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Hochschule der Medien

Partnersuche im Internet – Teil 3

Sexuelle Freiheit gegen jede Moral?

Dienstleister im Internet boomen mit organisiertem Fremdgehen und heißen Angeboten. Entstanden früher Affären noch spontan im Büro, bieten nun Seitensprung-Agenturen diese im Internet für's reale Leben an – und die Nachfrage nach Lust scheint groß.

Partnersuche im Netz

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Amerika zeigt, wie erfolgreich organisiertes „cheating“ sein kann und ist nun mit der Seitensprung-Agentur Ashley Madison die am stärksten wachsende Community-Website nach Facebook. Seit der Gründung in Toronto/Kanada im Jahre 2001 beschäftigt das Unternehmen rund 120 Mitarbeiter und setzt sich selber die Krone der Markführerschaft für das organisierte Fremdgehen auf. Seit April 2010 wird der Dienst auch in Deutschland angeboten. Doch zum Fremdgehen wird laut Ashley Madison niemand verführt: „Untreue gibt es bei beiden Geschlechtern, in allen Ländern und Lohnklassen. Uns kann man dafür nicht die Schuld geben.”

Fremdgehen als Paar-Theapie?

So richtet sich der Nutzen des Dienstes hauptsächlich an unglückliche Personen, so der Dienst in  Partnerschaften und Ehen, die ihre in Misslage geratene Beziehung durch einen Seitensprung wieder verbessern möchten. „Eine sexuell unerfüllte und vernachlässigte Partnerschaft bekommt durch einen Seitensprung die fehlende Leidenschaft zurück“, so der „König der Untreue“, wie Portalgründer Noel Bidermann von den Amerikanern betitelt wird. Auf die Kritik der Medien, das Portal wäre unmoralisch und würde den Ehebruch anpreisen, reagiert Ashley Madison mit den Worten: „Unser Portal stiftet nicht zum Fremdgehen an. In erster Linie ist es eine Kontaktplattform. Wenn sich zwei User außerhalb dieser virtuellen Welt treffen, ist das ihre Entscheidung. Aber in erster Linie wollen wir nur die Möglichkeit bieten, dass Menschen, die in einer eingeschlafenen Beziehung leben, Abwechslung bekommen. Das muss nicht unbedingt eine sexuelle Affäre sein.“

Traumprinz oder Abenteuer

Andere Dienstleister, wie etwa Lovepoint.de winken mit Online-Tests für die Erstellung psychologischer Persönlichkeitsgutachen. Singles oder in Partnerschaft/Ehe lebende Personen haben hier die Wahl zwischen einem „Traumpartner“, einem „Erotikabenteuer“ oder einem Mix aus beiden Wünschen zu wählen. Das Versprechen von Lovepoint ist simpel wie anregend: Eine kostenlose und unverbindliche Vorstellung attraktiver und niveauvolle Männern und Frauen.

Egal welche Agentur man für seinen Seitensprung wählt, Versprechen wie z. B. ein glücklicheres Leben mit mehr Freude, Leidenschaft und Balance sind immer die gleichen. Dem Interessenten wird zudem auf den Landingpages die Hoffnung vermittelt, dass sich auch aus einer abenteuerlichen Bekanntschaft eine neue, aufblühende Liebe entwickeln kann.

Sex ist Sex und Liebe ist Liebe

Wer sich nicht in einer festen Partnerschaft befindet und nach purem Sex sehnt, kommt im Internet auf Seiten wie www.poppen.de auf seine Kosten. Den über 500.000 täglich aktiven Mitgliedern wird auf dieser Plattform ein Angebot aus sexgeladenen Videos, Bildern und Webcam-Übertragungen und einem Adressverzeichnis von Swingerclubs, Raststätten und Sex-Hotels gezeigt.

Die Erotik-Communities legen jedem Besucher und Nutzer der Seite nahe, die offiziellen und inoffiziellen Regeln zu befolgen, um statt Frust und Enttäuschung Vergnügen und Lust zu erleben. Eine wichtige Regel besagt beispielsweise, dass es für Suchende möglich sein sollte, Liebe und Sex zu trennen. Zwar schließe das eine das andere nicht aus, jedoch bestehe der Großteil aller Angebote aus Gelegenheitssex-Anfragen, die weder Interesse an einer Wiederholung des Treffens, noch an festen Beziehungen haben.

Gelegenheit macht Sex

Die Bezeichnung „Gelegenheitssex“ (Casual Sex) ist jedoch ein sehr weitgesteckter Begriff. So wird mit ihm Sex ohne ein Gefühl von Liebe, Sex außerhalb einer Beziehung, Sex in einer lockeren Beziehung oder eine einmalige sexuelle Begegnung definiert.

Die Freizügigkeit der Sexualität und der Anspruch auf Befriedigung eigener Vorlieben lässt sich gerade durch die Vermittlungsagenturen für Seitensprünge mehr und offener denn je ausleben. Tabulose Phantasien werden veröffentlicht und ausgetauscht, um Gleichgesinnte zu finden und diese zu treffen. Eine schnelle Suche nach Sexpartnern ist auf vielen der Service-Seiten gegeben, im Vordergrund steht für die Dienstleister jedoch die Diskretion und Anonymität der Mitglieder und Nutzer. Durch Features, wie agentureigene E-Mail-Adressen, (Live)-Chats und Chiffre-Postfächern bieten sie ihren Communities eine Reihe von Möglichkeiten, sich rege und intim auszutauschen.

Ein Wörterbuch des Sex

Das „Open Flirting“ gestattet beiden Partnern mit Fremden zu flirten, verbietet aber Berührungen jeder Art. Die Bezeichnung „The 50 Mile Rule“ steht für einen Liebhaber der mindestens 80 Kilometer entfernt wohnt.

Andere Begriffe sind „Polyfidelity“ (Treue gegenüber mehreren Partnern), „the Clinton Monogamy“ (Oralsex gilt nicht als normaler Sex), „Body-Fluid Monogamy“ (Kondompflicht beim Sex), „Human Sex-Toy“ (eine dritte Person, die von einem Paar in die Erotik mit eingebracht wird). „Waistline Monogamy“ bezeichnet den Austausch von Zärtlichkeiten oberhalb der Gürtellinie. Quintessenz:  „Don't Ask, Don't Tell“, du darfst alles nur nicht darüber reden.

Moral versus Freiheit

Die aufkeimende neue sexuelle Revolution mit einer Offenheit zur sexuellen Lust und einer Gier nach Bedürfnisbefriedigung spaltet die Gesellschaft in zwei Lager: „Ethik und Moral“ einerseits und „Freiheit und Individualismus“ andererseits. So debattieren Kritiker und Gegner weiterhin gegen „unmoralische“ Angebote, doch die nächste Welle der Revolution wird kommen.

Sabrina Konrad

Quellen: Partnersuche im Netz - Teil 3

www.news.at

www.seitensprung-date.ch

www.wulewu.de

www.singleboersen-vergleich.de

www.amica.de

www.max.de

http://meedia.de

VERÖFFENTLICHT AM

11. Januar 2011

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