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Hochschule der Medien

Schnäppchenjäger

Per Netz Rabatte vor Ort

Dass Gutscheine und Vergünstigungen im Netz gut ankommen, wissen wir bereits seit der Einführung von Groupon, DailyDeals & Co. Mithilfe von Location Based Services ist die Jagd nach Rabatten jetzt noch leichter: Mobil lassen sich Angebote in der Nähe orten oder Gutscheine für Check-Ins sammeln.

Mobil einchecken bei Friendticker, Foursquare & Co.

Mobil einchecken bei Friendticker, Foursquare & Co.

Lange schon wird den Location Based Services ein hohes Potential zugesprochen. Dabei handelt es sich um Dienste, die mithilfe eines Smartphones (oder mittlerweile auch über Tablet-PCs) die Möglichkeit bieten, den eigenen Standort in einer Social Community zu veröffentlichen oder darauf bezogene Informationen aus dem Internet zu ziehen. Trotz der erfolgversprechenden Prognosen kamen sie nie so richtig ins Rollen. Es fehlte besonders die Akzeptanz der Nutzer, diese Dienste zu verwenden - aus Angst vor Datenklau, Verletzung der Privatsphäre oder Einbrüchen, wenn man seinen aktuellen Standort einer Smartphone-Applikation verrät. Dennoch scheint sich langsam das Bewusstsein für solche Dienste zu verändern. Der Nutzer erkennt plötzlich einen echten Mehrwert in der Bekanntgabe seines Aufenthaltsortes: den Erhalt von Rabatten und Geschenken.

Vapiano als Vorreiter

In Amerika funktioniert diese Art der Schnäppchenjagd schon länger und verspricht spätestens seit der Einführung von Facebook Deals Mitte November zunehmenden Erfolg. Aktionen wie der Destroyer Burrito, eine Kampagne von Nike Sportswear, sind dabei keine Ausnahme. Eines der ersten Unternehmen, das in Deutschland dieses Konzept in seine Marketing-Strategie integriert hat, ist die Restaurantkette Vapiano. Via Foursquare musste man sich im Mai diesen Jahres als „Mayor" ausweisen - ein Abzeichen, das man erhält, wenn man sich am häufigsten an einem Ort eingecheckt hat - und bekam dafür einen Kaffee gratis. Aktuell hat nun McCafé eine Kampagne mit Facebook Places gestartet. Wenn man sich bis zum 24. Dezember in einer der Filialen eincheckt, kann man ein Törchen eines virtuellen Adventskalenders öffnen und erhält ein digitales Geschenk direkt auf sein Handy.

Schnäppchen für's Fest

Gerade jetzt um die Weihnachtszeit boomen Schnäppchenaktionen jeglicher Art natürlich besonders und könnten dadurch auch die Azeptanz von Location Based Services steigern. Auch das zum „Start-up des Jahres 2010" nominierte, deutsche Unternehmen Friendticker könnte davon profitieren. Es hat sich auf das „Spar-Prinzip" spezialisiert und belohnt Nutzer, die sich häufig einchecken, mit Items - also Vergünstigungen, Rabatten und Gutscheinen.

Interessant für Schnäppchenjäger 2.0 sind auch Anwendungen wie Aloqa, die einem Angebote von Läden und Supermärkten in der nahen Umgebung anzeigen. Wenn es also bei einer Drogerie einen halben Kilometer entfernt ein Weihnachtsmannkostüm zum Vorzugspreis gibt, bekomme ich diese Information auf meinem Smartphone angezeigt.

Vorsicht: Datenschutz unsicher

Auch wenn Location Based Services einen erkennbaren Mehrwert bieten, indem sie das Handy in eine „Rabattmarken-Sammelstelle" verwandeln, dürfen zwei Dinge nicht außer Acht gelassen werden: Erstens sind die Dienste aus datenschutzrechtlichen Gründen noch eine recht heikle Angelegenheit. Nicht nur der Bundesbeauftragte für Datenschutz Peter Schaar spricht von der Gefahr des „gläsernen Mobilfunknutzers", sondern auch Christian Lübke vom Gesamtverband der Deutschen Versicherungswirtschaft warnt vor der Veröffentlichung des eigenen Standortes. Seiner Ansicht nach mache man es Einbrechern besonders leicht, wenn man sie durch einen Check-In darauf hinweist, dass man gerade eben nicht Zuhause ist. Zweitens stellt sich die Frage, wie lange solch ein Rabatt- und Vergünstigungen-Prinzip funktioniert, wenn es auf Dauer zu einem Normalzustand wird. Dann müssten sich Unternehmen einen anderen Weg suchen, wie sie durch Location Based Services den Nutzern einen Mehrwert bieten können.

 

Claudia Langer

VERÖFFENTLICHT AM

17. Dezember 2010

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