Vortrag

Facebook: Bist Du wirklich mein Freund?

Vortrag am Deutsch-Amerikanischen Zentrum Stuttgart

In seinem Vortrag am Deutsch-Amerikanischen Zentrum Stuttgart fragte Prof. Dr. Oliver Zöllner, inwieweit Facebook als
In seinem Vortrag am Deutsch-Amerikanischen Zentrum Stuttgart fragte Prof. Dr. Oliver Zöllner, inwieweit Facebook als "Freund" agiert.

Rund 1,7 Milliarden Menschen weltweit nutzen Ende 2016 die Social-Media-Plattform Facebook. Damit ist Facebook größer als das bevölkerungsreichste Land der Erde, China - und wird von manchen Kommentatoren schon als eine Art Quasi-Staat gesehen. Kritische Stimmen sehen in Facebook aber auch Anzeichen für einen Stasi-Staat. Ist Facebook (als Firma wie auch als soziales Online-Netzwerk) wirklich unser Freund? Dieser Frage ging HdM-Professor Oliver Zöllner am 25.10.2016 am Deutsch-Amerikanischen Zentrum Stuttgart nach, in das er zu einem Vortrag eingeladen worden war.

Als einer der Leiter des Instituts für Digitale Ethik (IDE) gab Oliver Zöllner zunächst eine Einführung in Grundfragen der Medienethik. Welche Wertorientierungen sind notwendig, um unter den Bedingungen von Vernetzung und Digitalität ein gutes, gelingendes Leben zu führen? Hier gibt es neue Chancen wie auch Risiken für den Lebensalltag - und Facebook und andere Social Media sind mittendrin.

Den zweiten Teil seiner Ausführungen stellte Zöllner unter den Titel "Freunde (oder 'Freunde'?) auf Facebook" - und griff damit einen auch popkulturell geführten Diskurs auf, den die britische Band Tubeway Army bereits 1979 mit ihrem Hit "Are 'Friends' Electric?" eingeführt hatte (man beachte die distanzierenden Anführungsstriche bei "Friends"...). Es scheint in den Social Media ganz neue Vorstellungen und Ausformungen von "Freundschaft" zu geben, von denen manche bedenklich stimmen können, andere aber einfach nur neu sind - und mit denen wir daher umzugehen lernen müssen. Der Wesenskern oder das Selbst des Menschen scheint sich aber in der digitalen Welt allmählich zu verändern: weg vom autonomen, individuellen Selbst, hin zu einem in der Vernetzung eher fremdbestimmten, "relationalen" Selbst. Wir leben inzwischen, so viel lässt sich zusammenfassend festhalten, mit einem paradoxen medialisierten Freundschaftsbegriff: im "kollektiven Alleinsein" (Kai Erik Trost) bzw. "alone together (Sherry Turkle).

Im dritten Teil seines Vortrags behandelte Oliver Zöllner die auf der Makroebene ebenso interessante Frage, inwieweit Facebook als Institution und Geschäftsmodell unser Freund ist. Konkret heißt das: Welche Formen von Herrschaft üben Facebook als Social-Media-Plattform wie auch die Firma Facebook, Inc., mit ihrem globalen Expansionsbestrebungen aus? Was genau und wen wollen sie beherrschen - und warum? Und wenn das so ist: Ist das uns gegenüber noch als "freundlich" zu bewerten? Hier gilt es auch genuin amerikanische Leitmotive - manche nennen es auch: die "kalifornische Ideologie" - mit ihrem Traum vom besseren Menschen mitzudenken, der sich selbst diszipliniert, optimiert und immer freudig nach vorne schaut, und von Amerika als göttlich auserwählter Nation. Das Internet war von Anfang an ein Tummelplatz für quasi-religiöse Erweckungsvisionen (und ist es bis heute). Facebook ist davon ein Ausdruck. Vernetze dich, um ein besserer Mensch zu werden. Habe mehr "Freunde" als andere, um die Nr. 1 zu sein. Das Leben ist ein Geschäftsmodell. Mache, was du willst, aber mache etwas draus.

In seinen abschließenden Aussichten (die hoffentlich 'schöne Aussichten' sind) warf Zöllner einen Blick in die Zukunft und was man als Nutzer von digitalen Anwendungen tun kann, um etwa seine Privatsphäre zu schützen. Er ging hierbei auch auf die jüngst am Institut für Digitale Ethik entwickelten "Zehn Gebote der Digitalen Ethik" ein, die beim diskussionsfreudigen Publikum großen Anklang fanden.

Vortrag auf Veranstaltung: Vortragsreihe digital:interaction
Veranstaltungsort: Deutsch-Amerikanisches Zentrum (DAZ) Stuttgart
Datum: 25.10.2016

Weiterführende Links:
Deutsch-Amerikanisches Zentrum James-F.-Byrnes-Institut e.V. Stuttgart
Institut für Digitale Ethik (IDE) der Hochschule der Medien Stuttgart


Autoren

Name:
Prof. Dr. Oliver Zöllner  Elektronische Visitenkarte
Forschungsgebiet:
Empirische Medienforschung, Soziologie der Medienkommunikation, Digitale Ethik, Public Diplomacy, Nation Branding
Funktion:
Professor
Lehrgebiet:
Medien-, Publikums- und Marktforschung, sozialwissenschaftliche Methodenlehre, Soziologie der Medienkommunikation, Digitale Ethik, Public Relations, Public Diplomacy, Nation Branding, Hörfunkjournalismus
Studiengang:
Medienwirtschaft (Bachelor, 7 Semester)
Fakultät:
Fakultät Electronic Media
Raum:
216, Nobelstraße 10 (Hörsaalbau)
Telefon:
0711 8923-2281
Telefax:
0711 8923-2206
E-Mail:
zoellner@hdm-stuttgart.de
Homepage:
http://www.media-research.eu
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