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Hochschule der Medien

Die App "Vero"

Kurzzeitiger Hype oder langfristiger Trend?

Seit einigen Tagen ist Vero in aller Munde. Eine neue App, die den etablierten Sozialen Netzwerken Paroli bieten will. Auf den ersten Blick scheint Vero viele der Funktionen von Facebook, Pinterest und Co. in einer App zu vereinen. Manch einer bezeichnet Vero sogar als das neue Instagram. Doch was kann Vero wirklich und wie zukunftsfähig ist die App?

So sieht es aus, wenn man einen Fotobeitrag mit einer Empfehlung auf Vero teilt. Screenshot: Vero App
Schlichtes Design und kein völlig neues Konzept. Der Fokus von Vero liegt auf dem Teilen von Fotos, Videos und Links sowie Empfehlungen zu Musik, Film/TV, Büchern und Orten. Alles, was Nutzer an anderen sozialen Netzwerken stört, versucht Vero anders zu machen. Im "Vero Mainfesto" schreiben die Hersteller, dass das Interesse der Plattformen in den letzten Jahren immer mehr über dem der Nutzer stand. Daher versprechen sie, dass die Social-Media-App dem Nutzer erlaubt "er selbst zu sein" und ihn als Kunden und nicht als "Advertiser" wahrnimmt. Daher auch der Name, denn Vero bedeutet im Italienischen "wahr" oder "echt".

Die Alternative ohne Ads, Bots und Algorithmen

Auf Vero kann man seine Inhalte, wie im echten Leben mit verschiedenen Freundeskreisen teilen, ähnlich wie bei Facebook. Die Inhalte werden dann Abonnementbasiert und chronologisch angezeigt. Außerdem bleibt der Feed frei von Bots, Werbung und Algorithmen, was sonst oft nicht der Fall ist. Finanziert wird die App über eine Mitgliedsgebühr, die jedoch noch auf unbestimmte Zeit entfällt.

Bei Vero kann man seine Inhalte für verschiedene Freundeskreise sichtbar machen. Screenshot: Vero App.
Als Entgegenkommen für etliche Serverzusammenbrüche bekommen alle neuen Nutzern daher derzeit noch eine "Free for Life"-Mitgliedschaft geschenkt.

Ein Hype, der technische Schwierigkeiten mit sich bringt

Obwohl es die App schon seit 2015 gibt, begann der Hype um Vero erst gegen Ende Februar diesen Jahres. Der Grund: Viele bekannte Social-Media-Stars teilen ihr neu erstelltes Profil auf anderen Kanälen und fordern ihre Follower dazu auf, ihnen zu folgen. Obwohl Vero auch damit wirbt, kein "Data Mining", also das gezielte Untersuchen von Muster, Trends oder Zusammenhängen, zu betreiben, wird zur Registrierung die Handynummer verlangt und alle Nutzungsdaten werden gespeichert.

Auch private Chats mit anderen Nutzern sind möglich. Screenshot: Vero App.

Der App fehlt ein "Killer-Feature"

Vero kommt seinen Nutzern in vielen Punkten entgegen und verzeichnet immer mehr Mitglieder, mittlerweile über 1 Millionen Menschen. Doch wie zukunftsfähig ist Vero? Wir haben zwei Social-Media-Experten an der Hochschule der Medien in Stuttgart (HdM) dazu befragt, was sie von dem aktuellen Hype halten.

Dr. Jürgen Seitz, Professor im Studiengang Medienwirtschaft, meint: "Das aktuelle Momentum von Vero ist tatsächlich beindruckend. Um längerfristig erfolgreich zu sein, muss aber analog zu etwa Snap oder musical.ly ein Killer Feature (Haupttreiber der Nutzung) gefunden werden. Dies erkenne ich bei Vero noch nicht. Dies bedeutet nicht, dass es nicht noch klappen kann. Das sehr erfolgreiche Live-Streaming-Portal für Videospiele Twitch entstand beispielsweise aus dem nur mäßig erfolgreichen Justin.tv. Die Gründer haben in dem Service aber das Potenzial der Übertragung von Videospielen als killer feature erkannt und Twitch.tv ausgegründet."

Zukunftsfähig? Es gilt abzuwarten

Prof. Dr. Swaran Sandhu, aus dem Studiengang Crossmedia-Redaktion / Public Relations findet: "Zurzeit würde ich sagen: Hype. Vor allem, weil einige einflussreiche Instagramer die App stark promoten. Klar ist auch, dass immer mehr Nutzer über die Kommerzialisierung und Manipulation auf Facebook, YouTube und Co nicht glücklich sind. Ob der Frust allerdings so groß ist, dass man liebgewonnene Follower dafür aufgibt, bezweifle ich. Es stellt sich außerdem die Frage, was die App so viel besser machen kann, als bisherige. Nutzer sind in der Regel relativ träge und bleiben gerne bei bewährten Strukturen. Entscheidend für den Erfolg von Vero ist also, wie das Geschäftsmodell aussieht und ob es sich skalieren lässt. Denn momentan wird die Server-Infrastruktur überlastet - und das schreckt wiederum viele beim Probieren ab."

Insgesamt lässt sich also sagen, dass die Hersteller mit ihrer App versuchen, eine Alternative zu den anderen sozialen Netzwerken zu bieten und dass das momentan bei den Nutzern gut ankommt. Im Gegensatz zu letzter Woche belegt die App weltweit in keinem App- oder Androidstore den Platz 1, letzte Woche waren es bei Apple noch 22 Länder, bei Android neun. Fraglich ist, wieviel die App von dem wirklich hält, was sie verspricht. Es ist abzuwarten, wie der Hype um Vero weitergeht.

Jennifer Mareen Kögel

VERÖFFENTLICHT AM

13. März 2018

KONTAKT

Prof. Dr. Swaran Sandhu

Crossmedia-Redaktion/Public Relations

Telefon: 0711 8923- 2226

E-Mail: sandhu@hdm-stuttgart.de

Prof. Dr. Jürgen Seitz

Medienwirtschaft

Telefon: 0711 8923-2741

E-Mail: seitz@hdm-stuttgart.de

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