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Dating 02. Mai 2017

Swipe it

Online-Dating-Börsen sind schon seit Jahren beliebt. Mit Dating-Apps wie Tinder oder Lovoo hat das Online-Dating weiter Fahrt aufgenommen. Doch helfen die Apps wirklich, den Partner fürs Leben zu finden? Oder geht es vielleicht um etwas ganz anderes?

Dating-Apps dienen häufig dazu, seinen Marktwert zu testen.
Dating-Apps dienen häufig dazu, seinen Marktwert zu testen.

"Ich hab' mal Tinder ausprobiert, aber das war nicht mein Ding", sagt Mistral Höltzcke, Student des Bachelorstudiengangs Print-Media-Management an der Hochschule der Medien (HdM). "Die meisten wollen nur Sex und kommen eh' anders rüber als sie sind." Ähnlich kritisch sieht das auch die Medienwirtschaftsstudentin Theresa Teufel: "Ich hab' Tinder mal ausprobiert, aber viele wollten nur flüchtige Treffen, und es gab sogar welche, die hatten eine Freundin." Auch wenn viele Tinder nicht wirklich ernst nehmen und es viele nicht zugeben wollen: Die meisten haben sich schon einmal bei einer Dating-App angemeldet oder zumindest darüber nachgedacht, es zu tun. Und irgendwie kennt doch jeder irgendjemanden, der seinen Partner oder One-Night-Stand über eine Dating-Plattform kennen gelernt hat.

It's all about sex

Warum die Leute Dating-Apps nutzen und ob diese Nutzung den Kontakt mit anderen Menschen außerhalb des Internets verändert, haben Studenten des Masterstudiengangs Elektronische Medien im Rahmen eines Seminars von Prof. Dr. Oliver Zöllner untersucht. Im Zuge ihrer Studie fanden die Studentinnen Elisa Arians, Anke Burgstahler, Laura Eberhardt, Sabrina Etzroth, Andrea Steinwinter und Nataliia Zhmurko heraus, dass mit der Dating-App Tinder eher Sexpartner als die große Liebe gesucht werden. Mehr als die Hälfte der Befragten ihrer Untersuchung gaben an, Sexkontakte eher über Tinder als auf persönliche Weise zu suchen. Dabei wird diese Möglichkeit stärker von Männern genutzt. Frauen sind sowohl bei Dating-Apps als auch im persönlichen Kontakt weniger auf der Suche nach Sex. Eine weitere Erkenntnis der Studie war, dass rund 55 Prozent der Befragten ihren Marktwert über Tinder testen wollen, darunter hauptsächlich Frauen. Im persönlichen realen Umfeld testen nur rund 16 Prozent ihren Marktwert und etwas mehr als ein Viertel hat daran überhaupt kein Interesse.

Love yourself

Mistral Höltzcke findet eine Beurteilung von Menschen aufgrund eines Tinder-Profils kritisch: "Man bekommt voll den falschen Eindruck von einer Person. Es ist doch so, dass man jemanden ganz anders kennen lernt, wenn man sie einfach so trifft." Diesen Aspekt kann eine weitere Studentengruppe, die sich mit Differenzen im Fremdbild von Online- und Offline-Persönlichkeiten beschäftigt haben, bestätigen. Die Studentinnen Alina Biermann, Franziska Hahn, Lina Lang, Desirée Löbel, Maarit Plewka und Julia Schwarzwald fanden in ihrer Untersuchung heraus, dass es Unterschiede zwischen der Wahrnehmung von fremden Personen nach der Betrachtung eines Facebook-Profils und dem persönlichen Kennenlernen gibt. Eine fremde Online-Persönlichkeit wird hauptsächlich aufgrund visueller Merkmale der Bilder, aber auch aufgrund gegebener Profilinformationen gebildet. Dies kann zu einer Fehleinschätzung der Person führen. Ein persönliches Kennenlernen führt zwar nicht zwangsläufig dazu, dass eine zuvor getroffene Einschätzung gänzlich relativiert wird, jedoch können die neugewonnenen Erkenntnisse über nonverbale Kommunikation und unmittelbare Äußerungen die erschlossene Online-Persönlichkeit ergänzen, verändern oder auch teilweise widerlegen.

So ist es kein Wunder, dass Tinder-Dates des Öfteren anders verlaufen als erhofft. Und Dating-App-Nutzer können so auch bewusst eine Online-Persönlichkeit kreieren, die sie so darstellt wie sie gern wahrgenommen würden - aber in Wirklichkeit gar nicht sind. Jeder versucht natürlich, sich in besonders gutem Licht zu zeigen und hofft auf positive Rückmeldung. Doch wer nicht nur seinen Marktwert testen will, sondern eine ernsthafte Beziehung sucht, sollte darauf achten, authentisch zu sein, sein wahres Ich rüberzubringen - um sich und sein Date nicht zu enttäuschen.

Marleen Kledig

Kontakt

Name:
Prof. Dr. Oliver Zöllner  Elektronische Visitenkarte
Funktion:
Professor
Studiengang:
Medienwirtschaft (Bachelor, 7 Semester)
Fakultät:
Fakultät Electronic Media
Raum:
216, Nobelstraße 10 (Hörsaalbau)
Telefon:
0711 8923-2281
Telefax:
0711 8923-2206
E-Mail:
zoellner@hdm-stuttgart.de

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