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Hochschule der Medien

Spleen24

Stadtneurotiker unter sich

Lange waren sie ein Tabuthema: Zwangsneurosen oder seltsame Verhaltensmuster, ohne die der Alltag nicht funktioniert, sogenannte Spleens. Im Januar 2014 startete Christian Brandes von Schleckysilberstein.com deshalb den Blog „Spleen24“. Das Resümee nach einem Monat: Über 2000 Ticks haben die Nutzer bereits miteinander geteilt.

"Bin nur ich bekloppt oder alle?", fragt Spleen24, Quelle: http://spleen24.tumblr.com/

"Bin nur ich bekloppt oder alle?", fragt Spleen24, Quelle: http://spleen24.tumblr.com/

Als vor rund einem Monat der Blog "Spleen24" startete, entbrannte ein regelrechter Hype: Zahlreiche Internetnutzer überfluteten die Seite mit Einsendungen von eigenen Beiträgen, lasen die Beschreibungen der Verhaltensweisen anderer Menschen oder entdeckten, dass sie mit ihrem Tick nicht allein sind. Wenn sie eine Übereinstimmung fanden, konnten sie den "Ich auch"-Button drücken.

Mittlerweile gibt es eine lange Liste, die einen schnellen Überblick über die am häufigsten geteilten Spleens gibt: Beispielsweise gaben 920 Personen an, beim Einkaufen ebenfalls nur Produkte aus dem Regal zu nehmen, die nicht ganz vorn stehen. Weit über 500 Nutzer können es außerdem nicht leiden, wenn die Klopapierrolle falsch hängt und genauso viele bekommen stets ein schlechtes Gewissen, wenn sie einen Polizisten sehen, obwohl sie nichts verbrochen haben. Die meisten Spleens beschäftigen sich unter anderem mit Ängsten, Ernährung, Kontrolle, Ekel, Zahlen oder Sozialem.

"Ist das jetzt normal?"

Gegründet hat Blogger Christian Brandes "Spleen24", weil er selbst viele Macken hat und sich fragte: "Ist das jetzt normal?" Die vielen Zusendungen zeigten, dass er nicht allein ist und zum Beispiel auch andere ihre Nasenhaare zupfen. "Mittlerweile kann ich offen darüber reden", so der 32-jährige Berliner. Anderen Internetnutzern wird es ähnlich gehen: "Es ist ein gutes Gefühl zu sehen: Das geht anderen auch so", wie die Stuttgarter Psychologin Marion Sonnenmoser bestätigte.

Der Blog hat für manche also eine therapeutische Wirkung, denn er enttabuisiert die Macken, die jeder Mensch so hat. Geheilt werden können die Verhaltensweisen allerdings nicht, doch so lange sie noch abgestellt werden können, dürften sie harmlos sein. Wer weitere Kuriositäten lesen will, kann auch auf die Website "Schlecky Silberstein" klicken, denn dort sammelt Brandes mit einem Freund weiteren "bizarren Irrsinn".

Quellen:
www.computerbild.de
www.stern.de
www.ksta.de

Franziska Böhl

VERÖFFENTLICHT AM

07. Februar 2014

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