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Hochschule der Medien

Drucktechnik

Demiurg 3D-Drucker

Geht nicht? Gibt's nicht! Das scheint das Motto von Tüftlern aus aller Welt zu sein, die sich die verrücktesten Dinge einfallen lassen, und mittels 3D-Druckern herstellen. Klamotten, Autos, Süßigkeiten – nichts scheint mehr unmöglich zu sein!

Verrücktes aus dem 3D-Drucker

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Der Bikini aus dem Drucker. Foto: continuumfashion.com

Studenten, Firmen und Forscher arbeiten an immer mehr Dingen, die man mit einem 3D-Drucker herstellen kann. Sogar Lebensmittel und organische Zellen sollen entwickelt werden: Ein Drucker soll eine Art backfertiges Brot in Pulverform auf eine erhitzte Platte spritzen, darüber dann eine tomatenähnliche Schicht, garniert mit Proteinen, gießen. Damit könnten dann beispielsweise auch Astronauten auf Mission im All, in den Geschmack einer Pizza kommen. Mittels eines Tintenstrahldruckers sollen sogar menschliche Hautzellen produziert werden können, die dann Transplantationszwecken dienen könnten.

Alltagsgegenstände aus dem Drucker

Ein Kunstwerk aus Zucker, das ausgedruckt wurde. Foto: the-sugar-lab.com

Auch Klamotten, Süßigkeiten oder Autos kann man mit einem 3D-Drucker herstellen. Das US-amerikanische Designerduo Continuum hat einen Bikini entwickelt, dessen Einzelteile aus Nylon bestehen und komplett aus dem Drucker kommen. Der Zweiteiler ist allerdings nicht ganz billig: Knapp 600 Dollar kostet er. Liz und Kyle von Hasseln von "The Sugar Lab" haben einen 3D-Druckprozess entwickelt, mit dem Zuckerskulpturen ähnlich wie Kunststoff ausgegeben werden können. Der Druckprozess setzt eine Mischung aus Alkohol und Wasser ein, der Schicht für Schicht das Zuckersubstrat auflöst und erhärten lässt. Wie die Kunstwerke aus Zucker schmecken, ist leider nicht bekannt, aber sie sehen gut aus! Es gibt sogar ein Elektroauto mit drei Rädern, das fast komplett gedruckt werden kann. Nur die Elektronik und der Fahrerkäfig des "Umbee-2" werden noch herkömmlich produziert. Bis das Auto fertig in reiner Form fertig ist, dauert es drei Monate.

Druckauftrag: Bondmobil, Vogelhäuschen und Spiegelreflexkamera

Das Modell des Aston Martin wurde für den Film "Skyfall" gedruckt. Foto: voxeljet.de/Propshop Modelmakers

Doch nicht nur das Elektroauto kann per 3D-Drucker gefertigt werden. Für den Dreh des letzten James Bond Films "Skyfall" bestellten die Filmemacher bei der in Bayern ansässigen Firma Voxeljet drei Modelle eines Aston Martin DB5 Oldtimers aus dem Drucker - um zumindest einen von ihnen im Film in die Luft fliegen zulassen. Eines der beiden übrigen Modelle, die von der britischen Firma "Propshop Modelmakers" gefertigt wurden, ist nach dem Dreh beim weltberühmten Auktionshaus "Christie's" für mehr als 100.000 Dollar versteigert worden. Dank des amerikanischen Unternehmens MakerBot profitieren künftig vielleicht auch Vögel vom Trend zu gedruckten Objekten: Der Hersteller von 3D-Druckern hatte im Rahmen einer "Birdhouse Challenge" dazu aufgerufen, Vogelhäuschen zu designen und auszudrucken. Die schönsten Häuschen wurden prämiert. Auch die Bauanleitung für eine druckbare Spiegelreflexkamera gibt es als Open Source Datei bereits im Netz. Ausgedacht hat sie sich der französische Student Léo Marius. Das Kameragehäuse der "OpenReflex" besteht aus Kunststoff. Die analoge Spiegelreflexkamera verfügt über einen Sucher, einen Objektiv-Verschluss und eine Filmkasette. Lediglich das Objektiv muss noch eingesetzt werden. Dabei soll die Kamera mit jedem Fotoobjektiv kompatibel sein - der entsprechende Bajonetteverschluss könne ausgedruckt und ans Gehäuse angebaut werden.

Trend mit Zukunft?

Die genannten Beispiele sind nur einige der Ideen, die weltweit mittels 3D-Druckern Gestalt annehmen. Ob die Entwicklungen der Tüftler nur eine Spielerei oder wirklich zukunftsträchtig sind, wird sich zeigen. Fakt ist, dass der 3D-Drucker den Massenmarkt erobern könnte: Einfache 3D-Drucker sind bereits ab 200 Euro im Handel erhältlich.

 

Quellen:
www.bild.de
www.krone.at
www.chip.de
www.stuttgarter-zeitung.de

 

Kristina Simic

Wie funktioniert 3D-Druck?

Bei Gegenständen, die mittels einem 3D-Drucker hergestellt werden, kann das Wort "Drucker", wie wir es im herkömmlichen Sinne kennen und verstehen, etwas verwirrend sein. Beim 3D-Druck werden weder Papier noch Druckerpatronen verwendet. Es wird vielmehr ein Material (meist Kunststoff) als Faden von einer Spule in den Drucker geführt. Dieses wird erhitzt und anschließend durch eine Düse auf eine Druckplatte gepresst. Das dreidimensionale Objekt, das in diesem Herstellungsverfahren entsteht, wird so in mehreren Schichten von unten nach oben aufgebaut bzw. aufgespritzt. Kleine Gegenstände können so in einer Stunde hergestellt werden, die Herstellung aller Einzelteil für beispielsweise die "OpenReflex" dauert ungefähr 15 Stunden.

Die Objekte, die der 3D-Drucker herstellt, werden mittels entsprechender Programme (beispielsweise CAD) am Computer erstellt und modelliert. Weiterhin gibt es die Möglichkeit, Gegenstände mit einem 3D-Scanner abzutasten und auf deren Basis Pläne für die Gegenstände, die gedruckt werden sollen, zu erstellen. Der schlussendliche "Druckauftrag" erfolgt wie beim herkömmlichen Drucken vom Computer an den Drucker.

Die gedruckten Einzelteile werden dann, je nach Modell, entweder zusammengesteckt, verschraubt oder geklebt. Bei gedruckten Accessoires oder Teilen für Textilprodukte, werden die gedruckten Kunstoffobjekte teilweise auch mit den anderen, herkömmlichen Materialien vernäht.

VERÖFFENTLICHT AM

14. August 2013

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