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Hochschule der Medien

Kommentar

Dr. jur. ausgesetzt1 und "überzitiert"2

Ein vornehmer Blaublüter! Ein smarter Medienliebling! Ein echter Bayer! Ein hervorragender Jurist! Ob Letzteres stimmt, zweifeln Medien und politische Gegner immer mehr an. Im Kern gehen die Plagiatsvorwürfe gegen KTG vor allem die akademische Welt an!

 

 

kommentiert

Die SZ3 ist spitze, hier können wir uns haarklein, also Fußnote für Fußnote überzeugen lassen oder uns aufregen, ob er es getan hat oder nicht:4 Plagiat! Als Professoren, Mütter und Väter von Doktorarbeiten, Betreuerinnen und Betreuer von Master- und Bachelor-Arbeiten sind wir amüsiert oder bestürzt über den Aufschrei in den Medien5 und die Selbstaussetzung des Doktortitels: Je nach politischer Couleur6 und der gedanklichen Revision der eigenen Sorgfalt bei der Überprüfung uns selbst vorgelegter Arbeiten, neigen wir zur Unschuldsvermutung oder (Vor-)Verurteilung.7 Die derzeitige Berichterstattung in den Medien und die Kommentare8 nicht unmittelbar an der Beurteilung der Arbeit beteiligter ‚Gutachter' zeugt davon, wie viel Feinde und Neider der Superstar der deutschen Minister hat. Die werden derzeit „überzitiert". Waren es vor einigen Tagen noch ein paar Seiten, über die wir uns prächtig streiten konnten, z.B. ob auf den Seiten 15-16 oder den Seiten 215 ff der Doktorarbeit „Verfassung und Verfassungsvertrag - Konstitutionelle Entwicklungsstufen in den USA und der EU", Duncker&Humblot, Berlin 20099 (Broschiert, 475 Seiten, ISBN 3428125347, Maße: 23,2 x 15,6 x 2,4 cm, Autor: Karl-Theodor Frhr. zu Guttenberg, Gewicht: ca. 400 gr.)10 absichtlich oder aus Fahrlässigkeit gar nicht, kaum oder halbrichtig zitiert wurde, sind es mittlerweile schon rund 80 Stellen, bei denen die auf ganz Deutschland verbreiteten ‚Prüfer' fündig wurden.11

In allen schriftlichen akademischen Arbeiten müssen wörtlich übernommene Zitate, sinngemäße Zitate und der intendierten Bedeutung12 nach übernommene Gedankengänge sowie Paraphrasen mit Zitathinweisen (Fußnoten) oder in Anmerkungen festgehalten werden. Allgemeinwissen, lexikalisches Wissen und innerhalb einer Fachdisziplin erhärtetes, gesichertes13 Wissen muss nicht nachgewiesen werden.14 An diesen allgemeinen akademischen Regeln muss sich nicht nur zu Guttenberg messen lassen, gleich welche Form er für seine standardisierten Zitatbelege15 verwendete. Zitierfähig sind übrigens nur wissenschaftliche Arbeiten, die wiederum diesen Ansprüchen genügen. Bei Doktorarbeiten gilt als Bewertungskriterium zudem die eigenständige wissenschaftliche Leistung, die wissenschaftlich beachtenswert sein muss. Eine Dissertation muss z.B. im Falle der Rechtswissenschaft „erkennen lassen, dass der Bewerber imstande ist, zu rechtswissenschaftlichen Problemen selbständig und kritisch Stellung zu nehmen"16 oder „zur Lösung wissenschaftlicher Fragen beizutragen. Sie soll zu neuen wissenschaftlichen Erkenntnissen führen."17

Hat zu Guttenberg nur einzelne Zeilen oder ganze Passagen abgeschrieben oder abschreiben lassen?18 Ob seine gesamte Dissertation ein Plagiat ist oder nur Teile davon - werden nicht die Politiker und Redakteure entscheiden. An seinem ordentlichen Promotionsverfahren war nicht er alleine beteiligt: Es gab einen Doktorvater und Prüfer, die neben der Doktorarbeit seine Gesamtleistung auch im Kolloquium, der Disputation oder dem Rigorosum bewerteten. Es hat den Anschein, dass diese üblichen akademischen Verfahren, Regeln und Usancen derzeit im Freund-Feind-Schema der medialen Realität19 untergehen und unbeachtet bleiben. Für seine akademischen Lehrer und Guttenberg selbst ist ein Strahlemann-Comeback in Bayreuth jedoch schwer denkbar.

