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Ein Jahr #MeToo

Wirksamer Hashtag-Aktivismus?

Vor einem Jahr, am 15. Oktober 2017, forderte die US-amerikanische Schauspielerin Alyssa Milano in einem Tweet Frauen dazu auf, "Me Too" zu schreiben, wenn sie selbst schon Opfer sexueller Belästigung waren. Daraus entstand die so genannte "MeToo-Bewegung". Das ursprünglich von der Sozialaktivistin Tarana Burke eingeführte Hashtag "MeToo" wurde seither millionenfach in sozialen Netzwerken verwendet. Doch wie wirksam ist diese neue Form des Protests?

Das Hashtag "MeToo" ist seit einem Jahr in der Öffentlichkeit präsent, Foto: Unsplash.com

Das Hashtag "MeToo" ist seit einem Jahr in der Öffentlichkeit präsent, Foto: Unsplash.com

#MeToo als Reaktion auf Weinsteins Anschuldigungen

Alyssa Milano veröffentlichte ihren #MeToo-Aufruf kurz nachdem mehrere US-Schauspielerinnen Vorwürfe wegen sexueller Belästigung durch den Filmemacher Harvey Weinstein publik gemacht hatten. Im Laufe des letzten Jahres wurden daraufhin zahlreiche weitere Anschuldigungen sexueller Belästigungen laut, in der Film- und Fernsehindustrie, aber auch in anderen Branchen. Das Hashtag verbreitete sich schnell und ermutigte Frauen dazu, ihr Schweigen zu brechen.

Was ist Hashtag-Aktivismus?

"Hash" ist die Bezeichnung für das Rautensymbol und "tag" der englische Begriff für "Schlagwort". Hashtags entstanden ursprünglich auf Twitter, um eine Suchfunktion zu ermöglichen und Themen zu bündeln. Sie können nicht nur inhaltliche Verknüpfungen schaffen, sondern auch dafür genutzt werden, sich einer bestimmten Meinung zu verschreiben. Vor #MeToo gab es bereits verschiedene Hashtag-Kampagnen als Ausdruck sozialen Protests. Beispielsweise entstand unter dem Hashtag #BlackLivesMatter eine Rassimus-Gegenbewegung, nachdem 2012 ein Wachmann in Kalifornien einen schwarzen, unbewaffneten Jugendlichen erschossen hatte. In Deutschland wurde 2013 das Hashtag #aufschrei in Bezug auf die Sexismus-Debatte geprägt. Damals nutzten Tausende von Frauen und Männern dieses Schlagwort, um auf Alltagssexismus aufmerksam zu machen - bis heute.

#MeToo - Was hat sich getan?

#MeToo scheint ebenfalls langfristige Auswirkungen zu haben: In den letzten Monaten folgte eine grundlegende Neuentfachung der Gleichberechtigungsdebatte. Im Gegensatz zu anderen Hashtag-Trends macht sich die MeToo-Debatte auch in der Offline-Welt bemerkbar: Weinstein und zahlreiche weitere mutmaßliche Täter, wie beispielsweise der Fotograf Terry Richardson, verloren ihre Jobs und Aufträge. Die "Producers Guild of America" veröffentlichte neue Richtlinien zur Verhinderung sexueller Belästigung an Filmsets. Selbst in Deutschland wurde ein WDR-Redakteur nach Anschuldigungen sexueller Belästigung entlassen.

Hashtag-Problematik

Die Debatte, und hierbei insbesondere das Hashtag "MeToo", wurde aber auch immer wieder kritisiert: #MeToo ermögliche keine Differenzierung. #MeToo würde sowohl für schwerwiegende Vergewaltigungen, sexuelle Belästigungen, aber auch für sexistische Bemerkungen verwendet. Es wurde außerdem Kritik laut, dass die "MeToo"-Debatte die Journalisten zur "Verdachtsberichterstattung" verleite. Auch wenn es "Aussage gegen Aussage" stehe, würden die Beschuldigten in der Berichterstattung inkorrekter Weise als "Täter" dargestellt. An Hashtag-Kampagnen wird außerdem bemängelt, dass sie oft nur in einzelnen Teilöffentlichkeiten stattfinden. Zudem treten sie meist nur sehr kurzfristig auf und die jeweiligen Schlagwörter werden dafür verwendet, Reichweite zu generieren. 


Eines ist klar: Hashtag-Aktivismus ist eine neue Form des Protests, die kurz- oder langfristig wichtige Themen verstärkt in das öffentliche Bewusstsein rücken kann. Die anhaltende Popularität der #MeToo-Bewegung, auch ein Jahr nach Alyssa Milanos Aufruf, und die Ausbreitung auf die Offline-Welt lässt beide Geschlechter darauf hoffen, dass diese Debatte dauerhaft anhält und noch differenzierter wird.

 

Quellen:

https://www.amnesty.org/en/latest/education/2018/08/tarana-burke-me-too/
https://www.theguardian.com/world/2015/jul/19/blacklivesmatter-birth-civil-rights-movement
https://www.deutschlandfunkkultur.de/aktivismus-im-netz-vom-hashtag-zur-buergerbewegung.976.de.html?dram:article_id=367155
https://meedia.de/2017/10/25/sexismus-in-der-modebranche-conde-nast-beendet-jede-zusammenarbeit-mit-terry-richardson/
https://www.theguardian.com/film/2018/jan/26/sexual-harassment-film-industry-producers-guild-of-america https://meedia.de/2018/01/08/vorwuerfe-gegen-dieter-wedel-wieso-journalisten-in-der-metoo-debatte-schaerfer-differenzieren-muessen/

 

Denise Radimersky

VERÖFFENTLICHT AM

16. Oktober 2018

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