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Landtagswahl 2013

Die Ideenkopierer aus Niedersachsen

Am 20. Januar 2013 wird im zweitgrößten Flächenland Deutschlands ein neues Parlament gewählt. Die Piratenpartei kämpft um ihren Einzug in das fünfte Bundesland und steuert mit ihren bewusst persiflierenden Kampagnenmotiven in rechtlich unruhigen Gewässern.

Zur Detailansicht Fotos: Piratenpartei Niedersachsen

Fotos: Piratenpartei Niedersachsen

„Piraten: die zarteste Versuchung seit es Parteien gibt". Was zunächst nur nach Milka klingt, sieht in Niedersachen tatsächlich auch wie Milka aus. Der geschwungene Schriftzug und die typische Farbigkeit lassen sofort erkennen, welche Werbung hier persifliert wird. Auch bei „Wählen ist geil" oder „Entdecke dein Wahllokal" bedarf es neben den bekannten Farbwelten von Saturn oder IKEA keiner weiteren Erklärung.

Bei der Kampagne zur Landtagswahl nimmt die Piratenpartei die Betrachter und Bürger selbst in die Pflicht. „Wahlprogramme lesen. Alles andere ist Werbung", lautet die zentrale Aussage der Kampagne. Nur wer Parteiprogramme liest, sich informiert und vergleicht, hat tatsächlich eine Wahl, so die Piraten auf ihrer Website.

Unterschiedlicher Meinung

Nicht nur die Parteimitglieder der Piraten sind sich bei Abstimmungen oftmals uneinig. Auch die Besucher des Fach-Blogs „Designtagebuch.de" kommen in einer Umfrage zur aktuellen Wahlkampagne zu keiner absoluten Mehrheit. 42% der über 1.700 Teilnehmer, finden die Kampagne „genial". Dem gegenüber stehen rund ein viertel an Stimmen, welche die Plakate als „Marketing-Desaster" bezeichnen. Die übrigen 36% erachten die Motive als weder desaströs, noch genial.

Ob die betroffenen Unternehmen, darunter McDonalds, VW oder die Deutsche Telekom, die Kampagne ebenfalls „genial" finden, ist eher unwahrscheinlich. Wie die Hannoversche Allgemeine Zeitung berichtete, erwägt der schwedische Einrichtungskonzern IKEA rechtliche Schritte. „Da ist eine Grenze überschritten", so ein Sprecher des Unternehmens.

Copy & Paste

Losgelöst vom Pro- und Contra zu der Wahlkampfmotiven steht jedoch die Verbindung zur Urheberrechts- und Leistungsschutzdebatte unweigerlich im Fokus. Die gewählte URL zur Kampagne (www.ideenkopierer.de) entspricht tatsächlich der Realität. Die Idee, bekannte und verinnerlichte Farb- und Schriftmerkmale von großen Unternehmen für eigene Interessen zu nutzen, ist keinesfalls neu. 2005 warb beispielsweise der Verband Deutscher Zeitschriftenverleger e.V. (VDZ) mit nahezu identischen Bildmotiven für die Wirkung von Printanzeigen ("Print wirkt").

Inwiefern die Wähler die Kampagne als mutigen Schritt abseits der konventionellen Wahlkampfwerbung wahrnehmen, wird sich im Wahlergebnis zeigen. Im schlimmsten Fall wirkt sich das "Kopieren" auf die oft negativ assoziierte "Umsonstpolitik" der Piraten aus. Ob mit oder ohne Kenntnis der Parteiprogramme. 

 

Quellen:
www.designtagebuch.de
www.haz.de

Wolfgang Kuhnle

VERÖFFENTLICHT AM

05. Dezember 2012

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