den Datensammelskandal von Google Street View spitzt sich zu: Während Befürworter des Internetdienstes dessen Start entgegenfiebern, haben sich 38 US-Bundesstaaten zusammengeschlossen, um gegen den Konzern vorzugehen.

Die W-Lan-Speicherung von Google Street View sorgt für Unmut: Prof. Dr. Roland Schmitz weiß, wie man sich schützt. (Fotos: Google/Sven Cichowicz)

Die W-Lan-Speicherung von Google Street View sorgt für Unmut: Prof. Dr. Roland Schmitz weiß, wie man sich schützt. (Fotos: Google/Sven Cichowicz)

Viele kritische Stimmen kommen auch aus Deutschland. Der Bundesrat diskutiert ein Gesetz zur Ausweitung des Datenschutzes. Immer mehr deutsche Städte legen in ihren Rathäusern vorformulierte Musterwidersprüche aus, die zur Weiterleitung an Google gesammelt werden.

Google hatte während des Fotografierens von Straßen für seinen Kartendienst Street View W-Lan-Daten in mehr als 30 Ländern erfasst. Dies sei ein Versehen gewesen. In mehreren Ländern laufen mittlerweile Verfahren gegen Google, darunter zum Beispiel England, Australien und Spanien.

Wir sprachen mit Prof. Dr. Roland Schmitz, Studiendekan Mobile Medien, über Datensammel-Skandale und Möglichkeiten sich davor zu schützen.

In den vergangenen Wochen gab es viel Aufregung um den W-Lan-Datensammel-Skandal von Google Street View. Was ist dabei genau passiert?

Schmitz: Google ist mit einem Messfahrzeug durch die Straßen gefahren. Mit Antenne und Laptop ausgestattet, haben sie anscheinend geschaut: Wo gibt es überall W-Lans und wie lautet deren SSID, d.h. die Netzwerkkennung? Aufgezeichnet wurden auch die sogenannten MAC-Adressen. Das Entscheidende dabei ist: Auch bei ungesicherten, nicht verschlüsselten W-Lans wurden anscheinend, wie Google hinterher zugeben musste, Nutzdaten mitaufgezeichnet.

Wie können diese Nutzdaten aussehen?

Schmitz: Google hat erst nach mehrfacher Anfrage des Datenschutzbeauftragten zugeben, dass auch Nutzdaten aufgezeichnet worden sind. Angeblich seien nur Bruchstücke der Daten betroffen. Dadurch, dass die Autos schnell vorbeigefahren seien, hätte man gar keine kompletten Pakete aufzeichnen können und es sei ohnehin nur ein Versehen gewesen. Wenn man ein unverschlüsseltes W-Lan benutzt, kann im Prinzip der gesamte Datenverkehr mitgehört werden. Das betrifft dann den gesamten Internetverkehr, E-Mails, Passwörter oder wenn Sie zum Beispiel gerade Urlaubsbilder übers Netz verschicken, auch diese.

Was könnte Google ihrer Meinung nach im schlimmsten Fall mit den Daten anfangen?

Schmitz: Der Phantasie sind da natürlich keine Grenzen gesetzt. Man sieht welche Seiten sich ein Internet-User anschaut, man hat sofort einen Überblick über die Interessen des jeweiligen Users, mal ganz abgesehen von persönlichen Daten, wie Passwörtern oder sogar Pin- und Tan-Nummern für das E-Banking. Wenn man die missbraucht, wäre das eine kriminelle Nutzung, das möchte ich Google nicht unterstellen. Bekannt ist aber, dass sie interessiert an Nutzerprofilen von Usern sind. Diese könnte man theoretisch durch solche Daten noch weiter aufwerten.

Gibt es eine Möglichkeit für einen Internet-User herauszufinden, welche Daten von ihm möglicherweise gespeichert wurden?

Schmitz: Das ist schwierig, weil man als User natürlich abhängig davon ist, wieviel Google von sich preisgibt. Und das ist sehr wenig. Das Risiko, das allerdings von einem unverschlüsselten W-Lan-Netz ausgeht, ist allgemein sehr groß. Egal ob Google mit einem Messauto vorbeifährt oder nicht. Das könnten sich auch andere Leute zunutze machen. Im einfachsten Fall, um kostenlos den Internetzugang eines Anderen benutzen zu können. Grundsätzlich sollte keinesfalls ein unverschlüsseltes W-Lan benutzt werden. Das ist sogar illegal.


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VERÖFFENTLICHT AM

18. Juli 2010

KONTAKT

Prof. Dr. Roland Schmitz

Medieninformatik

Telefon: 0711 8923-2124

E-Mail: schmitz@hdm-stuttgart.de

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