DE

| EN

Studieren. Wissen. Machen.

Hochschule der Medien

Kritik an ARD und ZDF

"Stimmungsmache" und "unmodern"

Themendoppelungen, Verschleiß und Stimmungsmache: Der ARD-Programmbeirat lässt an seinen Talkshows kein gutes Haar. Auch das ZDF muss in einer Studie viel Kritik einstecken. Medien und Zuschauer üben sich im Öffentlich-Rechtlichen-TV-Bashing.

Logos: © ARD, ZDF

Logos: © ARD, ZDF

Sechs mal war Heiner Geißler zu Gast in Talkshows der ARD - und das allein im Zeitraum von September 2011 bis April 2012. Damit ist er Rekordhalter in der Angelegenheit Gästedoppelungen im Ersten. Mit fünf Auftritten waren unter anderem Ursula von der Leyen, Karl Lauterbach und Sahra Wagenknecht häufige Talkgäste - eine Art Tournee der immer gleichen Präsenten. Insgesamt sind 38 von allen Gästen im entsprechenden Zeitraum mindestens dreimal aufgetreten, 14 davon mindestens viermal. Die Informationen aus dem brisanten Schreiben des ARD-Programmbeirats waren öffentlich geworden, nachdem der Spiegel darüber berichtet hatte.

"Querdenker" gesucht

Anne Wills Sendungen hätten häufig "wenig Erkenntnisgewinn", "Hart aber Fair" von Frank Plasberg sei mit der Zeit zu soft geworden und Sandra Maischberger "sollte bei der Auswahl skurriler Gäste darauf achten, keine öffentlich-rechtlichen Grenzen zu überschreiten". Die härteste Kritik musste allerdings Neu-Talker Günther Jauch einstecken. Von angeblicher "Stimmungsmache" ist in dem internen Papier die Rede, außerdem nehme er in seinen Fragen oft schon die "Antworten vorweg" und diskutiere selten ergebnisoffen. In der Kritik standen allerdings nicht nur die Gastgeber und die Doppelungen der Gäste, sondern auch die Auswahl der Gesprächspersonen. Etwa 40 Prozent seien Journalisten und Politiker und 90 Prozent der Gäste über 40 Jahre alt gewesen. Die Verantwortlichen forderten nach Spiegel-Informationen dazu auf, die Talkangebote zu reduzieren. Außerdem sollten die Sendungsmacher "aktiv nach neuen Gesichtern suchen, nach Querdenkern".

Peinliche Imagestudie

Auch das ZDF muss sich in diesen Tagen viel Kritik gefallen lassen. Eine selbst in Auftrag gegebene Umfrage beim jüngeren Publikum sowie unter den Stammsehern, die im Durchschnitt deutlich älter sind, ergab, dass das Programm mitnichten ein Familiensender ist. Selbst 50-Jährige fühlen sich vom Senderprofil "weitestgehend ausgeschlossen". Orientiert sich der Sender weiter an der Gesamtquote, stirbt das Publikum langsam weg. Daran können auch beliebte Fernsehgesichter wie Markus Lanz und Jörg Pilawa nichts ändern. Die Informationssendungen sind "zu weit weg vom Zuschauer", die fiktionalen Programme werden als "nicht modern genug" wahrgenommen. Positiv bewertet werden lediglich die "heute-show", die von Oliver Welke moderiert wird, das Doku-Format "Terra-X" und das ZDF-Highlight "Fernsehgarten". Peinlich ist die Studie vor allem auch deshalb, weil sie nicht für die Öffentlichkeit bestimmt war. Das Nachrichtenmagazin "der Spiegel" berichtet dennoch in der aktuellen Ausgabe darüber. Wie das Blatt an die Daten gelangen konnte, ist unklar.

"Usedomina" im "Insel-Irrsinn"

Damit nicht genug: Auch an der EM-Berichterstattung des Senders lassen Medien landauf, landab kein gutes Haar. Im Gegensatz zum Schwesterprogramm ARD sendet das ZDF nicht aus den EM-Stadien, sondern von der Insel Usedom. Dort moderieren Katrin Müller-Hohenstein (in Fachkreisen auch KMH genannt) und Oliver Kahn jeden zweiten Spieltag. Eine unglückliche Gesamtkonstellation: Die schwimmende Bühne verursacht unruhige Kamerafahrten, die den Zuschauer schwindeln lassen, Kathrin Müller Hohenstein leistet sich fachliche Patzer, spricht etwa von "Mario Klose" und Oliver Kahn ist eben Oliver Kahn. Und so wird die Sendung nun als "Insel-Irrsinn" (Express), Usedom als "Insel auf der der Verstand Urlaub macht (TZ) und das Gelände um die Bühne als "eine Art AOK-Kongress" (Sueddeutsche) bezeichnet. Oli Kahn, "der König der Möwen" (Express), wirkt als Experte hölzern und wird von den Meisten nicht ernst genommen. Noch ärmer dran ist da nur Frau Müller-Hohenstein: Das Image als "Usedomina", wie sie von der Netzgemeinde auf Grund eines Lederoutfits genannt wird, wird sie wohl so schnell nicht mehr los.

Auf Kosten des Zuschauers

Fast ist man geneigt ein wenig Mitleid zu empfinden, ob all der Häme mit der sich Medien und Publikum derzeit über die öffentlich-rechtlichen Sender äußern. Das hält aber nur so lange an, bis man sich wieder vor Augen führt, dass all die schlechten Sendungen aus Gebührengeldern finanziert werden. Jene Gebührengelder, die zu Beginn des nächsten Jahres in Haushaltsabgaben umgewandelt werden, um auch in Zukunft eine ausreichende Finanzierung zu sichern. Vor diesem Hintergrund kann die Kritik nicht laut genug sein.

Corinna Kübler

,

Christina Walzner

Quellen: "Stimmungsmache" und "unmodern"

www.meedia.de
www.spiegel.de
www.welt.de

VERÖFFENTLICHT AM

20. Juni 2012

ARCHIV

Medienwelt
WAS DENKEN SIE DARÜBER?


Alexander Walther

am 24.06.2012 um 16:45 Uhr

Also ich mag das ZDF. Es besteht ja mittlerweile nicht mehr nur aus dem Hauptprogramm, sondern auch aus seinen Ablegern. Das Gebührenbashing geht mir jedenfalls auf den Keks. Man greift sich scheinbar wahllos Sendungen raus, die man nicht gerne im Programm hätte und unterstellt dem Sender damit Gebührenverschwendung. Denn wer hätte es gedacht: Ein Sender, der nicht 24 Stunden das sendet, was man sehen will. Wobei, eigentlich schon: Die Mediathek von ARD und ZDF kommt dem Anspruch eines 24-Stunden-Lieblings-Programm sehr entgegen. Ich hätte mich gefreut, wenn dieser Artikel nicht nur das beste anderer Artikel zusammenfasst, sondern die Bewertung kritisch hinterfragt. PS: Ist das eine ernst gemeinte Quellenangabe?

Verstanden

Diese Website verwendet Cookies. Durch die Nutzung dieser Website erklären Sie sich damit einverstanden, dass Cookies gesetzt werden. Mehr erfahren