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Gründerszene

Geld verdienen mit "Sex-Tech"

Mit Gadgets, Apps und Netzwerken rund um das Thema Sex soll jede Menge Geld zu verdienen sein. In den USA entsteht sogar eine neue Unternehmergeneration, die sich mit dem Thema Sex-Technology beschäftigt. Ist das eine Branche mit Zukunft?

Vibease ist ein Smart-Vibrator, der dezent unter der Kleidung getragen wird, Foto: (c) Vibease
Seit es das Internet gibt, basteln Menschen an immer neuen Cybersex-Ideen. Egal ob in erotischen Chats, über Webcams, Vibratoren mit USB-Anschluss oder mit Apps wie "Tinder" oder "Bang with Friends" - es gibt jede Menge Möglichkeiten, seine Lust virtuell auszuleben oder online zu planen. Und gerade bei Geräten, die den virtuellen Sex möglichst realistisch machen sollen, gibt es nicht nur immer verrücktere Modelle, sondern auch Geräte, die sich nach der aktuellsten Technik richten.

Gadgets für den Spaß zu zweit

Sex-Technology oder kurz "Sex-Tech" verbindet Elektronik und Erotik und soll eine Branche sein, in der das große Geld steckt. In den USA werden dem Thema auf Gründer- und Start-up-Messen ganze Panels zur Verfügung gestellt. Und obwohl viele Ideen teilweise eher belächelt werden, soll doch eine enorme Nachfrage vorhanden sein. Ganz groß im Rennen: Per App steuerbare Vibratoren, die ganz diskret im Alltag getragen werden können. So stellte beispielsweise der Sexspielzeug-Hersteller OhMiBod bei einer Consumer Electronics Messe Anfang Januar 2014 in den USA seinen neuesten Streich "blueMotion" vor. Auch der Kondomhersteller Durex arbeitet in Australien an einem Produkt, das wie viele der Spielzeuge, vor allem Paaren, die in Fernbeziehungen leben, körperliche Nähe trotz Distanz vermitteln soll. "Fundawear" heißt die Unterwäsche von Durex, in die vibrierende Netzplättchen eingebaut sind, die per Smartphone-App gesteuert werden können.

Unternehmensgründung mit Hindernissen?

Per App wird der Vibrator gesteuert, Foto: (c) Vibease
Ein Gründer, der in den USA mit seinem Sex-Gadget Geld verdienen will, ist Dema Tio. Nachdem er von seinem Arbeitgeber aus Singapur in die Staaten versetzt wurde, suchten er und seine zuhause gebliebene Ehefrau nach Möglichkeiten, mehr Intimität in ihre Fernbeziehung zu bringen. Da sie nichts finden konnten, was sie glücklich gemacht hätte, wurden sie selbst aktiv und entwickelten "Vibease", einen per App steuerbaren Mini-Vibrator. Per Kickstarter versuchten sie Geld für ihr Projekt zu sammeln, doch die Crowdfoundingplattform ließ ihr Angebot nicht zu. "Vibease" ist nicht das einzige Sex-Gadget, das bei Kickstarter abgelehnt wurde. Dem "Lovepalz", einem Sexspielzeug mit einer Variante für Männer und Frauen, ging es genauso. Das Geschäft mit dem Sex scheint nicht immer einfach zu sein.

Einschätzung für den deutschen Markt

Obwohl in der Sex-Tech-Branche jede Menge Geld stecken soll, ist der Start für Gründer schwerer als für ein ganz "normales" Start-up: In den USA ist alles, was nur im Ansatz mit "Adult Entertainment" zu tun hat, problembehaftet: Weder ein Geschäftskonto noch eine geschäftliche E-Mail-Adresse sind leicht zu bekommen. "Wenn das Angebot und das Geschäftsmodell nicht gegen Gesetze verstoßen, gibt es, was die Infrastruktur angeht, in Deutschland nur selten Probleme", erklärt Dr. Hartmut Rösch, Leiter des Start-up Centers an der HdM. "Wir sind dem Thema Sex gegenüber viel offener eingestellt, als die Amerikaner. Daher wäre auch die Öffentlichkeitswirkung, die man durch die Medien und speziell das Internet dafür schaffen könnte, sehr viel geringer als in den Staaten." Auch an das HdM-Start-up Center wurde bereits eine Gründungsidee zum Thema Sex herangetragen - ganz abwegig ist die Idee in Deutschland nicht.

Ähnlich sieht das Dr. Nils Högsdal, Professor für Entrepreneurship im Studiengang Medienwirtschaft: "Jenseits der speziellen Thematik steigen wir hier in den Megatrend "The Internet of Things", das Internet der Dinge, ein, und bis zu einem Punkt auch auf die Verknüpfung von Software mit Hardware. Gleichzeitig ist - gerade in den USA - spätestens seit dem Erscheinen der 'Fifty Shades of Grey'-Trilogie der Umgang mit dem Thema Sex spürbar offener geworden. Von daher sehe ich durchaus Potenzial, dass sich hier aktuelle Trends treffen. Last but not least erlauben innovative Finanzierungsformen wie Crowdfunding einen anderen Zugang zu Kapital für Gründer in diesem Bereich."

Rösch und Högsdal sehen in dieser Branche Beate Uhse als deutsche Unternehmerlegende. Högsdal warnt aber vor zu schnellen, nicht durchdachten Aktionen, falls man eine Idee für ein Sex-Start-up hat: "Gründer müssen in diesem Bereich in mehrfacher Hinsicht vorsichtig sein, weil sie schnell in rechtlichen und moralischen Graubereichen landen und - vorsichtig ausgedrückt - interessante Marktakteure kennenlernen. Wenn man sich ein Geschäftsmodell überlegt, dann schadet es auch nicht, die Marktstruktur und Akteure mit dem Fünf-Kräfte-Modell vom guten alten Michael Porter zu analysieren."

Quellen:
www.spiegel.de
www.vibease.com
fusion.net
www.nytimes.com
www.focus.de
www.webpronews.com
seedingfactory.com

 

Kristina Simic

VERÖFFENTLICHT AM

27. Februar 2014

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