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Akademische Berufe

Jobsuche wie im Rotlichtviertel

"Zeig her, was du kannst", dachten sich arbeitslose Akademiker in Dänemark und stellten sich und ihre Arbeitskraft kurzerhand in Schaufenstern aus. "Hier sitzt ein verfügbarer Akademiker", stand groß darüber. Es gibt aber noch weitere ungewöhnliche Beispiele, einen neuen studiumsbezogenen Job zu finden.

Zur Detailansicht Mit einer ungewöhnlichen Aktion suchten arbeitslose Akademiker in Kopenhagen nach neuen Jobs, Quelle: Reputation Copenhagen / Spiegel.de

Mit einer ungewöhnlichen Aktion suchten arbeitslose Akademiker in Kopenhagen nach neuen Jobs, Quelle: Reputation Copenhagen / Spiegel.de

Dass jemand in einem Schaufenster sitzt und seine Arbeitskraft oder seine Dienste anbietet, kennt man normalerweise nur von den Prostituierten in Amsterdam. In Kopenhagen probierten kürzlich arbeitslose Akademiker, darunter Juristen und Politologen, ein ähnliches Modell aus: Ab Ende April 2013 konnten die Dänen dort einen Monat lang tagtäglich beobachten, wie die Arbeitslosen auf Stellensuche gingen. Mit ihrer ungewöhnlichen Aktion sorgten sie für jede Menge Aufsehen in der Öffentlichkeit und bei potentiellen Arbeitgebern.

"Ich fand die Vorstellung lustig, in einem Schaufenster zu sitzen wie die Damen im Amsterdamer Rotlichtviertel", sagte Christel Werenskiod, die einen Master in öffentlicher Verwaltung hat und nach 20 Jahren arbeitslos wurde. Sie nutzte die Zeit im Schaufenster, um ihr LinkedIn-Profil zu pflegen und im Internet nach Jobs zu suchen. Mit Erfolg: Die Zugriffe auf ihr Profil stiegen und auch einige Headhunter meldeten sich. Ihren neuen Job hat sie aber nicht der Aktion zu verdanken, sondern einer ihrer Bewerbungen.

Die eigene Arbeitskraft versteigern

Ungewöhnlich war auch die Aktion von Kerstin Cruz: Anfang 2003 versteigerte die damals 33-jährige Reiseverkehrskauffrau aus dem brandenburgischen Ludwigsfelde ihre Arbeitskraft über Ebay. In der Kategorie "Büro, sonstiges" schaltete sie eine Anzeige und schrieb: "Sollte also jemand eine Bürokraft, Sachbearbeiterin, Empfangsdame oder Mitarbeiterin in der Organisation suchen mit viel Organisationstalent, freundlich und zuverlässig, dann bin ich die Richtige." Daraufhin wurde sie zu Vorstellungsgesprächen eingeladen und schaffte es mit ihrer Anzeige auch auf das Titelblatt einer Berliner Boulevardzeitung.

Deutlich erfolgreicher verlief die Auktion eines jungen arbeitslosen Franzosen, der Anfang 2010 in die Schlagzeilen geriet. Der damals 23-jährige Yannick Miel war frisch gebackener Uni-Absolvent und hatte seinen Master in Organisationsmanagement gemacht. Fünf Monate und rund 300 Bewerbungen später hatte er immer noch keinen Job und probierte es kurzerhand mit einer Versteigerung bei Ebay. Er sei "praktisch und nicht teuer im Unterhalt" stand in der Beschreibung. Nach seiner Auktion versteigerten noch weitere Absolventen ihre Arbeitskraft: Für einen jungen Mann mit einem Master in Marketing wurden angeblich stolze zehn Millionen Euro geboten.

Als lebende Litfaßsäule werben

Doch trotz der Finanzkrise und der zunehmenden Arbeitslosigkeit, vor allem unter jüngeren Menschen, sind außergewöhnliche Jobsuchen nichts Neues: Besonders in Zeiten der großen Depression, in den 1930er Jahren, war es üblich, dass Arbeitslose mit einem Pappschild durch die Straßen gezogen sind, um so auf sich aufmerksam zu machen. Viele Jahre später wurden die Informationen von den Pappschildern in die Autos und deren Fensterscheiben verlegt.

Heute werben Jobsuchende eher auf sozialen Netzwerken wie Facebook oder speziellen Karrierenetzwerken wie Xing oder LinkedIn für sich. Die punkten vor allem durch die hohe Vernetzung. Aber auch über Twitter lassen sich Bewerbungen voranbringen, denn über den Kurznachrichtendienst können Interessenten Fragen stellen und weitere Informationen einholen.

Quellen:
www.spiegel.de
www.sueddeutsche.de

Franziska Böhl

VERÖFFENTLICHT AM

03. Juli 2013

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