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Al Pacino 75

Ein rastloser Exzentriker auf Leinwand und Bühne

Er gilt als einer der größten Schauspieler aller Zeiten. Ob in "Der Pate", "Scarface" oder "Der Duft der Frauen": Al Pacino lebt seine Rollen, spielt authentisch und voller Leidenschaft. Nun wurde er 75 Jahre alt. Ans Aufhören denkt die Hollywood-Legende aber noch lange nicht.

Als der Wettlauf auf den Straßen von Los Angeles sich seinem Höhepunkt nähert, passiert etwas Überraschendes. Plötzlich wird es ruhig, sehr ruhig. Seit Wochen ist Vincent Hanna (Al Pacino) vom L.A. Police Department dem Profiräuber Neil Mc Cauley (Robert de Niro) auf den Fersen. Er verfolgt seine blutige Spur durch den Sumpf der Großstadt, stoppt ihn schließlich auf dem Highway. Was folgt, ist keine Schießerei, kein schneller Schnitt - sondern große Schauspielkunst und eine Szene, wie man sie nur noch selten zu sehen bekommt. Der Cop lädt den Gangster ein, Kaffee im American Diner, Gut und Böse an einem Tisch. Sechs Minuten Dialog, beide offenbaren sich scheinbar, doch zugleich belauern sie sich, drohen sich, etwas liegt in der Luft. Kein Wort ist zu viel, keine Regung Zufall. Zwanzig Jahre ist "Heat" nun alt, doch Bildgewalt und Melancholie des Thrillers faszinieren nach wie vor.  

75 und kein bisschen müde: Al Pacino
Zugleich steht der Film für die Vielseitigkeit des großen Schauspielers Al Pacino. Schon in der nächsten Szene erlebt man ihn wieder laut, fluchend, exzentrisch. Diese großen, extrovertierten Auftritte sind es, mit denen man Pacino als Erstes verbindet. Doch ihn darauf zu reduzieren, wäre falsch. Denn Pacino beherrscht die leisen wie die lauten Töne. Die für ihn typische Theatralik ist niemals Selbstzweck, immer Ausdruck tiefer liegender Motive seiner Figuren. Was seinen Stil ausmacht, ist das bewusste Spiel mit Emotionen, mal zurückhaltend, im richtigen Moment überbordend. Die Leidenschaft, die er dabei vor der Kamera aufbringt, hat viel mit seinen Wurzeln zu tun: Pacino war und ist nicht nur in Hollywood aktiv, sondern auch ein begnadeter Theaterschauspieler.

Seine Mentoren prägten ihn

Alfred James Pacino wird 1940 in Manhattan geboren. Seine Eltern, sizilianische Einwanderer, trennen sich zwei Jahre später. Pacino zieht mit seiner Mutter in die Bronx zu den Großeltern, wächst in Armut auf. Die neue Umgebung prägt, mit 17 schmeißt Pacino die Schule, raucht, trinkt, verlässt sein Zuhause. Seine Faszination für Film und Theater führt in an verschiedene Schauspielschulen. Der Regisseur und Schauspieler Lee Strasberg wird einer der größten Förderer Pacinos. Er bringt dem jungen Italoamerikaner das "Method Acting" näher, eine Methode, durch die Schauspieler mit ihrer Rolle geradezu verschmelzen und so noch authentischer spielen sollen. Als Pacino 2013 die "Goldene Kamera" für sein Lebenswerk erhält, sagt er über seine Lehrer: "Sie haben mich ermutigt, Schauspieler zu werden. Sie haben ein gewisses Talent gesehen und das meiner Mutter gesagt. So bin ich drangeblieben und habe mich in das Kino verliebt."

Die große Karriere begann im Theater

So gefördert geht es von nun an steil bergauf für Pacino. Er bekommt Hauptrollen am Theater, gewinnt erste Preise. 1969 feiert er sein Debüt am Broadway, ein Jahr später folgt die erste große Kinorolle. In "Panik im Needle Park" spielt er einen Heroin-Dealer, dessen Leben aus den Fugen gerät, als er selbst der Droge verfällt. Francis Ford Coppola wird auf den inzwischen 30-jährigen Pacino aufmerksam, gibt ihm die Rolle von Michael, Sohn des legendären "Paten" Vito Corleone. Die Besetzung erfolgt gegen den Willen der Produzenten, die sich damals einen bekannteren Schauspieler wünschen, Jack Nicholson oder Robert Redford. Pacino erscheint ihnen zu weich, zu wenig profiliert. Doch der lässt sich nicht beeindrucken, spielt grandios gegen alle Zweifel an und lässt die Kritiker verstummen. Die Darstellung des unbedarften Studenten Michael Corleone, der sich zum skrupellosen Nachfolger seines Mafiosi-Vaters verwandelt, ebnet Pacino den Weg in eine große Hollywood-Karriere, die nun über vierzig Jahre andauert.

Neue Projekte laufen bereits

Acht Mal war Pacino für den Oscar nominiert, unter anderem für seine Rolle als Tony Montana in "Scarface". Gewonnen hat er ihn nur einmal: 1993 für seine Verkörperung des blinden Lieutenant Colonel Frank Slade in "Der Duft der Frauen". Dass Pacino einst am Theater begann, merkt man seinen Filmrollen an. Ob als Anwalt in "...und Gerechtigkeit für alle" oder als Football-Coach in "An jedem verdammten Sonntag": Immer wieder trägt er ausschweifende, wortgewaltige Monologe - fast als stünde er auf einer Bühne, als spielte er für die Anwesenden und nicht für die Kamera. Und tatsächlich wird Al Pacino auch in Zukunft seine Leidenschaft für das Theater ausleben. Er spielte schon Stücke von Shakespeare, Bertolt Brecht und Oscar Wilde, nun folgt mit "China Doll" ein eigens für ihn geschriebenes. Ab Herbst 2015 wird Pacino am Broadway auf der Bühne stehen, er spielt einen Milliardär mit einer jungen Verlobten. Doch auch für Kinofans gibt es gute Nachrichten. Gleich drei neue Filme ("Manglehorn", "Danny Collins" und "Beyond Deceit") mit Pacino sind für 2015 und 2016 angekündigt. Der 75. Geburtstag ist für Pacino also kein Grund, sich von der Schauspielerei zurückzuziehen. Wie sagte er schon als Polizist Vincent Hanna in der berühmten "Heat"-Szene über seinen Job: "Ich habe nichts anderes gelernt. Und ich glaube, ich will auch gar nichts anderes." 

Quellen: imdb.com, 3sat.de, zdf.de, br.de, youtube.com, DVD "Heat"

Foto: Kindly granted by Thomas Schulz from Vienna, Austria (Al PACINO) CC BY-SA 2.0 (http://creativecommons.org/licenses/by-sa/2.0), via Wikimedia Commons

Manuel Kern

VERÖFFENTLICHT AM

07. Mai 2015

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