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Netflix-Serie

"Tote Mädchen lügen nicht"

Kaum eine Serie wird derzeit so heiß diskutiert wie "13 Reasons Why", oder in der deutschen Fassung: "Tote Mädchen lügen nicht". Psychotherapeuten und Ärzte fordern sogar ein Verbot für die bei Netflix ausgestrahlte Version in Deutschland und Österreich.

"13 Reasons Why" Foto: Netflix

"13 Reasons Why" Foto: Netflix

Die Serie "13 Reasons Why" basiert auf dem gleichnamigen Buch von Jay Asher, das auf der "New York Times"-Bestseller-Liste im Juli 2011 den ersten Platz belegte. Sie erzählt die Geschichte der Highschool-Schülerin Hannah Baker, die sich das Leben nimmt und ihren Mitschülern Musikkassetten hinterlässt. Auf diesen schildert sie 13 Gründe für ihren Selbstmord: Hannah wird in der Schule gemobbt und ihr Ruf unter den Jugendlichen ist ruiniert - Erlebnisse, die sie in den Selbstmord treiben. Mit den Kassetten macht sie ihre Schulkollegen für ihren Tod verantwortlich.

In der letzten Folge der ersten Staffel kommt es zum Selbstmord Hannahs. Dieser wird so realisitisch und dramatisch gezeigt, dass der eine oder andere Zuschauer und Experten entsetzt ist. Anlass genug, um die Auswirkungen der Serie auf Teenager zu hinterfragen. Neuseeland, ein Land mit einer besonders hohen Selbstmordrate, warnt zum Beispiel explizit vor der Serie und neuseeländische Jugendliche dürfen "13 Reasons Why" nur mit Erwachsenen anschauen, da Behörden Sorge haben, junge Menschen könnten sich Hannah Baker zum Vorbild nehmen und sich umbringen.

Werther-Effekt

Auch in Deutschland wurde seit Erscheinen der ersten Staffel Kritik laut. Die Serie konfrontiere die Zuschauer mit einer detaillierten Suizid-Szene, durch die Nachahmungeffekte befürchtet werden. Einige Medien berufen sich hier sogar auf internationale Forschungsergebnisse. Diese hätten verdeutlicht, dass das Risiko für Selbstmord steige, wenn Menschen solchen Eindrücken ausgesetzt seien. In der Tat sind bereits seit der Veröffentlichung von Goethes Briefroman "Die Leiden des jungen Werther" im Jahr 1774 Nachahmungseffekte bei Suizid bekannt. Diese werden seitdem immer wieder beobachtet. Dennoch wird "13 Reasons Why" derzeit noch unzensiert ausgestrahlt. Anfang Mai 2017 hat Netflix auf das zunehmend negative Feedback reagiert: Vor jeder Episode von "Tote Mädchen lügen nicht" werden nun Warnungen geschaltet - zusätzlich zu denen, die ohnehin bei bestimmten Folgen eingeblendet werden.

Neben der Kritik gerät die eigentliche Intention von Netflix zur Produktion der Serie immer weiter in den Hintergrund. "13 Reasons Why" sei sowohl für Jugendliche als auch für Eltern als Augenöffner gedacht. Sie soll aufklären und dazu motivieren, sich frühzeitig Hilfe zu holen: Mobbing oder Depressionen sollten in der Gesellschaft kein Tabuthema sein. Die Serie, die von der Sängerin Selena Gomez mitproduziert wird, soll zeigen, dass Selbstmord nie eine Lösung ist. 

Erfolg trotz Kritik

Über die Zuschauerzahlen schweigt Netflix zwar offiziell, aber dennoch lässt sich ablesen, dass die neue Originalserie "13 Reasons Why" trotz aller Kritik erfolgreich ist: Von den Streaming-Abonnenten hat sie fünf von fünf Sternen bekommen. Auf IMDB hat die Serie 9,0 von 10. Zum Vergleich: "House of Cards" hat ebenfalls 9,0, "Narcos" 8,9 und "Game of Thrones" 9,5. Derzeit wird bereits an einer zweiten Staffel gedreht, die voraussichtlich im ersten Quartal 2018 auf Netflix erscheint. 

Susi Mannschreck

VERÖFFENTLICHT AM

01. August 2017

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