Franco Rota

 

1 Vgl. Zeit.de: „Guttenberg legt Doktortitel vorübergehend nieder“, auf http://www.zeit.de/politik/deutschland/2011-02/merkel-guttenberg-plagiate-2, Zugriff am 18.02.2011.
2 „Durch viele Zitate vermehrt man seinen Anspruch auf Gelehrsamkeit, vermindert den auf Originalität, und was ist Gelehrsamkeit gegen Originalität? Man soll Zitate also nur gebrauchen, wo man Autorität wirklich bedarf“ (Arthur Schopenhauer, deutscher Philosoph); auf http://www.zitate-welt.de/zitate; Zitat. 31; Zugriff am 19.02.2011
3 Ausgeschrieben: Süddeutsche Zeitung (SZ); eine der großen deutschen Tageszeitungen, Auflage ca. 420.000 Exemplaren täglich; erscheint in München; vgl. hierzu z.B. Noelle-Neumann, Elisabeth; Schulz, Winfried; Wilke, Jürgen (Hrsg.): Fischer Lexikon. Publizistik Massenkommunikation. Frankfurt 2000.
4 Vgl. Sueddeutsche.de, Roland Preuß / Tanjev Schultz: Guttenberg soll bei Doktorarbeit abgeschrieben haben, auf http://www.sueddeutsche.de/politik/plagiatsvorwurf-gegen-verteidigungsminister-guttenberg-soll-bei-doktorarbeit-abgeschrieben-haben-1.1060774, INTERAKTIV-Fenster, Zugriff am 18.02.2011.
5 Vgl. Spiegel.de, „Eher ein Scheinheiliger als ein Heiliger“, auf http://www.spiegel.de/politik/deutschland/0,1518,746397,00.html, Zugriff am 18.02.2011.
6 Der Begriff Politische Couleur (Farbe) geht auf die Farben burschenschaftlicher Trachten (Studenten- und Schülerverbindungen) im 19. Jahrhundert zurück, die sich durch das Tragen unterschiedlicher Farben voneinander unterschieden. Nach und nach wurde der Begriff Couleur auf die politische und gesellschaftliche Gruppierungen übertragen. Hierzu, z.B. : Norbert Elias: Die satisfaktionsfähige Gesellschaft. In: Norbert Elias: Studien über die Deutschen. Machtkämpfe und Habitusentwicklung im 19. und 20. Jahrhundert. Hrsg. Michael Schröter, 4. Auflage. Suhrkamp, Frankfurt am Main 1990, S. 61–158.
7 Die Unschuldvermutung gilt immer während eines öffentlichen Strafverfahrens, bei der ein jeder solange als unschuldig gilt, bis seine Schuld gemäß dem Gesetz nachgewiesen ist. Wenn wir (als Richter) keine restliche Zweifel an der rechtmäßigen Schuld eines Angeklagten haben, gilt auch der Grundsatz ‚In dubio pro reo’ nicht mehr; vgl. Hanns Engelhardt in: Karlsruher Kommentar zur Strafprozessordnung, neu bearbeitete 6. Auflage, München 2008, § 261 Rz. 56–63.
8 Vgl. Frankfurter Allgemeine (FazNet.de), „Übersetzt, gelöscht, vertuscht“, auf http://www.faz.net/s/RubFC06D389EE76479E9E76425072B196C3/Doc~E9C772E6E4B93477D9B1C5768BCD983D0~ATpl~Ecommon~Scontent.html, Zugriff am 18.02.2011.
9 Angaben auf http://www.amazon.de; Autorensuche Bücher: Guttenberg.
10 Gewichtsangabe: eigene Schätzung des Autors.
11 Vgl. http://de.guttenplag.wikia.com/wiki/GuttenPlag_Wiki, Zugriff am 18.02.2011
12 Vgl. Karl-Michael Schneider: Einführung in die Pragmatik, Skript Literaturwissenschaft, Vorläufige Fassung, Universität Passau, Passau 2001, S. 69 ff
13 Philosophisch gesehen gibt es gesichertes Wissen nicht; auch der Spruch:„Ich weiß, dass ich nichts weiß“, ist unsicher, denn es hat ihn wohl Platon aufgeschrieben, aber der behauptet, es sei Sokrates gewesen, der das gesagt hat… Trotzdem: Gesichertes Wissen sind jene Erkenntnisse und Annahmen in einer Disziplin, die von Fachvertretern nicht mehr angezweifelt und damit als Gemeinplätze oder Grundlagen vorausgesetzt werden.
14 Vgl. z.B. Harald Jele: Wissenschaftliches Arbeiten: Zitieren. 3. Auflage. R. Oldenbourg Verlag, München 2010
15 Die Form des Zitatnachweises selbst ist/war noch bis bis vor zwei Jahrzehnten und von Universität zu Universität unterschiedlich geregelt. An der Ludwig-Maximilians-Universität zu München war z.B. die Art des Harvard-Zitierens in der Philosophischen Fakultät sehr verpönt bis nicht erlaubt. Erst ab Anfang der 90er Jahre wurde diese gebräuchlich und geduldet; vgl. Franco Rota/Claudia Hoffmann: Studientips politische Wissenschaft, 3. Auflage, tuduv/utz-Verlag, München 1993
16 Promotionsordnung der Juristischen Fakultät der Universität Tübingen, § 8, Abs.1, S.4, Universität Tübingen 1987; http://www.jura.uni-tübingen.de/studium; Zugriff am 19.02.2011
17 Promotionsordnung für die Rechts- und Wirtschaftswissenschaftliche Fakultät der Universität Bayreuth, § 7, Abs.1, S.6; Nichtamtliche Fassung des Dekanats 2007; http://www.rw.uni-bayreuth.de; Zugriff am 19.02.2011
18 Vgl. z.B. http://ghostwriting-dissertation.acad-write.com/
19 ….ach ja, das ist Luhmann…

