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Hochschule der Medien

Harald Schmidt

Ende einer großen TV-Marke

Tatsächlich war es dann doch soweit: Nach 19 Jahren verbiss sich Harald Schmidt, der König der deutschen Late-Night-Shows, für seine Zuschauer ein letztes Mal verschmitzt-ironisch in den Zeitläuften. Standing Ovations der Studiogäste verabschiedeten den Großmeister der Abendmoderatoren, der jetzt seine Fernsehkarriere beenden will.

Kritiker sind sich uneinig, ob Harald Schmidt wirklich seine TV-Karriere beendet.

Kritiker sind sich uneinig, ob Harald Schmidt wirklich seine TV-Karriere beendet.

Fast 19 Jahre lang lief seine "Harald Schmidt Show", Fotos: Sky Deutschland.

Fast 19 Jahre lang lief seine "Harald Schmidt Show", Fotos: Sky Deutschland.

Was man an jemandem hat, merkt man oft erst, wenn er weg ist: Ein Satz, der auch auf Harald Schmidt zutrifft. Wenn er diesem Donnerstagabend nach fast zwei Jahrzehnten die TV-Bühnen vielleicht für immer verlassen hat, wird uns tatsächlich etwas im Fernsehen fehlen: Er war das deutsche Pendant zu US-Moderatoren wie David Letterman oder Jay Leno, die mit ihren Late-Night-Shows Millionen Menschen begeistern konnten. Er war einer, der hervorstach, mit seinen ironischen, zynischen und teilweise makabren, aber immer die Zeitläufe kommentierenden Sprüchen, die häufig Tabus brachen.

In über 1700 Folgen konnten die Zuschauer seit der ersten Ausstrahlung seiner „Harald Schmidt Show" am 5. Dezember 1995 mit ihm und über ihn lachen, staunen und durchaus einiges lernen. Langweilig wurde es nie mit ihm. Für Abwechslung sorgte Schmidt mit seiner spontan wirkenden Stand-up-Comedy und selbstverständlich auch durch die Interaktion mit seinen Gästen und Mitarbeitern, speziell seinem Sidekick Manuel Andrack.

Zu Gast bei Schmidt

Vor seinem Schreibtisch saßen schon viele. Da waren internationale Stars wie Schauspieler Pierce Brosnan, Baywatch-Nixe Pamela Anderson oder Basketballer Dennis Rodman genauso wie nationale Promis, darunter die Politiker Gregor Gysi und Guido Westerwell oder Entertainer wie Helge Schneider oder auch Moderator Kai Pflaume oder Schlagerstar Udo Jürgens. Manche kamen auch häufiger zu ihm, zum Beispiel Verona Feldbusch.

Doch auch Kollegen aus seiner eigenen Zunft waren in seiner Show zu Gast: Anke Engelke, Oliver Pocher oder Dirk Bach. Mit Oliver Pocher hat Harald Schmidt fast zwei Jahre zusammengearbeitet. Zwischen Oktober 2007 und April 2009 konnten sich beide in der Late-Night-Show „Schmidt & Pocher" im Ersten austoben. Durchschnittlich etwa 1,5 Millionen Zuschauer sahen jede Sendung. Für Schmidt war dies kein übermäßiger Erfolg.

Vom „Dirty Harry" zum Bildungsbürger

Seine besten Jahre hatte Schmidt von 1995 bis 2003, als seine „Harald Schmidt Show" bei Sat.1. gezeigt wurde. Mit seinen politisch inkorrekten Sprüchen und seiner herrlich selbstironischen Art wurde er unter seinem Spitznamen "Dirty Harry" zu einer eigenen TV-Marke. Er nahm kein Blatt vor den Mund, egal, ob es um Frauen, Männer, Politik oder die Eigenheiten von anderen Ländern ging. Selbst als er später bildungsbürgerliche Attitüden entwickelte, blieb er der drastischen, immer pointierten Schwarz-Weiß-Malerei treu.

Jeden Monat wählte er einen Prominenten zum „Liebling des Monats". Ein Foto des Auserwählten stand dann auf seinem Schreibtisch und diente Schmidt als Witzvorlage. Auch hier war das Repertoire breit und reichte von Tagesschau-Sprecherin Susan Stahnke über den ehemaligen FC-Bayern-Trainer Giovanni Trapattoni bis hin zu Petrus, dem Land Österreich oder zum Rindfleisch.

Heute kostenlos auf YouTube

Ende 2003 legte er eine kreative Pause ein, kehrte ein Jahr später aber im Ersten mit seiner Show zurück. Das Comeback auf Sat.1 erfolgte erst im September 2011. Die Quotenerfolge von einst stellten sich aber nicht mehr ein, auch nicht nach dem Wechsel zum Pay-TV-Sender Sky, doch auch einer der größten Entertainer Deutschlands weiß, wann es Zeit ist, zu gehen. Die letzte Folge von der „Harald Schmidt Show" läuft heute, am 13. März 2014, um 22.15 Uhr auf Sky Hits HD und parallel gratis auf dem YouTube-Kanal von Sky: https://www.youtube.com/Skyde

Quellen:
www.meedia.de
www.spiegel.de
www.dwdl.de
www.wikipedia.de
www.faz.net
www.sat1.de

Franziska Böhl

VERÖFFENTLICHT AM

13. März 2014

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