Vortrag

Digitale Revolution und Digitale Ethik

Neue Anforderungen für die alte Frage nach dem 'guten Leben'

Nachdenken, bevor man etwas postet: Das ist auch das Leitmotiv der Digitalen Ethik. Hinweisschild einer kanadischen Polizeibehörde, 2010 (Foto: Oliver Zöllner)
Nachdenken, bevor man etwas postet: Das ist auch das Leitmotiv der Digitalen Ethik. Hinweisschild einer kanadischen Polizeibehörde, 2010 (Foto: Oliver Zöllner)

In einem Vortrag bei der Abtei­lungs­leiter­konfe­renz des Volks­hoch­schul­verbands Baden-Württem­berg am 14. März 2017 in Lein­felden-Echter­dingen hat HdM-Professor Oliver Zöllner einen Über­sichts­vortrag über das Themen­spektrum und die An­wendungs­mög­lich­keiten der Digitalen Ethik gehalten. Unter dem Titel "Digitale Revo­lution und Digitale Ethik" zeigte er auf, welche Transformationen gleicher­maßen im Mediensystem wie auch im Denken des Menschen derzeit von­statten gehen und welche konstruk­tive Rolle ethische Analyse­ansätze im Alltag spielen können.

Zöllner spannte in seinen Ausführungen den Bogen von Big Data und ihren Angriffen auf Daten­hoheit und Privat­sphäre über neue Freundschafts­konzepte im Internet­kontext bis hin zu verschobenen Werthaltungen, die sich im Zuge der Digitali­sierung ergeben und etwa auch die Frage nach der Wahrheit neu stellen – in jüngerer Zeit am deutlichsten wohl am Beispiel der tatsachenfreien Meldungen bzw. "Fake News".

Wie ist vor solch einem Hintergrund ein "gelingendes" oder "gutes" Leben möglich, also die eudaimonia im Sinne von Aristoteles? Zöllner stellte einen alltagstauglichen medien­ethischen Werkzeug­kasten vor, der Menschen dabei helfen kann, ihr eigenes Handeln (oder Unterlassen), aber auch die ihnen von dritter Seite als scheinbar "unausweichlich" oder "alternativlos" präsentierten Vorgaben zu hinterfragen und sich auf diese Weise in der Praxis zu üben, im Austausch mit Anderen zu "erblühen". Wenn man dieses etwas lyrisch klingende altmodische Wort einmal für den Moment ernst nimmt, so Zöllner, habe man zumindest schon den ersten Schritt getan, um dem "people-farming", wie es der Internetunternehmer und -kritiker Aral Balkan nennt, also der Rolle als bloß zu melkendes "Datenvieh" von Facebook, Google und anderen Datenbank-Giganten zu entgehen. Man könnte auch sagen: um seine Würde als autonom handelndes Subjekt wiederzuerlangen. Diese Diskussion sei dringend notwendig und bedürfe eines gesellschaftlichen Bewusstseins.

 

Vortrag auf Veranstaltung: Abteilungsleiterkonferenz des Volkshochschulverbands Baden-Württemberg
Veranstaltungsort: Leinfelden-Echterdingen
Datum: 14.03.2017

Weiterführende Links:
Institut für Digitale Ethik an der Hochschule der Medien Stuttgart


Autoren

Name:
Prof. Dr. Oliver Zöllner  Elektronische Visitenkarte
Forschungsgebiet:
Empirische Medienforschung, Soziologie der Medienkommunikation, Digitale Ethik, Public Diplomacy, Nation Branding
Funktion:
Professor
Lehrgebiet:
Medien-, Publikums- und Marktforschung, sozialwissenschaftliche Methodenlehre, Soziologie der Medienkommunikation, Digitale Ethik, Public Relations, Public Diplomacy, Nation Branding, Hörfunkjournalismus
Studiengang:
Medienwirtschaft (Bachelor, 7 Semester)
Fakultät:
Fakultät Electronic Media
Raum:
216, Nobelstraße 10 (Hörsaalbau)
Telefon:
0711 8923-2281
Telefax:
0711 8923-2206
E-Mail:
zoellner@hdm-stuttgart.de
Homepage:
http://www.media-research.eu
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