Kommentare geben nicht die offizielle Haltung der Hochschule wieder, sondern nur die Meinung oder Einschätzung des kennzeichnenden Autors. Im Falle der HdM-Website sollen sie außerdem zur Diskussion über ein aktuelles Medienthema im Zeitgeschehen anregen

VERÖFFENTLICHT AM

21. Februar 2011

ARCHIV

Medienwelt
WAS DENKEN SIE DARÜBER?


Wolfgang Kuhnle

am 01.03.2011 um 18:56 Uhr

Bzgl. dem Kommentar von Falk (Würdigung der PR-Arbeit von KTG & Presse, allen voran die BILD) kann ich nur entgegnen: Wenn gute PR-Arbeit auszeichnet, immer nur soviel zuzugeben, wie gerade presseöffentlich geworden ist. Wenn es im Sinne eines professionellen PR-Auftrittes ist, Oppositionspolitiker in bornierter Art und Weise mit juristischen Schritten indirekt zu drohen. Wenn es Lehrbüchern der PR entspricht, Anstand und Ehrlichkeit (pseudohaft) zu verkörpdern und im dunklen Zimmerchen in "mühevoller Kleinarbeit" am Gegenteil zu arbeiten. Wenn es zutrifft, dass gute PR-Arbeit nur durch herumschlawenzeln bei den Kai Diekmanns dieser Welt erfolgreich ist (...) Dann suche ich mir besser einen anderen Job. Viele Grüße, Wolfgang Kuhnle

