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Hochschule der Medien

Zeitungswelt

"Nur ein saudischer Kollege hat mir persönlich gratuliert"

Somayya Jabarti ist die erste Chefredakteurin Saudi Arabiens. Für die englischsprachige Tageszeitung "Saudi Gazette" war sie zuvor bereits als stellvertretende Chefredakteurin tätig. Am Dienstag, den 11. März 2014, kam sie für eine Stippvisite an die Hochschule der Medien (HdM), um sich über neue Entwicklungen der Medientechnologien zu informieren.

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Chefredakteurin der "Saudi Gazette": Somayya Jabarti
Im Gespräch mit der HdM-Hochschulkommunikation unter Leitung von Prof. Dr. Rota erzählt die jüngst ernannte Editor-in-Chief über ihre Rolle als Journalistin und Frau. Als klassischen Boss sieht sich Somayya Jabarti keinesfalls. Sie versteht sich in ihrer neuen Rolle als Chefredakteurin vielmehr als Teamspielerin auf dem Fußballfeld. "Auf dem Fußballfeld nimmt man zwar verschiedene Funktionen und Positionen ein, letztendlich entsteht die Zeitung aber auf dem selben Feld. Sie ist das Ergebnis kollektiver Zusammenarbeit", sagt Jabarti.

Insgesamt hat sie nun 23 Frauen unter sich. Die meisten von ihnen arbeiten als Reporterinnen. Den Job der Herausgeberin oder leitenden Redakteurin übernehmen in ihrem Land aber nur wenige Frauen. "In der Gesellschaft braucht man als Frau nicht zwangsläufig eine hohe Position, um stark zu sein. Es kommt vor allem auf eine starke Persönlichkeit an, damit sie über ihr Leben selbständig entscheiden können."

Von der Reporterin zur Chefredakteurin

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Die Workshopteilnehmer im Convergent Media Center (CMC) der HdM
Jabarti, die Mutter einer 19-jährigen Tochter ist, möchte besonders junge Frauen dazu ermutigen, durchzuhalten. Ähnlich wie sie selbst. Seit mehr als dreizehn Jahren arbeitet sie bereits als Journalistin. Vor der Ernennung zur Chefredakteurin war sie als Reporterin und Übersetzerin für die arabisch-sprachige "Arab News" tätig. "Für die Besetzung der Position war es wichtig, nicht nur die finanziellen, sondern auch die redaktionellen Abläufe der Zeitung im Griff zu haben." Nach ihrer Ernennung zur neuen Chefredakteurin blieb das positive Echo der Chefetagen in der arabischen Journaillle aber aus! "Nur ein saudischer Kollege hat mir persönlich gratuliert", sagt die Journalistin.

Bedenken müsse man aber, berichtet Jabarti, dass es sich bei der "Saudi Gazette" um ein englischsprachiges Blatt handele. In arabischen Zeitungen sähe die Situation für Frauen mitunter ganz anders aus. Besonders der Transport stelle immer wieder ein Problem dar: In Saudi Arabien dürfen Frauen nicht selbst mit dem Auto fahren.

Die Relevanz sozialer Medien

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Jabarti mit ihrem Kollegen Mohammed Alfal
Während ihres Kurzbesuchs an der HdM interessierte sich Somayya Jabarti vor allem für die Möglichkeiten, wie man Inhalte für den Onlinemarkt attraktiv gestalten kann. "Momentan haben wir aufgrund technischer Barrieren sowohl in der Online- als auch in der Druckausgabe noch dieselben Inhalte. Doch wir arbeiten daran, das zu ändern und Inhalte für unterschiedliche Plattformen auch unterschiedlich aufzuarbeiten", sagt Jabarti.

Sie betont, wie wichtig gerade die sozialen Medien für ihre Arbeit seien: "Über Twitter und Facebook kommen wir mit unseren Lesern in Kontakt. So bekommen wir auch mit, welche Themen sie bewegen." Die könne man dann aufgreifen. Außerdem würden sie erheblich bei der Verbreitung von Nachrichten und Artikeln helfen, berichtet Jabarti weiter.

Pressefreiheit in Saudi Arabien

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Chefredakteurin Somayya Jabarti und HdM-Prorektor Prof. Dr. Franco Rota
Die Menschen in ihrem Land lernen mehr und mehr, dass die Medien eine Stimme sind, die auch die Autoritäten erreichen. Auch in Punkto Pressefreiheit lobt sie ihr Land: "Seit König Abdullah an der Macht ist, machen wir, was die Freiheit angehet, Fortschritte." Dennoch gäbe es Themen, die sie sensibel behandeln müsse.

Viel problematischer als die Pressefreiheit schätzt Jabarti die Selbstzensur in Saudi Arabien ein. "Es sind weniger die Themen, über die wir schreiben, als die Leute in den mittleren Verwaltungsebenen", erzählt sie. Es gäbe beispielsweise Minister, die sich beim König über die Berichterstattung beschweren und dadurch versuchten, die Arbeit der Zeitungen zu blockieren. Doch gestoppt worden seien sie noch nie.

Rundgang durch die HdM

Ihr erster Deutschlandbesuch überhaupt führte Somyya Jabarti direkt nach Stuttgart an die HdM. In dem Workshop "German best practices in print and digital media collaboration" diskutierte sie mit Prof. Seeger und Prof. Dr. Friedrichsen über die Möglichkeiten einer Zeitung im digitalen Zeitalter. Außerdem besichtigte sie neben den Druckstudios auch die Anlagen der Verpackungstechnik, das Filmstudio und das Convergent Media Center. Auf den Weg gebracht hat den Workshop Adel Fouani, der von 2007 bis 2011 an der HdM Wirtschaftsinformatik studierte. Heute arbeitet er als IT-Berater bei der Firma Novatec aus Leinfelden in Saudi Arabien.

Franziska Böhl

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Stephanie Frank

VERÖFFENTLICHT AM

12. März 2014

ARCHIV

Medienwelt
WAS DENKEN SIE DARÜBER?


Stephanie Frank

am 17.03.2014 um 16:42 Uhr

Der Artikel handelt von Frau Jabarti als erste saudische Chefredakteurin. Sie war Teil einer Delegation, die die HdM im Rahmen im Rahmen des Workshops besuchte. Innerhalb der Delegation war sie die einzige Frau.

Tina F.

am 17.03.2014 um 15:07 Uhr

Ich sehe außer Frau Jabarti keine weiteren Frauen auf den Fotos. Hat das einen Grund?

Jana S.

am 14.03.2014 um 08:22 Uhr

Ein Wort: "Bemerkenswert" !

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