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Hochschule der Medien

Expo 2015

Im Supermarkt der Zukunft

Noch bis zum 31. Oktober 2015 findet auf dem Messegelände in Mailand die Expo statt. Im "Future Food District" zeigt die italienische Handelskette Coop, wie ihr Supermarkt der Zukunft aussehen könnte. Ein Besuch vor Ort macht deutlich, dass die heutige Digitalisierung erst der Anfang sein soll.

Supermarkt der Zukunft von Coop
(Fotos: Ann-Katrin Wieland)

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Der Supermarkt der Zukunft auf dem aktuellen Expo-Gelände ist 2.500 Quadratmeter groß.
"Feeding the Planet, Energy for life", so lautet das Motto der diesjährigen Weltausstellung Expo in Mailand. Auf einer Fläche von über einer Million Quadratmeter präsentieren sich derzeit mehr als 140 Länder. Wie werden wir uns in 40 Jahren ernähren? Wie werden die Lebensmittel angebaut? Und wie werden wir sie einkaufen? Fragen, die der "Future Food District" beantworten soll. Initiator ist Italiens größte Handelskette Coop, die gemeinsam mit Forschern des SENSEable City labs vom Massachusetts Institute of Technology den Supermarkt konzipiert hat. Er demonstriert, wie unser Einkaufserlebnis 2050 aussehen könnte.

Im Supermarkt der Zukunft

Hell erleuchtete Lebensmittel liegen griffbereit in den Regalen des Supermarktes der Zukunft und auf den über den Köpfen hängenden Screens verändern sich blitzschnell Informationen zu den ausgestellten Produkten. Viele der Screens sind über Touchpads oder Bewegungssensoren steuerbar. In der Obst- und Gemüseabteilung packen Roboter einzelne Äpfel in Kartons ein, eine noch junge Leistung auf dem Gebiet der Robotik. Die meisten der 1.500 ausgewählten Produkte sind verpackt und in neuartigen Hochdruckverpackungen eingeschweißt, die eine Haltbarkeit von 20 Tagen versprechen.

Im Supermarkt der Zukunft auf der Expo 2015 spielt die Digitalisierung eine wesentliche Rolle. Fotos: Wieland
Auch Ursula Drees, Professorin für Mediengestaltung mit Schwerpunkt Event-Media an der Hochschule der Medien (HdM), hat sich ein Bild vor Ort gemacht und spricht am 28. Oktober 2015 an der HdM darüber. Sie findet den aktuell präsentierten Supermarkt bereits jetzt veraltet. "Nur weil viele Screens zu sehen sind, wurde das Konzept des Supermarkts noch nicht revolutioniert", so Drees.

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Im Supermarkt der Zukunft packen Roboter Äpfel zum Mitnehmen in Kartons ein.
"Ich hätte zum Beispiel erwartet, dass ich die gekauften Pfirsiche nicht mehr selbst wiegen muss. Auch waren die Beschreibungen auf den Bildschirmen größtenteils nur Duplikate. Informationen zu Nährstoffen oder Herkunft lassen sich auch auf den Verpackungen finden", erzählt Prof. Ursula Drees. Um die Informationen auf den Bildschirmen abzurufen, müssen die Besucher bei den frischen Sachen auf die entsprechende Zutat zeigen. Die verpackten Produkte müssen sie in die Hand nehmen. Die Delikatessen der Zukunft, wie knusprige Heuschrecken für die Mikrowelle, sehen die Käufer durch eine Glasscheibe. Über ein Touchpad können sie dann die gewünschte Feinkost anklicken, um mehr über sie auf einem anderen Screen zu erfahren.

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Über Touchpads erfährt man mehr über die Delikatessen der Zukunft.
Der Einkauf wird umständlicher

"Ich konnte beobachten, dass die meisten Leute Schwierigkeiten bei der Bedienbarkeit hatten. Wir sind es gewohnt, Produkte anzufassen", so Drees. Der Supermarkt habe bei ihr eher den Eindruck hinterlassen, dass das System den Käufern neue Handlungsweisen für irrelevante Informationen aufzwingen möchte und der Einkauf dadurch umständlicher wird. Für sie ist der digitale Ansatz der falsche Weg: "Die Zukunft ist öko, rein, gesund, frisch und nicht Silicon Valley."

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Bildschirme statt Schaukochen bei einem Nudelhersteller
Der Supermarkt auf der Expo 2015 wird auch für crossmediale Produktplatzierungen genutzt. Bildschirme wohin das Auge reicht, etwa am Stand eines Nudelherstellers. Die Kunden laufen meist unbeachtet daran vorbei. Ein Teller dampfender Pasta hätte wohl nicht nur die HdM-Professorin angelockt.

Persönliches Erlebnis mit allen Sinnen

Prof. Ursula Drees' Vorstellung vom Supermarkt der Zukunft ist eine Gourmethalle im Stil der Stuttgarter Markthalle. "Es gibt Schaukochen, nur wenige Touchpads für Rezeptvorschläge und die Lebensmittel liegen zu 100 Prozent frisch und natürlich vor mir, damit ich sie sehen, anfassen, riechen und probieren kann. Im Supermarkt müssen die Sinne etwas erleben, da wir uns dort körperlich aufhalten."

Coop und das SENSEable City lab setzen vor allem auf das Auge. Die Halle mit all ihren Bildschirmen wirkt im ersten Moment beeindruckend. Doch beim Einkauf von Dingen, die wir essen, gelten andere Gesetzmäßigkeiten. Alle Sinne müssen angesprochen werden. Und ein persönlicher Tipp eines Verkäufers ist mehr wert als die Information, dass zwei geschmacklich völlig unterschiedliche Produkte, wie zum Beispiel Rotwein, aus der selben Region stammen. Der Supermarkt der Zukunft sollte also ein persönliches Erlebnis bieten, denn hier entscheiden wir, wie wir uns ernähren werden.

Quellen:
expo2015.org
expofagola.com
format.at, Nr. 26a

Ann-Katrin Wieland

VERÖFFENTLICHT AM

27. Oktober 2015

KONTAKT

Prof. Ursula Drees

Audiovisuelle Medien

Telefon: 0711 8923-2292

E-Mail: drees@hdm-stuttgart.de

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Website Expo 2015

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