Prof. Ulrich Huse

am 01.03.2011 um 12:22 Uhr

Lieber Herr Dr. Rota, erst heute habe ich die Beiträge zu Ihrem Kommentar gelesen und sehe mich veranlasst, einen eigenen hinzuzufügen. Ich konzentriere mich dabei auf zwei noch nicht weiter thematisierte Punkte: 1. Was mir an Ihrem Text nicht gefällt, ist die Form: Mit der Überfülle von teils überflüssigen Fußnoten machen Sie sich auf der formalen Ebene letztlich über das lustig, was Sie auf der Textebene zu verteidigen scheinen: die wissenschaftliche Nachweispflicht von wörtlich oder sinngemäß übernommenen Zitaten. Diesen (sicherlich/hoffentlich) nicht intendierten Eindruck sollten Sie in Ihrer Funktion als Prorektor einer wissenschaftlichen Hochschule vermeiden – auch im „Eifer des Gefechts“... 2. Ich halte es für keinen guten Stil, dass Sie einen Kollegen, der sachlich auf „ein paar falsche Zungenschläge“ (Burkard Michel) in Ihrem Text hinweist und die inkriminierte Dissertation von KTG als das bezeichnet, was sie augenscheinlich ist, ein Plagiat nämlich, als „Plagiat-Großinquisitor“ schmähen. Der Begriff des „Inquisitors“ ist so negativ konnotiert, das ich ihn in diesem Zusammenhang als höchst unangemessen und fast schon beleidigend empfinde. Vielleicht ist die neuerliche Debatte (über einen Kommentar von Ihnen) aber auch ein Beleg dafür, dass diese Form – Sie selber nutzen an einer Stelle den Begriff der Glosse – nicht auf die offizielle Website einer/unserer Hochschule gehört: Für Polemik ist das nicht der richtige Ort.

Gottfried Ohnmacht-Neugebauer

am 28.02.2011 um 11:57 Uhr

Professor Dr. BERND ENGLER, Rektor der Universität Tübingen, nimmt zu der Affaire Guttenberg wie folgt Stellung: "...das höchste Gut der Wissenschaft ist Redlichkeit. Wissenschaft dient der Suche nach Wahrheit, sie ist dem Streben nach die Menschheit weiterbringenden Erkenntnissen verpflichtet. Doch ohne wissenschaftlich korrektes Arbeiten, ohne den jeweils exakten Nachweis, wie man zu welchen Schlussfolgerungen gekommen ist, kann es keinen Erkenntnisgewinn geben, auf den die Menschen sich verlassen und auf den sie bauen können. Deshalb trifft es die Wissenschaft ins Mark, wenn Quellen nicht sauber angegeben, wenn aus nicht nachvollziehbaren Quellen abgeschrieben wird und diese mit eigenen Gedanken lediglich zu einer Collage zusammengestellt werden. So etwas nennt man – wie keiner der im Hochschulbereich Arbeitenden guten Gewissens bestreiten dürfte – wissenschaftliches Fehlverhalten, und das war und ist nicht tolerierbar; ganz gleich, ob es sich dabei um einen Studenten, einen Doktoranden oder einen Professor handelt. ..." so im Newsletter der Eberhard Karls Universität Tübingen vom 28.02.2011 (Fundstelle: http://www.uni-tuebingen.de/aktuelles/newsletter-uni-tuebingen-aktuell/2011/1/index.html Download: 28.02.2011) Weniger eindeutige Stellungsnahmen scheinen mir wenig zielführend.

