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Hochschule der Medien

Aufschieberitis

Morgen ist auch noch ein Tag

Zimmer aufräumen, Wäsche bügeln, Fenster putzen: Lästige Aufgaben, die plötzlich zum Hobby werden können, sobald die Pflicht ruft. Aufschieberitis, im Fachjargon auch Prokrastination genannt, ist eine nicht zu unterschätzende Krankheit, von der immer mehr Studenten betroffen sind.

Quelle flickr.com_chrissybaby1965

Quelle flickr.com_chrissybaby1965

Statt sechs Wochen sind es vier Tage und statt zwanzig Seiten sind es immer noch null. Die Bücher stapeln sich auf dem Fensterbrett und die Mahngebühren steigen in die Höhe. Schnell noch einmal bei Facebook einloggen und mit der Freundin telefonieren. Das wäre gleichzeitig die Gelegenheit, das Zimmer aufzuräumen. Auch der Stapel Wäsche ruft ziemlich laut „Bügel mich". Schon ist der freie Nachmittag verstrichen und das leere Word-Dokument wird geschlossen.

Zahlreiche Ablenkungsmöglichkeiten

Vor allem Studenten gehören urplötzlich zu den Kreativsten, wenn es darum geht, sich beispielsweise an eine Hausarbeit zu setzen. Ihre Fantasie kennt keine Grenzen und sie finden tausend Möglichkeiten der Ablenkung.

Früher sagte die Mutter „Was du heute kannst besorgen, das verschiebe nicht auf morgen". Heute betrachten Psychologen das Problem und sprechen von krankhaften Aufschiebeverhalten - neudeutsch Prokrastination. Psychologin Eva Frings arbeitet in der Prokrastinationsambulanz der Universität Münster und behandelte gemeinsam mit Kollegen 500 Studenten innerhalb von sechs Jahren. Bundesweit gilt das Angebot in dieser Form als einzigartig. Laut Frings gibt es keine typische Risikogruppe, allerdings häufen sich die Fälle Betroffener aus den Studiengängen Geschichte oder Philosophie. Grund hierfür könnte der stark selbststrukturierte Hochschul-Alltag sein. „Oft spielen auch Versagensängste und hohe Ansprüche an die eigene Person eine große Rolle", sagt die Expertin. Schamgefühl kommt bei Betroffenen auf, sobald regelmäßig Fristen überschritten werden. Dieses Gefühlt blockiert zusätzlich, sodass sie am Ende dem Aufschieben hilflos ausgeliefert sind. Die meisten schlafen schlecht, sind unzufrieden und haben ein erhöhtes Risiko depressiv zu werden. Spätestens zu diesem Zeitpunkt läuten die Alarmglocken bei vielen Studenten, die anschließend umgehend eine Behandlung aufsuchen.

Strukturieren lernen

In Gruppen- und Einzelgesprächen lernen die Betroffenen ihre Arbeit zu strukturieren und sich realistische Teilziele zu setzen. Psychologin Frings erklärt, vor allem Pausen und Belohnungen seien wichtig. Das Problem der Freiheit betrifft allerdings nicht nur Studenten. Auch Selbständige und Freiberufler verfallen ihm oft.


Quellen:
www.welt.de
www.spiegel.de
www.heute.de

Irina Sinner

VERÖFFENTLICHT AM

28. März 2012

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