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Hochschule der Medien

Paid Content

Die Zukunft der Online-Nachrichten

Bereits seit längerer Zeit beschäftigt das Thema Paid Content die Verlagshäuser. War der Großteil der Online-Informationen bisher umsonst, geben rückläufige Auflagen und sinkende Werbeinnahmen dem Trend zu kostenpflichtigen Inhalten neuen Auftrieb. Zwei Professoren der HdM äußern sich zum Thema.

Quelle: spiegel-online.de

Quelle: spiegel-online.de

Rupert Murdoch, Vorsitzender des Medienkonglomerats News Corporation (New York Post, Wallstreet-Journal, etc.) kündigte vor einigen Wochen an, seine Zeitungsportale künftig nur noch gegen Bezahlung anzubieten. Außerdem bekommt man seit dem 15. Dezember manche Online-Angebote der „Berliner Morgenpost" und des „Hamburger Abendblatt" nur noch kostenpflichtig. Diese und andere Neuigkeiten lösten erneute Diskussionen rund um das Thema Paid Content aus. Bei Online-Publikationen handelt es sich meist um Inhalte, die in Redaktionen von Journalisten produziert werden. Dies ist immer mit Kosten verbunden. Daher stellt sich die Frage, wie sich diese Arbeit künftig finanzieren soll um ihre Qualität zu erhalten. In der Branche sind die Meinungen geteilt. Fragt man die User, die zahlen sollen, ist der Trend klar: Nach einer im Dezember 2009 von der GFK veröffentlichten Studie sind nur 13 % der Nutzer mit privatem Internetzugang bereit, für Informationen aus dem Netz zu bezahlen.

Experten im Interview

Zum Thema haben wir mit Dr. Thomas Lehning, Professor für Medien und Marketing mit Schwerpunkt Neue Medien und Internet und Christof Seeger, Professor für Verlagswesen, der Hochschule der Medien gesprochen.

Einig sind sich unsere Experten darin, dass auch für die Medien die Gesetze des Marktes gelten: Die Nachfrage bestimmt das Angebot. „Das gilt für freien ebenso wie für bezahlten Content", meint Professor Seeger. Und weiter: „Das Medium Zeitung wird in seiner heutigen Form immer mehr an Zuspruch verlieren und muss sich dem Nutzer anpassen, allerdings hat unsere Presse nach wie vor einen gesetzlichen Auftrag. Wir brauchen die Presse als ein Instrument der Kontrolle, wir brauchen Journalisten, die Themen wie Politik und Wirtschaft genau unter die Lupe nehmen und dafür sorgen, das alle Aspekte behandelt werden. Daher wird die Zeitung als Medium weiter bestehen."

Neue Perspektiven für Verlage

Professor Seeger stellt im Bereich Paid Content klar die Trennung zwischen allgemeinem Content und exlusivem Content heraus. „Für Nachrichten von hohem Newswert, wie beispielsweise dem Tod Michael Jacksons, wird kein Nutzer bereit sein, etwas zu bezahlen." User jedoch, die an spezifischen Themen oder weiteren Informationen Interesse haben, würden auch bereit sein dafür in die Tasche zu greifen. Genau hier sieht Professor Seeger die Zukunft der Zeitung. Als Medium zur Verbreitung von Neuigkeiten sei sie längst vom Internet abgelöst. Daher müssten Verlage mit ihren Produkten neue Wege gehen. Professor Dr. Lehning dagegen sieht das aus einer anderen Perspektive: „Langfristig wird das Medium Zeitung seinen Träger wechseln und vom Printprodukt ins Internet abwandern. Entscheidend ist nicht der Träger einer Information, sondern deren Inhalt. Bislang sind nämlich Inhalte des Paid Content einfach zu teuer, wer zahlt denn bis zu 2 Euro für einen Artikel?"

Mediale Lösungen

„Verlage haben den Fehler begangen, einfach mal alles kostenlos ins Netz zu stellen und jetzt sind die Nutzer nicht bereit, für etwas zu bezahlen, dass es bisher kostenlos gab", sagt Professor Seeger. Er sieht aber auch im Netz eine Chance für die klassischen Printmedien: „Es müssen exklusive und damit verkäufliche Informationen geschaffen werden." Für ihn stellen beispielsweise auch mischkalkulierte Medienpakete eine Lösung dar, also Pakete, die unterschiedlichste Informationsleistungen enthalten und bei denen gut verkäufliche Informationen die weniger gewinnbringenden Bereiche mitfinanzieren. Dass es Angebote gibt, bei denen Paid Content funktioniert, zeigen beispielsweise die iPhone-Applikation der Süddeutschen Zeitung „SZ Gold", das Online-Angebot der amerikanischen Profibaseball-Liga mbl.com, das jährlich 120 Dollar kostet und eine halbe Million Nutzer hat oder auch das aus dem Murdoch-Konzern stammende Online-Angebot des „Wall-Street Journal".

Technologie der Zukunft

Noch nicht genutzte Möglichkeiten und Einnahmequellen im Online-Bereich nennt Professor Lehning: „Verlage können als Mediator der Informationen auftreten und für den Nutzer eine Plattform schaffen. Diese hilft sich zwischen den unzähligen Online-Informationen zurechtzufinden. Denkbar wäre auch die Entwicklung eines Bewertungssystems, das die unterschiedlichen Informationen klassifiziert und Auskunft über deren Qualität gibt. Solche und andere Angebote könnten eine zusätzliche Einnahme-Quelle darstellen." Auf die Frage, ob das Internet Printprodukte langfristig verdrängt, weist Lehning darauf hin, dass es sich beim Internet nur um eine Struktur handelt, welche sich so oder so durchsetzen wird. Die Debatte müssee sich also um den Inhalt unabhängig vom Medium drehen. Verlage müssen inhaltliche Prozesse etablieren, die preiswürdig sind. Gute Inhalte seien unabhängig vom Träger der Information und was gut ist, verkauft sich auch.

Ergo: Der Kauf einer Zeitung oder eines Medienpakets gibt den Verlagen die Möglichkeit Informationen nicht nur nach ihrem Verkaufswert zu beurteilen, sondern auch weiterhin nach ihrem Newswert. Daher trägt der User mit seiner Entscheidung für bezahlte Online-Nachrichten auch dazu bei, die Qualität von Online-Nachrichten mit zu bestimmen.

 

 

Susanne Stegmüller

VERÖFFENTLICHT AM

01. Januar 2010

KONTAKT

Prof. Dr. Thomas Lehning

Werbung und Marktkommunikation

Telefon: 0711 8923-2221

E-Mail: lehning@hdm-stuttgart.de

Prof. Christof Seeger

Mediapublishing

Telefon: 0711 8923-2143

E-Mail: seeger@hdm-stuttgart.de

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