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Boulevardpresse - Doku

60 Jahre MeinungsBILDung

Deutschlands größte Zeitung wird im Juni 60 und schon treffen die ersten Gratulationen ein. Nicht über alle wird Chefredakteur Kai Diekmann sich freuen. Am 16.04.2012, sendete die ARD als Geburtstagsgruß die Reportage „Bild. Macht. Politik.“ Ein Film, der zeigt, wie Bild Deutschland beeinflusst.

Screenshot:ARD

Screenshot:ARD

Wer sich schon einmal mit der Bild beschäftigt hat, den dürften die meisten Aussagen des Films nicht allzu sehr überraschen. Denn dass die Zeitung mit ihren zwölf Millionen Lesern pro Tag die öffentliche Meinung beeinflusst, ist nur logisch. Dass sie dabei nicht immer leise Töne anschlägt, ist ebenfalls kein Geheimnis. Trotzdem war die Dokumentation eine sehenswerte Collage aus prominenten Fällen sowie Einschätzungen von Kennern und Kritikern zur Rolle des Blattes heute. 

In der Mitte angekommen?

Mit ihren nunmehr 60 Jahren möchte die Bild seriöser werden, sieht sich selbst in der Mitte der Gesellschaft angekommen. Experten, Prominente und auch Kritiker stimmen dieser Einschätzung in vielen Punkten zu. Verglichen mit den ausländerfeindlichen Schlagzeilen, die noch vor 20 Jahren die Titelseiten der Bild dominierten, oder auch den Kampagnen gegen demonstrierende Studenten im Rahmen der ’68-er Bewegung, die ihr Image maßgeblich mitgeprägt haben, erscheint das Blatt heute tatsächlich gemäßigt. 

Kampagnenjournalismus

Zahlreiche Beispiele machen jedoch deutlich, wie die Zeitung auch heute noch versucht, Einfluss auf politische Entscheidungen zu nehmen. Ob Griechenland oder zu Guttenberg – Bild hat eigene politische Ziele und versucht diese über die öffentliche Meinung durchzusetzen. Das hat Tradition im Hause Springer. Bereits der Verlagsgründer Axel Springer glaubte, die Einigung Deutschlands herbeischreiben zu können und war beleidigt, als ihm dies nicht gelang. 

Die Ziele Kai Diekmanns sind andere: Er möchte ins Zentrum der Macht. Über die enge Verbindung zu Karl Theodor zu Guttenberg hoffte man dieses Ziel zu erreichen – und scheiterte. Als zuletzt auch Christian Wulff den Abstand zum Boulevardblatt suchte, wurde seine Kreditaffäre, an der man nach Aussage Diekmanns bereits seit 2010 recherchierte, öffentlich gemacht – angekommen Bild? 

Aufzug der (Ohn-) Macht?

Der Fall Wulff stimmt manchen in Berlin nachdenklich, zeigt er doch, wie schnell politische Karrieren durch öffentlichen Druck beendet werden können. Der Satz des Vorstandsvorsitzenden der Axel Springer AG, Matthias Döpfner scheint viel Wahrheit in sich zu tragen: „Mit der Bild-Zeitung fährt man im Aufzug nach oben aber auch wieder nach unten“.

Auch Edmund Stoiber sieht die Seite 2 der Bild (Politikteil, Anm. der Redaktion) als deutsches Leitorgan. Was hier veröffentlicht wird, wird am nächsten Tag von vielen anderen Redaktionen aufgegriffen. Die Bild ist, nicht zuletzt durch ihren Chefredakteur, gut in andere Redaktionen vernetzt. So gelingt es der Boulevardzeitung immer wieder Themen anzustoßen, die von anderen Medien dankbar aufgegriffen werden. Horst Seehofer spricht in diesem Zusammenhang gar vom „Jagdfieber“ der Medien. So kommt es, dass mancher in Berlin geradezu Angst vor der Bild hat, „gerade wenn es um das Persönliche geht“, bestätigt Dirk Niebel. 

Zwischen „Hosianna“ und „Kreuzigt ihn“

Diese Angst begründet sich  in Teilen sicher auch aus den Legenden rund um den „Giftschrank“ der Bild. Glaubt man den Gerüchten, gibt es in der Redaktion des Boulevardblattes je zwei Akten über zahlreiche Mächtige, Reiche und Schöne. „Auf der einen steht Hosianna und auf der anderen Kreuzigt ihn!“, so der ehemalige Chefredakteur der Frankfurter Rundschau, Wolfgang Storz. „Nach welchen Kriterien diese geöffnet werden, ist für Außenstehende nicht nachvollziehbar“.  

Betrachtet man die vergangenen Jahre, so ging es meist um  Personen, wenn Bild-Kampagnen von Erfolg gekrönt waren, selten um Sachfragen. Bild macht also vielleicht keine Politik, sie kann aber durchaus Politiker machen – und entmachten. So kann man sich nur dem Fazit des Films anschließen: „Ihre Millionenauflage macht Bild stark. Aber sie hat nur so viel Macht, wie Politiker ihr einräumen.“

 

Quelle:

ARD Dokumentation "Bild. Macht. Politik." 

Corinna Kübler

VERÖFFENTLICHT AM

27. April 2012

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