Vortrag

WhatsApp & Co.: Brauchen wir neue Werte im digitalen Zeitalter?

Für viele Menschen ist WhatsApp ein Management-Tool für ihren Alltag - und ein Herrschaftsmittel (Bild: Oliver Zöllner).
Für viele Menschen ist WhatsApp ein Management-Tool für ihren Alltag - und ein Herrschaftsmittel (Bild: Oliver Zöllner).

Am 3. November 2020 hielt HdM-Professor Oliver Zöllner einen Vortrag über Digitale Ethik an der Hochschule Konstanz für Technik, Wirtschaft und Gestaltung (HTWG). Das gesetzte Thema drehte sich um "WhatsApp & Co.: Brauchen wir neue Werte im digitalen Zeitalter?" Der COVID-19-Pandemielage geschuldet, fand der Vortrag in der öffentlichen Ringvorlesung "Angewandte Ethik" über ein Videokonferenzsystem statt. Die Publikumsbeteiligung war sehr erfreulich.

Zöllner legte in seinem Vortrag dar, welche Bedeutungen die Digitali­sierung für die Gesellschaft der Gegenwart hat und wie dieser Modernisierungsprozess auch Kommunikation und kulturelle Praxen verändert. Ausgehend vom Konzept der "Digitalen Ethik" machte Zöllner deutlich, dass das Mensch-Sein auf Verantwortung gründet und damit letztlich auf Nachdenken. Die derzeitige oft unreflektierte Nutzung von digitalen Anwendungen, verbunden mit ihrer hohen Bequemlichkeit und einem meist unhinterfragten Innovationsdruck ("der nächste Update"), führe oft dazu, dass neue Anwendungen (etwa aus dem Feld der Künstlichen Intelligenz) implementiert würden, die den Menschen und seine Bedürfnisse und Werte hitenanstellen. Zöllner plädierte im Sinne einer humanistischen Ethik dafür, weiterhin den Menschen in den Mittelpunkt zu stellen: als höchsten Zweck und nicht als Mittel, so sein deutlicher Rückgriff auf Immanuel Kant. Angesichts des rasanten, digital getriebenen Umbaus der Gesell­schaft und vieler ihrer Wertesysteme sei dies eine wichtige Maxime. Zu reflektieren sei hierbei stets die Frage, die Armin Nassehi (2019, S. 12) in einem seiner letzten Bücher so treffend formuliert hat: "Für welches Problem ist die Digitali­sierung eine Lösung?" - eine Frage, die gerade in ihrer Einfachheit bestechend komplex ist.

Am Ende trug Zöllner seine ethisch fundierten Überlegungen zur "Digitalitätsbürgerschaft" vor. Dieses Konzept sieht den Menschen als Bürgerin und Bürger (und eben nicht bloß als Konsumenten), nimmt den Menschen aber zugleich in die Verantwortung, seinen Einsatz von digitalen Anwendungen kompetent selbst zu bestimmen. Hierfür müssten die Bildungsgrundlagen - eine Art Digitalkompetenz - bereits ab dem Kindergartenalter geschaffen werden.

 

Vortrag auf Veranstaltung: Ringvorlesung 'Angewandte Ethik'
Veranstaltungsort: Hochschule Konstanz - Technik, Wirtschaft und Gestaltung (HTWG)


Autoren

Name:
Prof. Dr. Oliver Zöllner  Elektronische Visitenkarte
Forschungsgebiet:
Empirische Medienforschung, Soziologie der Medienkommunikation, Digitale Ethik, Public Diplomacy
Funktion:
Professor
Lehrgebiet:
Medien-, Publikums- und Marktforschung, sozialwissenschaftliche Methodenlehre, Soziologie der Medienkommunikation, Digitale Ethik, Public Relations, Public Diplomacy, Nation Branding, Hörfunkjournalismus
Studiengang:
Medienwirtschaft (Bachelor, 7 Semester)
Fakultät:
Fakultät Electronic Media
Raum:
216, Nobelstraße 10 (Hörsaalbau)
Telefon:
0711 8923-2281
Telefax:
0711 8923-2206
E-Mail:
zoellner@hdm-stuttgart.de
Homepage:
https://www.oliverzoellner.de
Oliver Zöllner

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