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Internationale HdM-Studenten 14. Juli 2017

Sehnsucht nach dem Fremden

Studenten aus der ganzen Welt kommen zum Studieren gerne nach Deutschland. Baden-Württemberg zählt für sie zu den attraktivsten Bundesländern. Die Studentinnen Laila Abdalla und Phuoc Thao Le von der Hochschule der Medien Stuttgart (HdM) haben uns von ihrem Leben im Südwesten Deutschlands und dem Alltag an der HdM erzählt. Für zukünftige ausländische Studenten haben sie den einen oder anderen Tipp.

Laila Abdalla kommt ursprünglich aus der ägyptischen Hauptstadt Kairo
Laila Abdalla kommt ursprünglich aus der ägyptischen Hauptstadt Kairo
Phuoc Thao Le fühlte sich bereits nach der Erstsemesterbegrüßung an der HdM gut aufgenommen (Fotos: privat)
Phuoc Thao Le fühlte sich bereits nach der Erstsemesterbegrüßung an der HdM gut aufgenommen (Fotos: privat)

Laila Abdalla ist 20 Jahre alt, kommt aus Ägypten und studiert Crossmedia-Redaktion/Public Relations im dritten Semester. Ihre Kommilitonin Phuoc Thao Le ist drei Jahre älter, gebürtige Vietnamesin, und befindet sich im vierten Semester des Studiengangs Informationsdesign an der HdM. Viel haben die beiden auf den ersten Blick nicht gemeinsam, doch verbindet die Studentinnen eines: Für das Studium verließen sie ihre Familie, die Freunde und das Heimatland.

Für ein Studium in Deutschland entschieden sie sich aus unterschiedlichen Beweggründen: Laila Abdalla besuchte in Ägypten eine deutsche Schule, an der sie auch ihr Abitur in deutscher Sprache absolvierte. Für die junge Frau war es selbstverständlich, nach Deutschland zu gehen. "In Ägypten ist es üblich, dass man internationale Schulen besucht und ins Ausland geht, wenn man die Chance dazu hat. Bildung wird dort leider wenig gefördert". Phuoc Thao Le verspürte schon im Kindesalter eine Sehnsucht nach dem Fremden und dem Abenteuer. Sie hatte sehr gute Noten und spricht fließend Englisch. Ein englischsprachiges Land wäre für sie auch in Frage gekommen. Doch sie entschied sich für ein Studium in Deutschland, da die Chance auf Bildung hier unabhängiger von der Herkunft und der Finanzlage der Eltern sei.

Auf Umwegen zur HdM

Für das Studium benötigten Abdalla und Le ein Visum. "Ich musste einen Monat lang Papiere ausfüllen und Institutionen besuchen. Das war zwar stressig, aber es hat sich gelohnt", erzählt Laila Abdalla. Bei Phuoc Thao Le hat die Prozedur knapp ein Jahr gedauert, von Deutschkursen über die Genehmigung der Vorausbildungsnachweise sowie dem Finanzierungsnachweis für das Visum.

Ihren Start in Deutschland hatten die beiden Frauen zunächst an anderen Hochschulen: Laila Abdalla studierte Ernährungswissenschaften an der Universität Hohenheim, Phuoc Thao Le Betriebswirtschaftslehre an der Hochschule Konstanz. Nach einem Semester wechselten beide an die HdM. Laila Abdalla liebt das Schreiben und kreatives Arbeiten und fühlt sich wohl im Studiengang Crossmedia Redaktion/Public Relations. Phuoc Thao Les künstlerisches Talent führte sie zum Studiengang Informationsdesign.

Kulturschock?

"A whole new world", hat sich Phuoc Thao Le zu Beginn ihres Aufenthaltes in Deutschland gedacht. Auch Laila Abdalla musste sich anfangs an die kulturellen Unterschiede gewöhnen. "Bei der Sprache, der Mentalität, bei Essgewohnheiten und in der Arbeitsweise oder der Bürokratie gibt es Differenzen", so Le. "Ägypten ist ein armes Land. Regeln haben bei den meisten Menschen nichts zu suchen. Alles ist chaotisch und laut", erzählt Laila Abdalla. Das vermisst sie in ihrer aktuellen Heimat nicht. Die ägyptische Neugier fehlt ihr allerdings manchmal. Die Menschen in ihrem Land seien offener und warmherziger. "Wahrscheinlich empfinde ich das nur so, weil es mein Zuhause ist", fügt Abdalla hinzu. Phuoc Thao Le lernte, sich in Deutschland kürzer und präziser auszudrücken. "Von klein auf war ich daran gewöhnt, alles durch die Blume zu sagen", berichtet die 23-Jährige. Mittlerweile ist sie ein großer Fan der direkten Ausdrucksweise der Deutschen.

Potenzial entfalten

An Deutschland schätzen die beiden vor allem den hohen Bildungsstandard. Die Studentinnen haben an der Hochschule bereits viel gelernt und loben die Praxisnähe und die familiäre Atmosphäre der HdM. Vor allem das Akademische Auslandsamt der HdM stand Phuoc Thao Le stets zur Seite. Die jungen Frauen sind sich einig, dass es in ihren Heimatländern deutlich schwieriger gewesen wäre, ihr volles Potenzial zu entfalten. "Das Studieren im Ausland ist nicht immer leicht, aber durch die vielen Herausforderungen habe ich mir ein dickes Fell zugelegt und bin viel geschickter geworden", erzählt Abdalla.

Zukünftigen ausländischen Studenten raten die beiden offen zu sein und viel Neues auszuprobieren. Man solle versuchen, die eigene Komfortzone zu verlassen, sich dabei aber nicht unter Druck zu setzen. Phuoc Thao Le rät: "Nehmt, wenn möglich an Aktivitäten außerhalb des Stundenplans teil, macht bei der Theatergruppe mit oder bewerbt euch auf einen Hiwi-Job." Auch die Möglichkeit eines Stipendiums sollte man in Betracht ziehen. "Mit der Zeit werdet ihr euch hier etwas sehr Schönes aufbauen", sagt Laila Abdalla. "Ihr werdet es sogar manchmal vermissen, wenn ihr wieder in eurem Heimatland seid".

 

Anna-Maria Relle

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