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Internet der Dinge

Wenn Maschinen denken

Dank des Internet der Dinge sollen wir in Zukunft noch mehr Zeit für die wirklich wichtigen Dinge des Lebens haben. Doch was ist das Internet der Dinge? Und welche Probleme ergeben sich durch die Vernetzung der Geräte?

Den Computer soll es in wenigen Jahren schon nicht mehr geben, Quelle: pexels.com

Den Computer soll es in wenigen Jahren schon nicht mehr geben, Quelle: pexels.com

Ich sitze vor meinem Computer und gucke neugierig, wo sich mein Paket gerade befindet. "An den Zusteller übergeben" steht dort. Uhrzeit, Ort und später sogar die Wagennummer: Dank des Barcodes auf dem Paketaufkleber sind alle Informationen zu meinem Paket digital abrufbar.

Dabei handelt es sich bei der Paketverfolgung noch um eine relativ simple Anwendung des Internet der Dinge. Bei Amazon organisieren beispielsweise Kiva-Roboter an zehn der fünfzehn US-amerikanischen Standorte den Betrieb: Voll automatisiert befördern die Roboter die Regale mit der Ware zu stationären Verladestationen. Dort stellen die Mitarbeiter Kisten mit der Bestellung zusammen – das System weiß genau, welchen Artikel die Angestellten als nächsten benötigen. Laser, mit denen die Kiva-Roboter ausgestattet sind, verhindern nicht nur das Zusammenstoßen mit anderen herumfahrenden Regalen, denn auf dem Boden angebrachte Barcodes weisen ihnen zudem den Weg für den Bestimmungsort. Über ein drahtloses Netzwerk kommunizieren die Kiva-Roboter miteinander.

Was ist das Internet der Dinge?

Die Barcodes auf dem Paketaufkleber ermöglichen es, dass auch mein Paket kommunizieren kann. Kaum wurde es an den Zusteller übergeben, befindet es sich auf dem Weg zu seiner nächsten Station: dem Verladezentrum. Hier werden der Barcode mit der Identifikationsnummer und meine Adresse automatisch eingelesen und anschließend miteinander "verheiratet" - beide sind für den Rest der Reise miteinander verbunden. Anschließend gelangt mein Paket über sogenannte Wechselbrücken, die aussehen wie riesige Container, mittels eines LKWs zur Zustellbasis. Hier sortieren Mitarbeiter mein Paket, scannen den Barcode und verladen es ins Zustellfahrzeug.

Neugierig wie ich bin, recherchiere ich im Netz, wie diese Maschinenkommunikation im Internet der Dinge weiter funktioniert: Muss bei der Paketverfolgung der Barcode noch von Menschenhand eingescannt und das Paket anschließend verladen werden, agiert das Internet der Dinge gänzlich autonom. Allgemein geht es um den Austausch von Informationen: Gegenstände, die über das Internet verbunden sind, kommunizieren selbständig miteinander – der Mensch als vermittelnde Instanz wird überflüssig. Die Geräte erhalten quasi ein eigenes Leben: Die Systeme sollen sich komplett selbständig steuern. Wie schon bei der Entwicklung der Dampfmaschine, den zunehmenden Einsatz von Elektrizität bei der Fließbandarbeit und der Weiterentwicklung der Mikroelektronik soll auch durch das Internet der Dinge die Effizienz gesteigert werden. Schon jetzt sind Geräte in der Lage, sich auf die Gewohnheiten ihrer Benutzer einzustellen – Routinetätigkeiten erledigen sie zuverlässig alleine.

Drahtlose Gefahren

Im Smart Home beispielsweise, dem Zuhause der Zukunft, kommunizieren zahlreiche Geräte miteinander: Kabellos tauschen Computer und Drucker untereinander Informationen aus, regulieren intelligente Thermostate die Temperatur in Küche und Bad, bestellt der Kühlschrank neue Milch, sobald die alte leer ist. All diese Daten werden in der Cloud gespeichert. Was aber genau mit ihnen geschieht und wer auf die Aktionen Zugriff hat, ist nicht immer sicher. Lernfähige Algorithmen benötigen jedoch die gesendeten Daten, um sich noch besser auf die Bedürfnisse der Anwender einzustellen.

Durch die enormen Datenmengen können nicht nur von mir autorisierte Unternehmen Rückschlüsse auf meine Gewohnheiten ziehen. Auch für Hacker ist der Austausch von Daten in der Cloud ein Paradies. Auf die gespeicherten Fotos, Musik oder Filme kann im Falle einer Sicherheitslücke oder nicht erfolgter Updates leicht zugegriffen werden. So lauern auch im Smart Home Gefahren: Ist beispielsweise das System nicht ausreichend geschützt, können Signale etwa an der Steckdose im Garten oder am Bewegungsmelder an der Eingangstür abgefangen werden. Hat der Hacker einmal das Signal abgefangen, lässt sich das Haus problemlos fremdsteuern – der Besitzer kann nicht mehr eingreifen.

Elektronisches Kinderzimmer

Sogar im Kinderzimmer ist immer häufiger Vorsicht geboten: In den USA vertreibt der Spielzeughersteller Mattel die "Hello Barbie" – eine kleine Puppe voller Elektronik. Mikro, Lautsprecher und WLAN-Sender machen Barbie smart und schnell zur Mitwisserin. Alle Gespräche, die mit "Hello Barbie" geführt werden, werden automatisch an die Firma Toytalk weitergeleitet – sie speichert und analysiert Unterhaltungen zwischen Puppe und Kind. Besorgte Eltern haben zusätzlich die Möglichkeit, sich die Gesprächsprotokolle zukommen zulassen.

Inzwischen fährt mein Paket, wie ich auf meinem PC sehen kann, von der Zustellbasis aus Richtung Stadt: Bis der Zusteller auf seiner Route bei mir Zuhause vorbeikommt, dauert es – gegen 15 Uhr soll das Paket bei mir eintreffen. Als ich um die Ecke in meine Straße einbiege, sehe ich bereits von weitem den gelben Kastenwagen. Ich beeile mich – gerade noch rechtzeig erreiche ich meine Wohnung. Der Postbote wartet bereits. Er scannt den Barcode, hält mir seinen Handscanner unter die Nase und ich unterschreibe. Das Paket gehört nun mir.

Umgeben vom Internet

Das Internet umgibt uns beinahe überall und verändert damit allmählich unser Verhältnis zu den Gegenständen: Smartphone, Fernseher und Fitnessarmbänder sind inzwischen wie selbstverständlich WLAN fähig. Zukunftsvisionäre prognostizieren, dass es den stationären Computer in wenigen Jahren nicht mehr geben wird – die Lücke zwischen realer und virtueller Welt wird immer kleiner.

Klar: Dinge wie die elektronische Paketverfolgung und sich selbst regulierende Thermostate sind praktisch. Dennoch ist bei aller Euphorie auch Vorsicht geboten. Wenn Daten als Ware gehandelt  werden und der gläserne Mensch fast schon normal ist, ist eine umfassende digitale Kompetenz nötig. Die Gesellschaft muss ein Bewusstsein für die umfangreichen Veränderungen erlangen und selbst entscheiden können, was mit ihren Daten geschieht.

Quellen:
sueddeutsche.de
zeit.de
3sat.de
swr.de

Stephanie Frank

VERÖFFENTLICHT AM

28. April 2015

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