Harald Steffen

am 25.02.2011 um 08:55 Uhr

Sehr geehrter Herr Prof. Rota, sehr geehrte Leser der Kommentarseite, ein sehr konstruktiver Artikel. Mir gefällt hierbei besonders die wissenschaftliche, technische Sichtweise. Sicherlich mögen die Diskussionen, vor allem in der Presse und der Bevölkerung sehr emotional belastet geführt werden. Sicherlich wird sich das Image in diesem Fall rasch verändern, wenn es nicht bereits geschehen ist. Wir sollten jedoch hier den rein technischen Aspekt beachten und dabei empfinde ich es erschreckend was honorigen Wissenschaftlern verborgen blieb. Verantwortliche zu suchen, und sicherlich auch zu finden ist dabei sekundär, Präventionen empfinde ich zielführender. Die Qualität einer (ausbildenden) Hochschule wird von aussen dokumentiert und und wahrgenommen und nicht von eilends ex Post verfassten Statements, wie in diesem Fall geschehen. Harald Steffen

Rota

am 23.02.2011 um 12:34 Uhr

Liebe Beseeler der HdM-Website, zuvorderst Herr Michel nebst Herrn Ebert, ich freue mich aufrichtig, dass genau diese Arten von Kommentaren oder Glossen zur Diskussion auf unserer Webiste führen und sie beseelen, mehr davon... KTG ist ein Plagiator, das steht mittlerweile außer Zweifel und sehe ich genau so. Dem Stand (Sonntagmittag) meiner Recherchen nach, lagen die Plagiatsfundstellen -auch auf GuttenPlag - eben bei rund 80. Und die Ereignisse in den Medien und die Fundstellen haben sich danach ja überschlagen bzw. potenziert. Nur: rein rechtlich ist es tatsächlich ein akademisches Verfahren, KTG den Grad abzuerkennen. Hier sei das Interview mit dem Wissenschaftsrechtler Löwer auf Spiegel-Online empfohlen: http://www.spiegel.de/unispiegel/studium/0,1518,747049,00.html. Und Herrn Michel als Plagiat-Großinquisitor sei empfohlen: lesen Sie bitte das Schopenhauerzitat, wette, dass Sie dabei schmunzeln... Die politische Frage ist tatsächlich eine andere. Und auch hier gebe ich Ihnen beiden recht, noch mehr recht als Recht jedoch Herrn Ebert: die journalistische Vorverurteilung zum damaligen Zeitpunkt war offensichtlich. Anregung: Hatte eigentlich Alice Schwarzers BILD-Berichterstattung zu Kachelmann als Kommentar überlegt, auch das ist ein schönes Thema, das gerade im anderen Gedöns untergeht. Wie wär's mit einem Kommentar oder einer Glosse dazu?

Falk Ebert

am 22.02.2011 um 19:52 Uhr

Sehr geehrter Herr Professor Dr. Rota, zunächst einmal: Sie haben mit allem, was Sie in Ihrem Kommentar schreiben, Recht und es ist darüber hinaus sicherlich kein Fehler, in einem funktionierenden Rechtsstaat mit einem lebendigem akademischen Betrieb die akademische oder juristische Prüfung und Bewertung der Dissertation entsprechenden Profis zu überlassen. Es ist vermutlich ebenso sachdienlich, die unausweichliche journalistische Vorverurteilung zumindest ein wenig zu bremsen. Auch mit Blick auf die Anmerkungen Ihres Kollegen und der Berichterstattung in FAZ und ZEIT drängt sich mir jedoch die Frage auf, ob es zum derzeitigen Zeitpunkt nicht angebracht ist, zumindest von einer "an Sicherheit grenzenden Wahrscheinlichkeit" (wie sich der Atheist zur Existenz Gottes für gewöhnlich äußert) zu sprechen, wenn es um die Frage geht, ob die Dissertation ein verdammt dreistes Plagiat ist! Es sei an dieser Stelle, auch ohne Fußnote, angemerkt, das es aus meiner Sicht äußerst beachtlich ist, was innerhalb weniger Tage im Crowdsourcing-Verfahren mit Hilfe eines Wikis zusammengetragen wurde, obwohl es – Sie haben das angemerkt – dem Doktorvater und den Prüfern scheinbar über Jahre hinweg entgangen ist. Falls die Frage nach der "an Sicherheit grenzenden Wahrscheinlichkeit" zu bejahen ist, wovon ich persönlich ausgehe, erscheint mir Ihr Appell, zumindest aus meiner Perspektive als Echtzeit-Internet-Freak, jedoch anachronistisch. Dann müssten nämlich vorrangig andere Fragen erörtert werden. Beispielsweise die Frage, ob Herr Guttenberg noch als Minister tragbar ist, falls das Ergebnis der Prüfung durch die Uni Bayreuth zu einem ebenso vernichtenden Urteil kommt wie [nach Michel, 2011] jeder Zweitklässler, der Lesen kann. Aus der professionellen Perspektive der Public Relations kann man die PR-Strategie von Guttenberg und seinen Freunden, die er [Achtung: Unterstellung; nicht-wissenschaftlich] in der einen oder anderen Redaktion hat, in dieser Krise natürlich nur würdigen. Genauso wie das Auftreten des Ministers generell. Sehr bedauerlich, dass die entsprechende Vorlesung bei Ihnen für unser Semester schon vorbei ist. Es hätte mich sehr gefreut, die Causa Guttenberg in der "aktuellen Runde" in PR zu diskutieren! Viele Grüße, Falk Ebert

