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Hochschule der Medien

"Moot-Court"

Härter als vor Gericht?

Am 21. Juni 2016 tagte der "Moot-Court" an der Hochschule der Medien (HdM) in Stuttgart. Die Simulation eines Gerichtsverfahrens – in Bezug auf konkrete und frei erfundene Fälle - bildete den Höhepunkt und Abschluss der Lehrveranstaltungen "Grundlagen Recht" und "Medienrecht", die im Studiengang Medienwirtschaft von Prof. Dr. Tobias Keber angeboten wurden.

Moot-Court an der HdM
(Fotos: Joelle Mittnacht)

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Studenten des Studiengangs Crossmedia Redaktion/Public Relations übernahmen unter der Leitung von Prof. Dr. Marie Elisabeth Müller die Live-Berichterstattung in sozialen Netzwerken.

Drei Richter in schwarzen Roben sitzen den Anwälten und einem gefüllten Saal gegenüber. Die Luft ist stickig und die Diskussion hitzig - die Inszenierung sehr überzeugend: "Wer austeilt, muss auch einstecken können. Ich beantrage deshalb die Anklage des Klägers vollständig zurückzuweisen", schließt das erste studentische Verteidiger-Team sein Plädoyer und nimmt wieder Platz. Aufgabe war es, in fünf Minuten die jeweilige Seite sachlich und überzeugend vor den Richtern zu vertreten und zum zugeteilten Fall Stellung zu nehmen: Im April dieses Jahres hatte ein gefälschtes Interview von Kai Diekmann mit Jan Böhmermann für Schlagzeilen gesorgt. Wie weit darf Satire über Satire gehen ohne die Persönlichkeitsrechte zu verletzen? Dem Gegen-Plädoyer folgt ein Schlagabtausch von Definitionen und Paragraphen. Der Fall Böhmermann-Diekmann ist bisher nur im "Moot-Court" entschieden worden. Böhmermann hätte laut "Richter" Prof. Dr. Tobias Keber vor Gericht wenig Chancen gehabt.

Intensive Vorbereitung

Andere Teams übernahmen im weiteren Verlauf des "Moot-Court" die Rolle eines Unternehmensjuristen und beschäftigen sich aus dieser Perspektive mit einer bestimmten Rechtsfrage. Zum Beispiel sorgte der Fall Langstrumpf gegen den Einzelhandel "X" für einen regen Schlagabtausch zwischen den Anwälten. Die Ausgangslage: "X" betreibt eine Kette von Einzelhandelsmärkten und wirbt in seinem Katalog mit Fotografien eines Mädchens, die als Pippi Langstrumpf verkleidet ist. Die Inhaberin der urheberrechtlichen Nutzungsrechte der Kunstfigur fordert für die wissentliche Ausnutzung eine Lizenzgebühr. Es wurde bereits entschieden, dass es sich hierbei nicht um ein Plagiat handelt, wenngleich Parallelen zur Originalfigur bestünden, so Keber.

Medienrecht griffig vermitteln

"Viel Vorbereitungszeit, aber auch viel Spaß" hatten Carolin Piegsa und Alina Enfer beim Streitfall zwischen einem Computerspielentwickler und einer Bot-Software. Das simulierte Gericht fanden die Studentinnen effektiver, als eine Klausur, um in die zunächst als schwer zugänglich empfundene Materie "Recht" einzutauchen. "Wir hoffen natürlich, dass wir gewonnen haben", sagt Engfer lachend. Prof, Dr. Tobias Keber löst am Ende auf, der Fall sei "noch nicht entscheidungsreif." Man müsse mehr in die Beweislage eintauchen und hierfür einen technischen Sachverständigen zu Rate ziehen. "Die Fälle sind brandaktuell, witzig und wirklich relevant- nur die Namen sind in der Regel verfremdet", sagt Prof. Dr. Marie Elisabeth Müller, "das macht Medienrecht unterhaltsam und einprägsam".

Studiengangsübergreifende Konzeption

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Kai Diekmann hat einen Beitrag der Realtime-Reporter geretweetet. Screenshot: https://twitter.com/KaiDiekmann
Parallel zur Verhandlung berichteten Müllers Studenten aus dem Studiengang Crossmedia Redaktion/Public Relations im Rahmen eines "Real-time reporting"-Workshops aus dem Gerichtsaal. Unter zentralen Hashtags - wie #hdm_mc oder #wirhabenmootcourt - konnte der "Moot-Court" auf Twitter nachverfolgt werden, auf Facebook lief ein Countdown und Snapchat wurde für Hintergrundberichte genutzt. "Die Real-time Reporter haben einen fantastischen Job gemacht, denn die meisten von ihnen haben zum ersten Mal professionell mit Mobile und Social Media gearbeitet", lobt Müller. Was sie und ihre Studenten besonders überraschte: Kai Diekmann hat auf Twitter prompt auf einen Tweet von Robin Weber reagiert. Der Student staunt: "Ich hätte nicht gedacht, dass er das wahrnimmt." Die Reaktion zeige, wie schnell und direkt Networking und Kollaboration in Social Media heute funktionieren, so Prof. Dr. Marie Elisabeth Müller. Studentin Marie Casselmann, hätte nicht gedacht, "dass die Verhandlung so große Wellen schlägt."

Externe Gäste

Spaß durfte bei der Veranstaltung auch nicht fehlen. Drei als Sieger auserkorene Gruppen erhielten jeweils als Preis das Buch "Nackt duschen streng verboten - die verrücktesten Gesetze der Welt", das kreativste und das sachlich-überzeugendste Plädoyer wurde jeweils mit Quietscheentchen in Richterrobe prämiert. Die Veranstaltung fand in enger Zusammenarbeit mit externen Partnern statt. Den Workshop leiteten Kristian Strøbech von der dänischen Medienhochschule DMJX in Aarhus und Prof. Dr. Marie Elisabeth Müller (HdM). Die Richterbank simuliert haben Organisator Prof. Dr. Tobias Keber (HdM), Prof. Dr. Nicolai Schädel (HdM) und Dr. Carsten Ulbricht (Rechtsanwalt, Bartsch & Kollegen Stuttgart). Alle Beteiligten wollen die Zusammenarbeit gerne fortsetzen.

Joelle Mittnacht

VERÖFFENTLICHT AM

22. Juni 2016

KONTAKT

Prof. Dr. Tobias Keber

Medienwirtschaft

Telefon: 0711 8923-2718

E-Mail: keber@hdm-stuttgart.de

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