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Crowdfunding

Krautreporter: Neuer unabhängiger Journalismus

Keine Werbung, kein Verlag, dafür gründliche Recherche, viele Informationen und Geschichten: Das ist das Versprechen von "Krautreporter". Noch bis zum 13. Juni 2014 wollen die Journalisten hinter dem Projekt 15.000 Abonnenten für die Gründung ihres Onlineprojekts gewinnen.

Die Krautreporter suchen weiter nach Unterstützern, Grafik: blog.krautreporter.de

Die Krautreporter suchen weiter nach Unterstützern, Grafik: blog.krautreporter.de

Das Konzept der "Krautreporter" ist schnell erzählt: Der Leser soll finanzieren, was für den Leser gemacht ist. Kein Verlag, keine Zwischenhändler, stattdessen ein enger Kontakt zu den Lesern; das gesammelte Geld soll direkt in die Redaktion fließen. Die Existenz der freien Autoren soll auf diese Weise dauerhaft und nicht mehr nur projektbezogen gesichert sein.

Das Onlinemagazin soll generell kostenlos verfügbar sein. Mit fünf Euro pro Monat, beziehungsweise 60 Euro im Jahr, können sich Interessenten zusätzlich Einladungen zu Veranstaltungen, Kontakt zu Autoren und die Kommentarfunktion zu den Artikeln kaufen. Auf diese Weise will "Krautreporter" aus der Logik der Werbefinanzierung und der Klickoptimierung ausbrechen. Ihren insgesamt 25 Journalisten will "Krautreporter" einen Festbetrag von 2.000 Euro im Monat zahlen; dafür sollen diese jede Woche einen neuen Text liefern. Der Leser bekommt vier bis fünf Texte täglich präsentiert.

Vor ihnen haben es schon andere probiert

Prof. Dr. Lars Rinsdorf aus dem Studiengang Crossmedia-Redaktion/Public Relations erklärt, dass es sich bei den "Krautreportern" um keine neue oder revolutionäre Idee handelt: "'De Correspondent' aus den Niederlanden hat beispielsweise im vergangenen Jahr gezeigt, dass Crowdfunding auch Journalismus finanzieren kann." Momentan befinde sich der Journalismus in einer Phase, in der viel ausprobiert wird. "Dennoch braucht man eine klar definierte Zielgruppe", sagt Rinsdorf weiter. Andernfalls bestehe die Gefahr, in der Masse von Angeboten unterzugehen.

Außerdem müsse den Investoren etwas zurückgegeben werden. "Die Kunden zu pflegen, indem man sie über den Fortschritt des Projekts auf dem Laufenden hält, ist sehr wichtig", erklärt Rinsdorf. Gerade beim Crowdfunding kommt es auf das Gemeinschaftsgefühl an.

Probelm: Basisdemokratie

Doch nicht nur "De Correspondent" und "Krautreporter" kamen auf die Idee, den Leser um die Finanzierung eines Blattes zu bitten: 1978 gründete sich die "taz.die tageszeitung" als linkes und selbstverwaltetes Zeitungsprojekt. 14 Jahre später, 1992, wurde die "die tageszeitung Verlagsgenossenschaft eG" ins Leben gerufen. Der Name ist ein anderer, doch das Prinzip ist dasselbe wie bei den "Krautreportern": Mitglieder der Genossenschaft ermöglichen dem Blatt unabhängigen Journalismus, der mit wenig Werbung auskommt.

"Basisdemokratische Prozesse in Redaktionen führen jedoch auch immer zu Konflikten", gibt Prof. Eckhard Wendling aus dem Studiengang Medienwirtschaft zu bedenken. Wer wieviel Geld erhält und welche redaktionelle Linie ein Blatt oder Magazin einschlägt, muss diskutiert und ausgelotet werden. Verschiedene Interessengruppen müssen zudem vereint werden. "Journalismus ist deshalb mehr, als nur Artikel zu generieren", sagt Wendling weiter.

Stephanie Frank

VERÖFFENTLICHT AM

06. Juni 2014

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