Prof. Dr. Burkard Michel

am 22.02.2011 um 15:22 Uhr

Der obenstehende Beitrag enthält für meinen Geschmack ein paar falsche Zungenschläge: Spätestens seit Ende letzter Woche ging es nicht mehr um die Frage, „ob er es getan hat oder nicht“ – es ist unmittelbar evident, dass er es getan hat und zwar in einer Weise, die sprachlos macht. Tendenziös im oben stehenden Beitrag ist die Behauptung, je „ nach politischer Couleur (…) neig(t)en wir zur Unschuldsvermutung oder (Vor-)Verurteilung.“ Diejenigen, die angesichts der durch das Blog „GuttenPlag“ aufgedeckten Masse an Plünderung fremden geistigen Eigentums nicht mehr an Unschuld glauben können, neigen deswegen – übrigens unabhängig von ihrer politischen Couleur – nicht zu einer „Vor-Verurteilung“, sondern kommen zu einer sehr nüchternen Betrachtung von Fakten, die zu leugnen – fast hätte ich geschrieben: „abstrus“ wäre. Dies ist eine Be-Urteilung und keine „Vor-Verurteilung“. Weiter teile ich auch nicht die oben geäußerte Auffassung, dass andere als „Politiker und Redakteure“ zu entscheiden hätten, „ob seine gesamte Dissertation ein Plagiat ist oder nur Teile davon“. Man muss weder Jurist noch Professor sein, um beurteilen zu können, ob zwei Textbausteine identisch sind oder nicht – dazu genügen elementare Lesekenntnisse wie sie jeder Zweitklässler aufbieten kann. Berechtigt, wenn nicht sogar verpflichtet dies zu beurteilen ist eine kritische Öffentlichkeit allemal – zumal, wenn jemand sich so sehr auf Werte wie „Anstand“ und „Glaubwürdigkeit“ beruft wie KTzG. Zwei Fußnoten am Rande: 1. In schöner Deutlichkeit setzt sich die – politischer Voreingenommenheit wohl unverdächtige – FAZ mit sog. „Argumenten“ auseinander, die zu KTzG´s Entlastung ins Felde geführt werden: http://www.faz.net/s/Rub117C535CDF414415BB243B181B8B60AE/Doc~EFD4E1E1A128C4A388760CEE978C4A7A1~ATpl~Ecommon~Scontent.html 2. Laut Ministerpräsident Mappus soll KTzG auch Wahlkampfauftritte in Baden-Württemberg absolvieren – ich schlage vor mit den Universitätsstädten Heidelberg, Tübingen und Freiburg zu beginnen.

Verstanden

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