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"Spiegel"-Titel unter Beschuss

Das Cover des aktuellen "Spiegel" hat seit seinem Erscheinen am 21. März 2015 einen Shitstorm auf Twitter und ein reges Medienecho ausgelöst: Es zeigt eine Fotomontage von Angela Merkel in einer Reihe mit Wehrmachtsoffizieren aus dem Dritten Reich. Dazu titelt der Spiegel "The German Übermacht". Satirisch oder geschmacklos?

Zur Detailansicht Sorgt für Diskussionen - das aktuelle Cover des "Spiegel", Quelle: (c) DER SPIEGEL, via spiegel.de

Sorgt für Diskussionen - das aktuelle Cover des "Spiegel", Quelle: (c) DER SPIEGEL, via spiegel.de

Was diese Woche das Titelblatt des "Spiegel" ziert, kennt man hierzulande eher von ausländischen Medien oder der "Titanic": Eine Fotomontage von Angela Merkel im Kreise von Nazi-Offizieren vor der Akropolis in Griechenland. Die Bundeskanzlerin, den Blick zum Himmel gerichtet, hält die Hände in ihrer typischen Raute-Pose verschränkt und ist, als einzige in Farbe, mit Tesafilm-Streifen in das Schwarz-Weiß-Foto geklebt. Die Headline lautet "The German Übermacht", die Dachzeile "Wie Europäer auf die Deutschen blicken". Damit will "Der Spiegel" die Vorbehalte Resteuropas gegenüber den Deutschen in Sachen Euro-Krise thematisieren. Doch das Cover sorgt für Empörung. Und zwei Fragen werden laut: Ist das Satire? Oder einfach nur total daneben?

Cover-Diskussionen

Das Titelblatt hat lebhafte Diskussionen im Netz ausgelöst. Von anderen Blättern, wie etwa der "Süddeutschen Zeitung", hagelte es Kritik. Bei Twitter brach ein Shitstorm aus - beispielsweise twitterte Kai Diekmann, Chefredakteur der BILD, an seinen Ex-Kollegen Nikolaus Blome in der Spiegel-Redaktion: "So ein Titelbild hättest Du mir nicht durchgehen lassen! Du wärst in mein Büro gekommen und hättest mich angeschrien!" Das unabhängige Gesellschaftsmagazin "Dummy" reagierte auf den aktuellen Titel des Nachrichtenmagazins mit der Coverzeile "Kaufen Sie lieber den Spiegel, die haben es nötiger".

Verteidigung durch Chefredakteur

All das führte dazu, dass Spiegel-Chefredakteur Klaus Brinkbäumer noch am Samstag auf die Reaktionen im Netz antwortete. Auf dem Spiegel-Blog erklärte er, warum dieses Cover für die aktuelle Ausgabe gewählt wurde: Es solle "an jene Karikaturen erinnern, die die Kanzlerin mit Hitler-Bart zeigen", so Brinkbäumer. Deshalb sei Merkel auch auf absichtlich plumpe Weise ausgeschnitten und mit Klebestreifen eingefügt worden. Das Cover falle auf, spitze zu, und sei scharf. Aber missverständlich findet es Brinkbäumer nicht. "Wir zitieren, ironisieren und verfremden einen Blick von außen und die Vermischung von deutscher Geschichte mit deutscher und europäischer Gegenwart", so der Spiegel-Chefredaketuer. Doch wenn das Satire sein soll, warum muss das Cover dann erklärt werden? Ist die Tatsache, dass Brinkbäumer die Entscheidung für das Cover erklären muss, nicht ein Schuss nach hinten?

Professor Dr. Franco P. Rota vom Studiengang Werbung und Marktkommunikation an der HdM meint dazu: "Typisch 'Spiegel' - mit etwas provozieren, das mehrfach gedeutet werden kann. Nach den Anschuldigungen kann sich die Chefredaktion dann jene Version aussuchen, die den geringsten Interpretationsschaden verursacht."

Quellen:
www.spiegel.de
www.turi2.de
www.twitter.com
www.sueddeutsche.de

Kristina Simic

VERÖFFENTLICHT AM

25. März 2015

KONTAKT

Prof. Dr. Franco Rota

Werbung und Marktkommunikation

Telefon: 0711 8923-2001

E-Mail: rota@hdm-stuttgart.de

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