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Hochschule der Medien

Fernsehen

Twitter ist der Übersetzer des Fernsehens

"Arte ist der Sender, den alle gut finden, den aber keiner kennt", sagt Florian Hager. Der Absolvent der Hochschule der Medien (HdM) ist heute stellvertretender Programmdirektor von Arte. In seinem Gastvortrag über "Neue Fernsehformate" erklärte er das innovative Programm des Senders und warum das Fernsehen nicht vom Aussterben bedroht ist.

Zur Detailansicht Florian Hager studierte an der HdM Audiovisuelle Medien.

Florian Hager studierte an der HdM Audiovisuelle Medien.

Zur Detailansicht Heute ist er stellvertretender Programmdirektor bei Arte, Fotos: Franziska Böhl.

Heute ist er stellvertretender Programmdirektor bei Arte, Fotos: Franziska Böhl.

Seit einigen Jahren experimentiert der deutsch-französische Sender Arte mit dem Internet und versucht, die Zuschauer interaktiv ins Programm einzubinden. Zuletzt machte er mit seiner crossmedialen Sendung "About Kate", die im Sommer 2013 ausgestrahlt wurde, auf sich aufmerksam. Doch für das innovative Konzept gibt es einen knallharten Grund: Während Arte in Deutschland über die Rundfunkgebühren finanziert wird, bekommt der Sender in Frankreich nur Geld, wenn er auch im Internet aktiv ist. "Deshalb müssen wir Projekte wie 'About Kate' fördern", sagt der 37-jährige Florian Hager, der einst an der HdM Audiovisuelle Medien studierte. Heute ist er für die Programmplanung, Konzeption, Edition und die Sendeleitung für die Arte-Bereiche TV und neue Medien zuständig. Am 21. Oktober 2013 kehrte er zurück an die HdM und sprach im prall gefüllten Hörsaal 013 über "Neue Fernsehformate und den leisen Aufstieg des Nischensenders".

Zuschauerdiskussionen anregen

Der Fernseher wird nicht abgeschafft, da ist sich Hager sicher. Allerdings müsse der Fernsehbegriff erweitert werden, denn neben dem TV werde das Bewegtbild in Zukunft verstärkt auch über Tablet und Mobile verbreitet. Die größte Veränderung liege aber im "vor, während und nach" einer Sendung. "Die Redakteure sind hier noch in ihrem alten Denken verhaftet, doch die Arbeit des Redakteurs ist nach der Sendung nicht zu Ende", sagt Hager. Heute könne man Dinge machen, die früher nicht möglich waren. So genügte es vor einigen Jahren, wenn Redakteure einen Teaser oder Trailer für eine Sendung machten, jetzt könnten sie auf der Seite "Arte Future" bereits Diskussionen vorab anregen. Während einer Sendung können die Zuschauer die Internetseite nutzen und sich zusätzlich über ein Zweitgerät direkt in die Sendung einwählen. Danach kann diese nicht nur in der Mediathek angesehen, sondern eine anschließende Diskussionen darüber geführt werden.

Per E-Mail und Telefon

Beispielsweise konnten die Zuschauer bei dem Trickfilm "Alma, ein Kind der Gewalt", der mit dem Grimme-Preis ausgezeichnet wurde, während der Ausstrahlung in direkten Kontakt mit der Hauptdarstellerin treten. Bei dem interaktiven Comic "Anne Frank im Land der Mangas" arbeitete Arte erstmals mit Game Developern zusammen. Etwas später folgte das erste Serious Game, das Arte als App herausbrachte: "Type:Rider". Es erzählte die Geschichte der Typographie in Form eines Spiels. Das aufwendigste Programm war bislang "About Kate": Die Hauptdarstellerin hatte ein Jahr vorher bereits einen Facebook-Account und noch vor der Erstausstrahlung die maximalen 5000 virtuellen Freundschaften geknüpft. Alles, was sie in der Sendung postete, wurde gleichzeitig in ihrem Account publiziert. Ein weiteres Gimmick: Wenn im Fernsehen ihr Telefon klingelte, läutete auch das mit der Sendung verbundene Smartphone des Zuschauers. 2014 soll es auf Arte auch eine crossmediale Gerichtssendung geben, bei der die Beobachter in die Rolle des Richters schlüpfen können.

Fünf Prozent der Zuschauer beteiligen sich aktiv

Hager weiß aber auch, dass sich im Moment lediglich fünf Prozent der Zuschauer aktiv ins Fernsehprogramm einbringen. Sie laden Bilder oder Videos hoch und diskutieren. Weitere 20 Prozent würden immerhin den "Like-Button" anklicken. Doch die übrigen 75 Prozent würden einfach nur fernsehen wollen. Deshalb stirbt das Fernsehen seiner Meinung nach auch nicht aus, zumindest nicht so schnell. Für ihn ist es das älteste soziale Medium, das räumliche und soziale Gemeinsamkeiten stiftet, gemeinsame Erlebnisse schafft und Gesprächsstoff liefert. "Twitter übersetzt das nur", sagt Hager, "und durch die sozialen Medien kann jetzt das parallel stattfinden, was vorher erst einen Tag später passierte - die Diskussion." In Zukunft könne der noch kleine Prozentsatz steigen, deshalb wird Arte weiterhin mit dem Internet experimentieren.

Franziska Böhl

VERÖFFENTLICHT AM

23. Oktober 2013

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