Vortrag

Digitale Ethik und das 'gute Leben'

Eine Verbindung von europäischer und fernöstlicher Philosophie

Die Volkshochschule Tübingen im Mondenschein: ein guter Ort für Diskussionen und Diskurse. (Foto: Oliver Zöllner)
Die Volkshochschule Tübingen im Mondenschein: ein guter Ort für Diskussionen und Diskurse. (Foto: Oliver Zöllner)

Am 10. Oktober 2017 hielt HdM-Professor Oliver Zöllner an der Volkshochschule Tübingen einen Vortrag zum Thema "Digitale Ethik und das 'gute Leben'". In ihm stellte er an zahlreichen Beispielen das Konzept der Medienethik im Zeitalter der Digitalisierung vor und legte Sichtweisen der westlich-griechischen Ethiktradition aristotelischer Prägung auf das Thema ebenso dar wie Perspektiven östlich-chinesischer Denkweisen. Wie lassen sie sich nutzen, um den gegenwärtigen Umbruch in alltäglichen, medienbezogenen Verhaltensweisen zu erklären?

In der europäischen Philosophietradition steht bei der Suche nach dem guten, glücklichen Leben die Frage im Mittelpunkt, wie der Einzelne sich im Alltagshandeln darum bemühen kann, ein vortreffliches Leben gemeinsam mit Anderen zu führen. Es zeichne sich ab, so Zöllner, dass sich im Zuge und unter dem Einfluss der Digitalisierung das Bild des Menschen von sich selbst ändert: weg vom autonomen, individuellen Selbst der "Gutenberg-Galaxis" (Buchkultur), allmählich hin zum heteronomen, "relationalen" Selbst der Netzwerk-Kultur, für das Privatheit ergo nicht mehr so bedeutsam ist.

Neben klassischen westlichen Perspektiven auf (Medien-)Ethik griff Oliver Zöllner, dem Veranstaltungsthema folgend, auch klassische fernöstliche Ethikkonzeptionen auf, die sich aus Daoismus, Zen-Buddhismus und Konfuzianismus speisen. In diesen Denktraditionen stehen - durchaus im Sinne eines "relationalen Selbst" - stark die Verbindung mit Anderen und das Umgehen mit Paradoxien und Widersprüchen im Vordergrund. Ebenso können die in östlichen Ethiken angelegte Betonung von permanentem Wandel (Innovationsfähigkeit), gegenseitige Rücksichtnahme und die Respektierung von Privatheit durchaus als geeignete Kompetenzen und Tugenden im Zeitalter der Digitalität identifiziert werden. Wir werden im Netzzeitalter immer "östlicher", fasste es Zöllner pointierend zusammen (unverkennbar ein Rückgriff auf die Thesen von Marshall McLuhan, die inzwischen auch im Kontext der Digitalen Ethik wiederentdeckt werden) - und der Umgang mit diesem allmählichen Wandel ist durchaus auch als Kompetenz zu verstehen.

Das diskussionsfreudige Tübinger Publikum griff Zöllners Ausführungen und Thesen engagiert auf.

 

Vortrag auf Veranstaltung: Vortrag im Rahmen der Initiative 'Volkshochschulen für Europa'
Veranstaltungsort: Tübingen
Datum: 10.10.2017


Autoren

Name:
Prof. Dr. Oliver Zöllner  Elektronische Visitenkarte
Forschungsgebiet:
Empirische Medienforschung, Soziologie der Medienkommunikation, Digitale Ethik, Public Diplomacy, Nation Branding
Funktion:
Professor
Lehrgebiet:
Medien-, Publikums- und Marktforschung, sozialwissenschaftliche Methodenlehre, Soziologie der Medienkommunikation, Digitale Ethik, Public Relations, Public Diplomacy, Nation Branding, Hörfunkjournalismus
Studiengang:
Medienwirtschaft (Bachelor, 7 Semester)
Fakultät:
Fakultät Electronic Media
Raum:
216, Nobelstraße 10 (Hörsaalbau)
Telefon:
0711 8923-2281
Telefax:
0711 8923-2206
E-Mail:
zoellner@hdm-stuttgart.de
Homepage:
http://www.media-research.eu
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