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Filmkritik "ES" 03. Oktober 2017

Wovor hast Du Angst?

In seiner Neuverfilmung des Stephen King Romans "ES" bringt Regisseur Andrés Muschietti den Horrorklassiker erstmals auf die Kinoleinwand. Dabei bricht er nicht nur Rekorde, sondern lehrt auch eingefleischte King-Fans das Fürchten.

Das Filmplakat zu "ES", Foto: © Warner Bros. Entertainment
Das Filmplakat zu "ES", Foto: © Warner Bros. Entertainment

Was geht da vor in Derry, Maine? Immer wieder verschwinden Menschen, allen voran Kinder. Doch das scheint die Erwachsenen des Ortes nicht wirklich zu interessieren. Sie suchen weder ernsthaft nach Gründen noch nach den Vermissten. Als auch Bill Denbroughs (Jaeden Lieberher) kleiner Bruder Georgie (Jackson Robert Scott) wie vom Erdboden verschluckt wird, macht sich der Junge gemeinsam mit seinen sechs Freunden Eddie (Jack Dylan Grazer), Richie (Finn Wolfhard), Stanley (Wyatt Oleff), Beverly (Sophia Lillis), Ben (Jeremy Ray Taylor) und Mike (Chosen Jacobs) auf, das Geheimnis hinter Georgies Verschwinden zu lüften. Und schneller als gedacht, kommt der "Club der Loser", wie Bill und seine Freunde genannt werden, einem grauenhaften Monster auf die Spur, das im Kanalisationssystem der Stadt lebt, sich an den Ängsten seiner Opfer labt und in der Gestalt von Pennywise, dem tanzenden Clown (Bill Skarsgård), alle 27 Jahre seine Beute jagt und erlegt ...

Der Stoff, aus dem Alpträume sind

Bereits vor dem Kinostart hat Muschiettis Verfilmung von "ES" einen Rekord gebrochen - der Trailer wurde in nur 24 Stunden mehr als 196 Millionen Mal angesehen. Und was der Trailer verspricht, kann die Neuverfilmung des Horrorklassikers in jedem Fall halten: Neben großartigen Darstellern, schaffen die 135 Minuten Spielzeit des Films eine Atmosphäre im Kino, die dem Zuschauer die Nackenhaare aufstellt. Dies hat zum einen mit der Darbietung von Bill Skarsgård zu tun: Er spielt den Clown Pennywise durch und durch verstörend und angsteinflößend, was zum größten Teil an Skarsgårds fantastischer Mimik liegt. Wie er die Zähne bleckt, die Lippen spitzt und seine Opfer mit einem durchdringend-bösen Blick von schrägunten anschaut, ist gruslig und sehenswert zugleich - vor allem, wenn Pennywises diabolische Fratze den Zuschauer von der Leinwand förmlich anspringt. Zum anderen versteht es Muschietti die Balance zwischen Komik und Tragik sowie Horror und Spannung zu halten. Die Spannung wird aufgebaut, indem die Dramaturgie des Films zwischen pastellfarbenen Bildern der sommerlichen Kleinstadt und Aufnahmen der düsteren Orte, in denen das Grauen lauert, wechselt.

Leiden, Lieben, (Über-)Leben

Kings Buchvorlage ist im Grunde ein Entwicklungsroman, der die Entwicklung der Protagonisten von der Kindheit hin zum Erwachsensein mit Mitteln des Horrors erzählt. Dabei arbeitet King im Roman mit zwei Zeitebenen, der Kindheit und dem Erwachsensein, zwischen denen er in seiner Erzählung hin und her springt - genau wie die TV-Verfilmung von "ES" aus dem Jahr 1990. Muschietti dagegen erzählt die Handlung stringent, so dass der Kern der Geschichte, das frühe Erwachsenwerden müssen der kindlichen Protagonisten, klar herausgestellt wird. Während die Kinder Pennywise auf die Spur kommen, erfahren sie viel über das Leben an sich, über Leid, Liebe und vor allem Freundschaft und Zusammenhalt, die beiden treibenden Kräfte, die ihnen helfen, sich ihren Ängsten zu stellen und schlussendlich zu überleben. So ist auch am Ende des Films klar, dass es eine Fortsetzung geben wird, die den Teil des Romans aus der Erwachsenenperspektive erzählt. 

1990 hat US-Schauspieler Tim Curry im TV-Zweiteiler von "ES" der alptraumhaften Version eines Clowns ein Gesicht gegeben. Und auch Bill Skarsgård wird mit Sicherheit dafür sorgen, dass es kommenden Generationen an Alpträumen, in denen ein Horror-Clown die Hauptrolle spielt, nicht mangeln wird.

"ES" ist seit dem 28. September 2017 im Kino zu sehen.

 

Kristina Simic

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