DE

| EN

Studieren. Wissen. Machen.

Hochschule der Medien

Interview

Wie entwickle ich eine App?

Apps werden von Jahr zu Jahr beliebter. Sie werden inzwischen für jede erdenkliche Lebenslage verwendet. An der HdM kann man in verschiedenen Studiengängen lernen, wie man selbst Apps für den Markt entwickelt.

Pascal Adam ist Student im HdM-Masterstudiengang Computer Science and Media. In seinem Studium analysiert und entwickelt er auch Apps. Mit Kommilitonen hat er beispielsweise für einen großen, ansässigen Automobilhersteller einen Prototyp einer App entwickelt. Wie die Entwicklung einer App abläuft und was man alles dabei berücksichtigen muss, hat er im Interview verraten.

Pascal Adam studiert an der HdM Computer Science and Media (M.Sc.). Quelle: privat
HdM: Pascal, wie stelle ich mir die ersten Schritte bei der Entwicklung einer App vor?

Pascal Adam: Das Entwickeln einer App ist Teamwork. Es braucht Spezialisten auf ihren Gebieten, also Programmierer, Designer oder Konzepter. In einem Konzept wird festgelegt, wer die Zielgruppe ist und was die App genau können muss. Du solltest also die Konkurrenz und den Markt kennen. Auch solltest du dich fragen, wie dein Geschäftsmodell aussieht, und ob du mit der App Geld verdienen möchtest.
Technische Fragen müssen ebenfalls geklärt werden. Ein Aspekt ist die Auswahl der Gerätekomponenten. Möchte ich beispielsweise Sensoren oder die Kamera einsetzen? Weitere Fragen wären: Müssen User-Daten auf einem Server gespeichert werden? Auf welchen Plattformen (Anm.d.R.: Android, iOS, Mac OS X und Windows) soll die App am Ende laufen und welche Versionen werden unterstützt?

In in dem Konzept stehen auch gestalterische Überlegungen. Das heißt vom Icon bis zum Logo muss alles durchdacht sein. Wie sieht die Navigation aus und was ist auf welchem Screen später zu sehen? Es muss ein stimmiges Gesamtbild entstehen, das charakteristisch für deine App ist. Am Ende müssen diese Ideen gestalterisch umgesetzt und programmiert werden. Oft wird eine App, besonders bei kleinen Teams, zuerst nur für eine Plattform, häufig für IOS, umgesetzt. In großen Teams kann das aber auch zeitgleich für Android, iOS und Windows passieren.

An der HdM kann man Studiengänge belegen, in denen man lernt Apps selbst zu entwickeln. Foto: HdM

HdM: Und wie geht es dann weiter?

Sobald die Beta-Version steht, kann mit dem Testen begonnen werden. Läuft die App flüssig und stürzt sie nicht ab? Es sollten möglichst verschiedene Geräte und Betriebssystemversionen zum Testen ausgewählt werden, um später keine Überraschungen zu erleben. Du willst natürlich auch, dass sich die User in deiner App gut zurecht finden und von ihr begeistert sind. Du kannst einen Usability-Test durchführen mit Testpersonen, die du befragst, was gut ist und was verbessert werden sollte.
Wenn es keine offenen Fragen mehr gibt, kann die App im App-Store veröffentlicht werden. Bei Apple muss man dafür Zeit einplanen, weil der Review-Prozess länger braucht. Die schauen persönlich, ob die App funktioniert und mit den Development-Guidelines von Apple übereinstimmt. Auch Microsoft prüft die App in einem Zertifizierungsprozess. Die Android-App ist nach einem automatisierten Test schon recht schnell bei Google Play vertreten.
Damit ist schon ein großer Schritt getan. Die App muss dann aber gewartet werden, braucht Updates für neue Betriebssystemversionen und neue Funktionen sollten für die User entwickelt werden. Die Kommentare und Meinungen der User müssen beachtet werden und es muss schnell reagiert werden, wenn die App nicht funktioniert.

HdM: Worauf muss ich bei den verschiedenen Plattformen achten?

Pascal Adam: Es gibt verschiedene Programmiersprachen und integrierte Entwicklungsumgebungen. Es sind also verschiedene Programme, in denen die App programmiert wird.
Es gibt auch Hybridansätze, mit denen eine App gleichzeitig für alle Plattformen entwickelt wird. Das hat aber durchaus auch seine Nachteile, vor allem wenn das Projekt groß und komplex wird, wie zum Beispiel bei einer Fitness-App.

Zur Detailansicht
GPS zeigt dem Nutzer die gerannte Strecke. Foto: Screenshot Runtastic
HdM: Welche konkreten Gerätekomponenten kann man bei der Entwicklung einer Fitness-App miteinbeziehen?

Pascal Adam: Auf jeden Fall das GPS, damit dir gezeigt wird, wie schnell du pro Kilometer warst und welche Strecke du gelaufen bist. Das wäre eine Hauptfunktion einer Fitness-App. Du kannst auch einen Beschleunigungssensor miteinbeziehen, wenn du wissen willst, wie schnell du dich bewegst. Vielleicht soll die App auch dein Lieblingslied abspielen, wenn du ein wenig langsamer läufst, um dich zu motivieren. Dazu brauchst du den Zugriff auf den Geräte-Speicher. Wenn der Nutzer seinen Freunden bei Facebook ein Foto von sich, verschwitzt nach dem Training, zeigen möchte, müsstest du natürlich auch die Kamera beachten und eine Verbindung zu Facebook entwickeln. Bei der bereits vorhandenen App Runtastic kannst du einen Brustgurt anlegen und diesen mit der App verbinden, um deine Herzfrequenz zu messen. Für so etwas benötigst du zum Beispiel eine Bluetooth Verbindung.

HdM: Wie geht es deiner Meinung nach weiter mit den Fitness-Apps?

Pascal Adam: Ich glaube, wir werden gerade in dem Bereich noch einige Innovationen sehen, denn die Nachfrage ist sehr groß. Die Smartwatch (Anm.d.R.: Armbanduhr mit Internetzugriff) wird sicher ein großes Thema. Das Smartphone zum Sport mitzunehmen ist umständlich. Da ist eine Uhr schon viel besser, denn sie ist leichter zu tragen, oft robuster und speziell für Sport ausgelegt.
Grundsätzlich denke ich auch, dass sich Apps durchsetzen werden, die einfach zu bedienen sind und zuverlässig funktionieren. Bei Runtastic stört mich es zum Beispiel, dass das GPS manchmal nicht einsetzt, wenn du anfängst zu rennen.

HdM: Vielen Dank.

Ann-Katrin Wieland

VERÖFFENTLICHT AM

20. Juli 2014

WEITERFÜHRENDE LINKS

Medieninformatik an der HdM

Lesen Sie auch

ARCHIV

Studium
WAS DENKEN SIE DARÜBER?


Verstanden

Diese Website verwendet Cookies. Durch die Nutzung dieser Website erklären Sie sich damit einverstanden, dass Cookies gesetzt werden. Mehr erfahren