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Printmedien-Krise

Springer-Produkte im Umbau

"Brauchen wir noch Tageszeitungen?", fragte kürzlich Cordt Schnibben von Spiegel Online. Eine berechtigte und längst überfällige Frage. Für den Axel-Springer-Verlag ist die Antwort eindeutig: Er setzt auf das digitale Geschäft und verkaufte gleich mehrere Regionalzeitungen, Programm- und Frauenzeitschriften.

Zur Detailansicht Der Axel-Springer-Verlag kappt die ersten Wurzeln zum Print-Geschäft, Foto: http://www.axelspringer.de

Der Axel-Springer-Verlag kappt die ersten Wurzeln zum Print-Geschäft, Foto: http://www.axelspringer.de

Es ist nichts neues, dass die Medienwelt sich in einem Umbruch befindet: Seit Jahren deutete sich dieser aufgrund der zahlreichen Umbauarbeiten in den Verlagshäusern an. Die sinkenden Absatzzahlen im Printbereich drängten sie förmlich zu neuen Wegen. Viele der 347 Tages-, 26 Wochen- und sechs Sonntagszeitungen errichteten Online-Webseiten, in der Hoffnung, ihre Kunden an die Print- und Online-Ausgaben ihrer Zeitung zu binden. Die Verkaufszahlen sanken weiter und diskutiert wurden hinter verschlossenen Türen verschiedene Bezahlmodelle für Online-Rezipienten - denn gute Redakteure wollen guten Lohn. Zu spät kamen die Überlegungen für die "Financial Times Deutschland" und die "Frankfurter Rundschau", die beide eingestellt wurden. Jetzt ist es vielfach so weit: Leser müssen auch für Online-Inhalte bezahlen, denn 46 Zeitungen führten Bezahlschranken ein.

Axel-Springer zieht Konsequenzen

Auch der Axel-Springer-Verlag zog aus der Printmisere seine Konsequenzen: Am 24. Juli 2013 verkündete er, sich künftig auf die digitale Welt zu konzentrieren und eine 24-Stunden-Online-Redaktion aufzubauen. Einen Tag später gab der Verlag bekannt, dass er die Regionalzeitungen "Berliner Morgenpost" und "Hamburger Abendblatt" sowie die fünf Programm- und die zwei Frauenzeitschriften "Hörzu", "TV Digital", "Funk Uhr", "Bildwoche", "TV Neu", "Bild der Frau" und "Frau von Heute" an die Funke Mediengruppe verkauft habt – mitsamt den dazugehörigen Digitalmarken.

Gleichsam will der Verlag die Berliner Boulevardblätter "B.Z." und "Bild" umbauen: Ab November 2013 werden ihre Redaktionen zusammengeführt, allerdings sollen sie ihre publizistische Eigenständigkeit behalten. Auch die regionalen Redaktionsstrukturen der "Bild" verändern sich: Künftig gibt es fünf Standorte, die alle redaktionelle und koordinierende Aufgaben übernehmen, während sich die anderen 15 Regionalredaktionen auf ihre journalistische Arbeit konzentrieren sollen. Auch hier steht die multimediale Berichterstattung im Fokus, denn der Verlag sieht die Zukunft des Journalismus nur noch in der digitalen Welt.

Spiegel-Projekt "2020"

Für Spiegel Online ist die Reaktion des Axel-Springer-Verlags ein "gefährliches Signal". Deshalb rief ihr Redakteur Cordt Schnibben vor wenigen Tagen im SpiegelBlog zur Zeitungsdebatte "2020" auf und fragte: "Brauchen wir noch Tageszeitungen?" Ebenso forderte er die Leser auf, über die Krise des Printjournalismus und die Möglichkeiten der Digitalisierung mitzudiskutieren.

Doch auch die Leser wissen, dass die "goldenen Zeiten der Massenblätter", wie sie Schnibben nennt, vorbei sind und die Zeitungen nur noch mit ihren Regionalteilen punkten können. Die sollten sie ausbauen. Das wird jedoch vor allem die jungen Leser, die mit der digitalen Welt groß geworden sind, nicht an die Printausgaben binden. Eine Rundumverknüpfung zwischen Print, Online, TV und Rundfunk sowie eine interaktive Einbindung der Leser könnte eine Möglichkeiten sein, den Printjournalismus zu retten. Andere Leser sind kritischer und halten gedruckte Tageszeitungen "definitiv" für ein "Auslaufmodell".

Quellen:
www.axelspringer.de
www.spiegel.de
www.wuv.de

Franziska Böhl

VERÖFFENTLICHT AM

09. August 2013

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