DE

| EN

Studieren. Wissen. Machen.

Hochschule der Medien

Transsib-Tour: Letzter Teil

Endstation China

Drei Studierende der Hochschule der Medien (HdM) sind mit der transsibirischen- und transmongolischen Eisenbahn von Moskau bis nach Peking gefahren. Im letzten Teil des Reisetagebuchs geht es um Begegnungen und Erfahrungen, die die Studenten in China gemacht haben. So berichten zum einen Wolfgang Kuhnle und Sebastian Corbé über ein Land im permanenten Wandel und zum anderen erzählt Rebecca Englert von den Eindrücken ihrer Rundreise.

Zur Detailansicht Um Eindringlingen das Weiterkommen zu erschweren, werden an der Grenze die Schienen gewechselt.

Um Eindringlingen das Weiterkommen zu erschweren, werden an der Grenze die Schienen gewechselt.

Zur Detailansicht Auf dem Wachturm ist unser orangenes Zelt zu sehen. Wir mussten lange warten, um Personen mit aufs Bild zu bekommen.

Auf dem Wachturm ist unser orangenes Zelt zu sehen. Wir mussten lange warten, um Personen mit aufs Bild zu bekommen.

Zur Detailansicht Zehn Prozent der jemals gemachten Fotos in den letzten zwölf Monaten aufgenommen. Dieses zeigt das eindrücklich.

Zehn Prozent der jemals gemachten Fotos in den letzten zwölf Monaten aufgenommen. Dieses zeigt das eindrücklich.

Zur Detailansicht  Ping Pong ist nach wie vor Volkssport in China. Hier machen wir keinen Punkt.

Ping Pong ist nach wie vor Volkssport in China. Hier machen wir keinen Punkt.

Es ist dunkelste Nacht als sich unser Zug wie durch Geisterhand in die stickige Luft eines hell erleuchteten Tunnels schiebt. Was klingt wie ein Traum ist in Wirklichkeit der Spurwechsel an der mongolisch-chinesischen Grenze. Um Eindringlingen den Transport von Nachschub zu erschweren, liegen in China schmalere Schienen als in der ehemaligen Sowjetunion. Für die Gleisarbeiter in der hundert Meter langen Montagehalle ist dieser Wechsel Routine. Für uns ist er eine weitere spannende Erfahrung. Er symbolisiert das erste Aufbäumen eines Landes, das tief verwachsen ist in seiner reichen Tradition und sich doch unaufhaltsam und ächzend in Richtung Fortschritt streckt. Ein erster Wandel in einem Land, das sich ständig ändert. Und kaum irgendwo richtig angekommen scheint.

Rastlos gelassen

Eine Symbolfigur dieser Zeitenwende sitzt im Hinterhof unseres Hostels an einem Holztisch und trinkt wässriges chinesisches Bier. Zeit scheint für ihn keine Rolle zu spielen. Andrew ist 26 Jahre alt. Eine Wantan-Suppe treibt ihm den Schweiß auf die Glatze. Als "Native Speaker" wurde Andrew hier mit offenen Armen empfangen. Obwohl er nie studiert hat, arbeitet er als Englischlehrer an einer staatlichen Schule. Tausende tun es ihm gleich. Der Aufschwung funktioniert nur über die Öffnung in Richtung Westen. Dafür braucht es Leute wie Andrew. Seine rastlose Gelassenheit will nicht recht zu jener unermüdlichen Mittelschicht passen, deren drangsalierte Kinder Andrew unterrichtet. "Easy come easy go", ist ein Satz, den jeder Schüler von Andrew lernt. Auch wir hören ihn mehrmals täglich und Andrews Augen verraten, dass er meint, was er sagt.

Verheißungsvolle Zukunft

Ihm gegenüber sitzt Alex. Der 24-Jährige muss Andrew seltsam suspekt vorkommen. Alex ist in China, um sich dem Martyrium-Mandarin nicht nur akademisch, sondern auch räumlich anzunähern. Er lernt einen Dialekt der Muttersprache für beinahe eine Milliarde Menschen. Je weiter sich China öffnet, desto ertragreicher wird die Sprache werden. Der Wirtschaftsstandort China ist schon jetzt einer der wichtigsten der Welt. Alex wirkt ambitioniert, abgeklärt, zielstrebig.

Diktierte Freiheit

Andrew und Alex könnten unterschiedlicher kaum sein. Und doch finden beide ein Zuhause in einem Land, das mehr individuelle Freiheiten zulässt als wir es erwartet hatten. Trotz der neuen Offenheit finden sich auf unserer Reise unablässig Spuren des strengen Regime-Diktats. Wenig überraschend lässt sich festhalten, dass die großen Attraktionen der Volksrepublik zwischen Kulturrevolution und Olympischen Spielen viel Charme eingebüßt haben. Die Verbotene Stadt erinnert eher an ein Ameisenvolk, denn an einen stolzen Kaiserpalast. Die chinesische Mauer scheint an vielen Stellen ein Bollwerk des erstarkten Kapitalismus.

Zelten auf der chinesischen Mauer und Tischtennisspielen mit den Einheimischen

Und dennoch gibt es ein traditionelles China. Wir finden es meist nur auf Irrwegen, vom Zufall geleitet. Auf einer Radtour ohne Stadtplan, beim Zelten auf einem vergessenen Stück der chinesischen Mauer, beim Tischtennisspielen mit Einheimischen. Am Ende einer langen Reise sind es diese Erinnerungen, die mich in der letzten Nacht auf dem Weg zum Flughafen begleiten. Das Flugzeug hebt ab und bis der Schlaf mir die Augen schließt, blicke ich aus dem Fenster auf ein Land das selbst niemals zu schlafen scheint. Höchstens wenn es träumt - von einer besseren Zukunft und ständiger Entwicklung.

Der Text wurde verfasst von Sebastian Corbé, Student der Elektronischen Medien. Auf der nächsten Seite berichtet Rebecca Englert, Studentin der Werbung und Marktkommunikation von den Eindrücken ihrer China-Reise.


Lesen Sie weiter auf der nächsten Seite:
Reisebericht von Rebecca Englert


VERÖFFENTLICHT AM

15. November 2013

ARCHIV

Netzwerk
WAS DENKEN SIE DARÜBER?


Verstanden

Diese Website verwendet Cookies. Durch die Nutzung dieser Website erklären Sie sich damit einverstanden, dass Cookies gesetzt werden. Mehr erfahren