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Leo.org – Übersetzen leicht gemacht

15 Millionen Zugriffe registriert das Übersetzungsportal Leo.org pro Tag. Einst war es eine studentische Initiative der Technischen Universität München. Heute ist Leo.org ein ernst zu nehmender Wettbewerber für Taschenwörterbücher.

Quelle: Sreenshot Leo.org

Quelle: Sreenshot Leo.org

Leo.org hat den Wörterbuch-Markt revolutioniert. Vorbei sind die Zeiten, als Vokabeln in einem gedruckten Wörterbuch nachgeschlagen wurden. Heute bietet Leo.org in Sekundenschnelle eine Vielzahl an Übersetzungen. Aktuell gibt es Online-Wörterbücher für Englisch, Französisch, Spanisch, Italienisch, Russisch und Chinesisch. Polnisch und Portugiesisch sind in Planung. Zusätzlich zur reinen Übersetzung sind beispielsweise auch Audio-Dateien abrufbar. Diese geben die Aussprache des jeweiligen Worts an.

Die Anfänge

Das Sprachportal Leo gibt es bereits seit 1992. Gegründet wurde es von Münchner Studenten. Leo ist das Akronym für „link everything online". Leo sollte ursprünglich kein Wörterbuch, sondern ein Portal für Computerprogramme werden, berichtet Hans Riethmeyer, Mitgründer und Geschäftsführer, im Gespräch mit der Süddeutschen Zeitung (SZ, 7. September 2011). Durch Leo mussten die Daten nur einmal geladen werden. Nach und nach fiel den Studenten auf, dass sie immer die gleichen englischen Fachbegriffe nachschlagen mussten. So entstand die Idee, im Netz alle Fachbegriffe zu sammeln.

Leo wird kommerziell

Je mehr Leute das Internet nutzten, desto bekannter wurde auch Leo. Das Unternehmen stand damals vor der Entscheidung, entweder professionelle Übersetzer zu beschäftigen oder den Betrieb einzustellen. Denn der zuständige Lehrstuhl konnte das benötigte Geld nicht bereitstellen, da Leo weder der Lehre noch der Forschung diente. Daher begann das Online-Portal Werbekunden zu akquirieren. Seit 2005 ist Leo.org eine Gesellschaft mit beschränkter Haftung (GmbH) und völlig unabhängig von der Technischen Universität München.

Das Vokabel-Geschäft floriert

Zurzeit sind 800.000 User registriert und Leo.org gilt als beliebtesten deutschsprachiges Bildungsangebot. An Werktagen verzeichnet das Sprachportal täglich 15 Millionen Zugriffe (im Vergleich dazu: Pons.eu 1,3 Millionen). Leo gilt als Pionier: Verlage wie Klett und Langenscheidt sind verhältnismäßig spät in den Markt eingestiegen. Die Aktualität, das aktive Einbeziehen der „Internet-Community" und die einfache Bedienung von Leo.org gelten als entscheidende Vorteile gegenüber gedruckten Wörterbüchern. Diese haben nach Ansicht von Hans Riethmayer „weitgehend ausgedient".

Dank der vielen Zugriffe pro Tag floriert der Umsatz des Unternehmens, zurzeit 1,2 Millionen Euro. Hans Riethmayer geht davon aus, dass die Werbeeinnahmen auch in Zukunft wachsen. „Wir haben beispielsweise jetzt schon fast alle Unternehmensberatungen, aber auch große Dax-Konzerne wie Volkswagen und Daimler, unter unseren Kunden", erklärt Riethmayer.

Die Zukunft: Leo-App

Neben der Internetseite bietet Leo seit einem Jahr auch eine App für Smartphones an. Diese wurde bisher bereits über 1,5 Millionen Mal heruntergeladen. Die Leo-App profitiert stark vom Boom der internetfähigen Handys und Tablet-PCs. Der Smartphone-Bereich soll daher weiterhin ausgebaut werden. Für Hans Riethmayer besteht kein Zweifel, dass der App-Markt über großes Wachstumspotenzial verfügt.

Fachliche Lücken

Doch auch die erfolgsverwöhnte Onlineplattform hat Herausforderungen zu meistern. Viele Muttersprachler bemängeln etwa, dass Leo eine zu große Anzahl an Vokabelvorschlägen liefert. So bestehe die Gefahr, dass Sprachanfänger nicht wissen, in welchem Kontext diese zu verwenden seien. Norma Keßler, Vizepräsidentin des Bundesverbandes der Dolmetscher und Übersetzer (BDÜ), empfiehlt daher die von Leo gelieferten Ergebnisse nochmals zu überprüfen. In der SZ sagte sie, dass gedruckte Wörterbücher die Bedeutung von Begriffen oft besser aufdröseln würden und eine strengere Qualitätskontrolle hätten.

Manche Wörter kennt Leo aber auch schlichtweg nicht: Wer zum Beispiel das russische Wort für Eisvogel sucht, wird nicht fündig. Auch das englische Wörterbuch weißt fachliche Lücken auf. Leo möchte daher gerne 100.000 englische Fachwörter hinzukaufen. Die Verhandlungen mit dem Anbieter laufen derzeit noch.

Nadine Steinhübel

Quellen: Leo.org - Übersetzen leicht gemacht

Süddeutsche vom 7.9.2011

www.handelsblatt.de

www.wikipedia.de

www.leo.org

VERÖFFENTLICHT AM

26. September 2011

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