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Ganz ohne Worte?

Infografiken-Magazin erschienen

Die HdM-Redaktion sprach mit Ralph Tille, Professor im Studiengang Informationsdesign über das neue Magazin "In Grafiken" sowie die Verwendung von Infografiken im Journalismus und im Studiengang Informationsdesign.

Prof. Ralph Tille, Studiengang Informationsdesign

Prof. Ralph Tille, Studiengang Informationsdesign

Die Infografik ist eine journalistische Darstellungsform, mit Hilfe derer Informationen visuell aufbereitet, als Diagramm, Karte oder schematische Darstellung dargestellt werden.

Hochschulkommunikation (HK): Herr Professor Tille, Sie kennen das Heft "In Grafiken" der Golden Section Graphics GmbH in Berlin. Wie würden Sie dieses aus professioneller Sicht beurteilen?

Prof. Ralph Tille: Die Publikation zeigt eine sehr große Bandbreite an Infografiken unterschiedlicher, auch internationaler Themengebiete. Die Berliner Agentur hat sich auf die Erstellung von Infografiken spezialisiert. Wenn man so will, ist die Publikation auch ein qualitativ hochwertiges Portfolio. Die Auswahl der grafisch aufwendigen Arbeiten zeigt viele Spielarten der visuellen Information und Kommunikation von Sachverhalten und deren immanenten Fragestellungen.

(HK): Infografiken kennt man aus Zeitungen und Magazinen, in erster Linie als Illustrationen eines Textes. Können diese überhaupt ohne Text verstanden werden?

Tille: Ja, wenn Sie dafür angelegt sind auf jeden Fall. Grundvoraussetzung ist jedoch auch eine präzise und korrekte Recherche und eine ebenso sorgfältige Ausgestaltung der grafischen Repräsentationen. Man darf nicht vergessen, dass Text und Sprache vielseitigste Konnotationen erlauben, auch wenn der Autor versucht, möglichst faktentreu und klar zu formulieren.

Die Grenzen der Verständlichkeit können bei Grafiken meiner Ansicht nach frühzeitiger auftauchen, da wir in unserer Bildungslandschaft deutlich weniger Wert auf visuelle Analyse- und Gestaltungsmethoden legen. Das Wort und die Schrift - letztlich auch die Zahlen - dominieren deutlich. Der Schriftgelehrte überwiegt vor dem Bildgelehrten. Der Grafiker muss daher behutsamer mit seinen visuellen Stilmitteln umgehen, um möglichst viele Rezipienten anzusprechen.

(HK): Kann ein Magazin, das nur aus Infografiken besteht, komplexe Inhalte sinnvoll vermitteln?

Tille: Durchaus, man muss nur beachten, wo die Vorteile des Bildhaften liegen. Nehmen wir das Beispiel des Grubenunglücks in Chile im Jahr 2010. Den Ablauf des Rettungsprozesses, aber auch die Position der Verschütteten im Untergrund sowie die möglichen Rettungsversuche lassen sich grafisch-bildhaft sehr gut darstellen. Der Betrachter kann die Zusammenhänge beispielsweise in einer Übersicht erfassen, während der Text erst nach und nach die Informationen vermitteln kann.

(HK): Wie muss ich mir die Leserschaft eines solchen Magazins vorstellen?

Tille: Nun, ich sehe die Publikation eher als Prototyp an, denn als endgültiges Magazin. Wie Jan Schwochow in der Einleitung beschreibt, gibt es dieses Format noch nicht in der breiten Öffentlichkeit. Mir fällt beispielweise das Magazin „VIEW" vom Stern ein, welches nahezu ausschließlich mit Fotos arbeitet. Diese können jedoch nur das abbilden, was existiert beziehungsweise sichtbar vor die Linse gerückt wird. Ich frage mich, ob Leser - man beachte das Wort - für diese Art der Informationsdarbietung in großer Zahl empfänglich sind. Ein Trend zur Infografik ist aber eindeutig erkennbar.

(HK): Das Magazin erscheint auf Deutsch und Englisch; gibt es nicht eventuell kulturelle Unterschiede zwischen den deutsch- und englischsprachigen Ländern, die zu Verständnisschwierigkeiten führen könnten?

Tille: Ja, die gibt es, wobei die Infografiken idealer Weise für die jeweilige Zielgruppe und Kultur erstellt worden sind. Manche Infografiken müssen jedoch international funktionieren. Das vielleicht berühmteste Beispiel ist die Visualisierung des Netzes der Londoner U-Bahn, die Henry Beck schon in der 1930er entwickelt hat. Heute arbeiten fast alle Verkehrsbetriebe mit dieser abstrakten Visualisierung.


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VERÖFFENTLICHT AM

01. Februar 2011

KONTAKT

Prof. Ralph Tille

Informationsdesign

Telefon: 0711 8923-3167

E-Mail: tille@hdm-stuttgart.de

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