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Wie glaubwürdig sind Journalisten?

Journalist zu werden - davon träumen viele junge Medienmacher. Laut einer europaweiten Studie der Zeitschrift Reader’s Digest vertraute im Jahr 2005 fast die Hälfte der Befragten dem Berufsstand; heute, zehn Jahre später stellen fast Dreiviertel von ihnen die Glaubwürdigkeit der Journalisten infrage. Wie konnte es so weit kommen?

Auch an der Hochschule der Medien werden zukünftige Journalisten ausgebildet. Fotos: HdM/Kim Kunze

Auch an der Hochschule der Medien werden zukünftige Journalisten ausgebildet. Fotos: HdM/Kim Kunze

Für Journalisten wird es zunehmend schwieriger, das Vertrauen ihrer Rezipienten für sich zu gewinnen. Heikle Themen wie der Absturz der Germanwings-Maschine, die Ukraine-Krise oder die Flüchtlingspolitik der EU sorgen für kontroverse Berichterstattung und kritische Reaktionen. Die Studie "Trusted Brands" von Reader's Digest unterstreicht das gesunkene Ansehen von Journalisten. Seit 2001 wird die Bevölkerung in sieben europäischen Ländern befragt, welchen Berufsständen sie vertraut. In Deutschland schenken gerade mal 26 Prozent der rund 6.000 Befragten den Journalisten aktuell ihr Vertrauen.

"Bei solchen Studien kommt es sehr auf die Fragestellung an, daher wäre ich hier sehr zurückhaltend, ob dies einen Vertrauensverlust belegt oder nicht", gibt Prof. Dr. Lars Rinsdorf aus dem Studiengang Crossmedia-Redaktion/Public Relations an der Stuttgarter Hochschule der Medien zu bedenken. Es sollte zwischen dem Ansehen wichtiger Medienmarken und der Arbeit einzelner Journalisten unterschieden werden.

Schnelligkeit vs. Qualitätsprüfung

"Generell ist das Systemvertrauen in den Journalismus nach wie vor sehr hoch und das gilt auch für die Glaubwürdigkeit wichtiger Medienmarken", meint Rinsdorf. Werde jedoch nach der Arbeit der Journalisten gefragt, sei die Arbeit der Medienvertreter eher mit zweifelhaften Recherchemethoden und unangemessenen Berichten verknüpft.

Auf lange Sicht muss es Journalisten gelingen, ein hohes Qualitätsniveau zu liefern und Falschmeldungen zu vermeiden, damit die Rezipienten erst gar nicht an ihrer Arbeit zweifeln können. Eine erfolgreiche Marke verstärkt zudem die Glaubwürdigkeit. Daher gewinnen im Internet auch neue Medienmarken wie Wikipedia oder Google an Vertrauen. "Bei Wikipedia ist das klassisch die hohe Transparenz, mit der die Inhalte kollaborativ erstellt werden", erklärt Rinsdorf.

Das Web regiert die Welt

Obwohl sich Onlinemedien immer häufiger für den Faktor Schnelligkeit entscheiden, kann Rinsdorf keine Häufung von Fehlern feststellen. "Aus meiner Sicht ist es problematischer, dass sich das Verständnis von Nachrichten generell ändert und gesellschaftlich relevante Themen zu Gunsten von Sport, Unfällen und Boulevardthemen in den Hintergrund rücken", kritisiert Rinsdorf den Wandel. Für gut recherchierte Beiträge zu gesellschaftlich relevanten Themen fehle oft die Zeit und das Geld.

Von mehrdeutigen Nachrichten profitieren zudem politische Akteure, die bewusst Desinformationen in den von ihnen kontrollierten Medien einsetzen, um ihre Machtposition auszubauen, wie zum Beispiel der russische Präsident Wladimir Putin im Fall des Ukraine-Konflikts. "Dagegen steht zum Glück aber auch das partizipatorische Potenzial des Web, das bei fragwürdigen Beiträgen nachhakt", meint Rinsdorf. Die korrekten Fakten zu filtern und diese zu Beiträgen zu verpacken, ist dann die Aufgabe der Journalisten.

Quellen:
Spiegel Online
Meedia.de
Reader's Digest

Ann-Katrin Wieland

VERÖFFENTLICHT AM

21. April 2015

KONTAKT

Prof. Dr. Lars Rinsdorf

Crossmedia-Redaktion/Public Relations

Telefon: 0711 8923-2257

E-Mail: rinsdorf@hdm-stuttgart.de

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