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Serienkritik

Lächle nicht, sonst hacke ich dich

In "You are wanted" spielt Matthias Schweighöfer ("Keinohrhasen", "Der geilste Tag") einen Hotelmanager, der durch einen Hacker-Angriff alles verliert. Seit Freitag, den 17. März 2017, ist die Fernsehserie auf der Streaming-Plattform Amazon Video zu sehen. Die erste deutsche Amazon-Produktion erzielte so einen großen Erfolg, dass die Produktionsfirma direkt die zweite Staffel ankündigte. Die Kritiken gehen jedoch weit auseinander.

Filmplakat "You are wanted". Foto: Amazon

Filmplakat "You are wanted". Foto: Amazon

Schweiß tropft von Lukas Frankes Stirn. Bei einem Hackerangriff hat er nicht nur all seine Daten, sondern auch seine Identität verloren. Seine Lebensgeschichte droht dem jungen Familienvater aus den Händen zu gleiten, doch der Gesichtsausdruck wirkt gequält ernst. Zu lieb sind die Lachfalten und die Grübchen von Matthias Schweighöfer, der nicht nur Lukas Franke verkörpert, sondern die Serie "You are wanted" auch gemeinsam mit Bernhard Jasper produzierte.

Es scheint der Fluch eines deutschen Komödien-Schauspielers zu sein, der mit der ernsten und durchaus tragischen Geschichte der Serie in weiten Teilen überfordert scheint. Dabei ist die Thematik, auf ihre Grundpfosten herunter reduziert, brandaktuell. Durch den Hackerangriff gerät Lukas Franke in Verdacht, Mitglied einer terroristischen Vereinigung zu sein. Gemeinsam mit Lena Arandt (Karoline Herfurth), die ebenfalls gehackt wurde, begibt er sich auf die Spur der Täter.

Die überwiegend gute schauspielerische Leistung der Akteure überdeckt zwar zeitweise die schwach konzipierten Charaktere, doch wahrscheinlich hätte auch den Schauspielern eine kompakte Filmversion besser getan. Catrin Striebeck etwa, die als dauerrauchende Kommissarin Sandra Jansen eine der wenigen Charakterrollen besetzt und dennoch an den Vorurteilen zu deutschen Thrillerproduktionen nichts zu rütteln vermag. In sechs Folgen verliert sich "You are wanted" immer wieder in vorhersehbaren Handlungswendungen, Logikfehlern und Produktplatzierungen.

Bei Amazon-Nutzern beliebt, bei vielen Medien nicht

Auch die sehr einfache und klischeehafte Darstellung der Berliner-Hackerszene kratzt an dem Anspruch, die Serien mit ähnlichen Themen wie "Black Mirror" (Netflix) oder "Mr. Robot" (Amazon) mit einem wesentlich realistischeren Plot erschaffen haben. So verliert die Bundeshauptstadt durch einen Hackerangriff mal eben jegliche Stromverbindung, nur um dies dem armen Hotelmanager in die Schuhe zu schieben. Trotz aller kritischen Reaktionen in den meinungsgebenden Medien, bewerteten die Amazon-Nutzer die Serie bisher fast durchgängig mit fünf Sternen, der höchsten Bewertung. Angespornt von dem nach eigenen Angaben erfolgreichsten Serienstart in Deutschland aller Zeiten, hat Amazon bereits die zweite Staffel der Serie bestellt.

Amazon Prime bietet derzeit einen kostenlosen Probemonat an, mit dem man alle sechs Folgen der ersten Staffel von "You are wanted" sehen kann.

Maximilian Wolf

VERÖFFENTLICHT AM

23. März 2017

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