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Kommentar

Titten raus, Stimmung!

Wenn es nach Bundesjustizminister Heiko Maas geht, dann sehen wir bald keine Werbung mehr, die Frauen oder Männer zu nackt zeigt oder auf Sexualobjekte reduziert. Da stellt sich mir allerdings die Frage, welche Werbung reduziert nicht und stellt den Menschen in seinem allumfänglichen Sein dar?

Witzige und gut gemachte Werbung für leckeres Bier - für mich zumindest. Foto: Collage von Werbeanzeigen von Astra Bier,  via: www.astra-bier.de

Witzige und gut gemachte Werbung für leckeres Bier - für mich zumindest. Foto: Collage von Werbeanzeigen von Astra Bier, via: www.astra-bier.de

 

 

kommentiert

Eigentlich wissen wir ja alle, dass Werbung knallharten Gesetzen folgt: Sie muss Umsätze steigern, Betrachter zum Kauf anregen, neugierig machen und das Produkt, das sie bewirbt, möglichst so einzigartig verkaufen, dass ich als Konsument nur dieses eine will, und kein anderes mehr. Werbung ist der Köder, der dem Fisch schmecken muss, nicht dem Angler. Und übrigens schon gar nicht der Wasserschutzpolizei. Sprich: Werbung ist, wie sie ist, weil die potenziellen Käufer so am besten auf sie ansprechen.

Wenn sich also ein Produkt durch das Bild einer schönen, halbnackten Frau (oder eines schönen, halbnackten Mannes) besser verkauft als ohne diese, dann liegt das nicht unbedingt an den bösen Werbern, sondern an der Zielgruppe, den Käufern. Die umstrittene Regel "Sex sells" gilt in der Werbebranche eben immer noch. Dabei geht es nicht nur darum, dass man mit einem schönen und gepflegten Menschen mehr Aufmerksamkeit erweckt, als mit Menschen in Jogginghose oder mit Bierbauch. Werbung, die provoziert, die nicht ganz politisch korrekt oder gar "sexistisch" ist, bleibt im Gedächtnis. Sie bekommt Publicity und so spielen alle, die sich über sie aufregen, schlussendlich den Machern der Werbung in die Hände. Denn auch negative PR ist PR, wie es in Werbekreisen so schön heißt. Wer etwas anderes behauptet, belügt sich selbst. Und sollte daher vielleicht besser den Mund halten.

Wenn nun Minister Maas meint, in Sachen Werbung juristisch eingreifen zu müssen, dann schießt er mit Kanonen auf Spatzen. Denn wenn wir ehrlich sind, gibt es keinen weitläufigen, breiten, umfassenden Sexismus in der Werbung. Einerseits, weil kein Unternehmen viel Geld für eine Kampagne ausgeben würde, die nach einer Rüge des deutschen Werberats, einem fiesen Shitstorm oder ähnlichem gleich wieder in der Versenkung verschwinden muss. Andererseits, weil Sexismus nicht für alle Menschen gleich definiert ist. Während eine meiner Freundinnen beispielsweise Werbung für Astra-Bier häufig sexistisch, geschmacklos und "unter aller Sau" findet, kann ich über fast jede Anzeige lachen. Auch über die, die unter die Gürtellinie gehen. Weil ich die Wortspiele witzig finde. Und die Motive. Und auch die gemachten Brüste oder nackten Ärsche, die es darauf manchmal zu sehen gibt. Die auch nichts mit dem Bier an sich zu tun haben. Laut der Sexismus-Debatte in dieser Werbung also nichts verloren hätten. Und wäre jetzt juristisch geregelt, was als sexistisch zu verstehen ist, und was nicht, wäre die Meinungsfreiheit jedes Einzelnen von uns ganz schön im Arsch.

Kristina Simic

Kommentare geben nicht die offizielle Haltung der Hochschule wieder, sondern nur die Meinung oder Einschätzung des kennzeichnenden Autors. Im Falle der HdM-Website sollen sie außerdem zur Diskussion über ein aktuelles Medienthema im Zeitgeschehen anregen

VERÖFFENTLICHT AM

13. Mai 2016

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